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Burg Eppstein

Burg · 200 m über NN
Gemarkung Eppstein, Gemeinde Eppstein, Main-Taunus-Kreis 
Settlement | Statistics | Constitution | Property | Church and Religion | Culture | Economy | References | Citation
Settlement

Settlement Type:

Burg

Localization:

6 km nordwestlich von Hofheim am Taunus

Geographical Situation:

Auf einem Bergsporn in der Stadt Eppstein

[11. Jahrhundert] - 18. Jahrhundert (Westhälfte) / 19. Jahrhundert (Osthälfte)

Besitzgeschichte: Ersterwähnung 1122. Zur Zeit der Ersterwähnung war die Burg wohl im Besitz von Graf Udalrich. 1124 schenkte Kaiser Heinrich V. die Osthälfte der Burg dem Erzstift Mainz. Bis spätestens 1137 ging die Westhälfte als Reichslehen ebenfalls an das Erzstift. Nach Erzbischof Adalberts (1137) belehnte das Erzstift Graf Gerhard von Nürings mit der Burg, der somit zugleich Aftervasall für das Reichslehen und Vasall für das Allod des Erzbistums wurde. Nach dessen Tod wurde (im 9. Jahrzehnt des 12. Jahrhunderts) Gerhard von Hainhausen belehnt, der sich nach seinem neuen Burgsitz benannte und somit Stammvater der jüngeren der Herren von Eppstein wurde. Fortan waren die Herren von Eppstein als mainzische Lehnsnehmer Burgherrn.

1433 erfolgte die Teilung des Hauses Eppstein in zwei Linien: Eppstein-Königstein bezog als Residenz Burg Königstein, während die Eppstein-Münzenberger weiterhin auf Burg Eppstein residierten. 1492 verkaufte Gottfried (IX.) von Eppstein die Westhälfte der Burg an den hessischen Landgrafen Wilhelm II. (reg. in Niederhessen, seit 1500 auch in Oberhessen), so dass der Linie Eppstein-Münzenberg nur die Osthälfte als

mainzisches Lehen sowie der Gemeinschaftsbereich (Bergfried, die zwei Brunnen, Kapelle, Innenhof sowie die beiden Aufgänge der Burg) verblieb. Die Burg wurde Amtssitz der Herrschaft Eppstein.

Funktion: Stammsitz der Herren von Eppstein. Unter Kurmainz (seit 1581) Kellerei und (Amtsvogtei); unter den Landgrafen von Hessen seit 1492 zeitweise Amtssitz und Kellerei der Herrschaft Eppstein.

Burggeschichte: Um die Mitte des 14. Jahrhunderts schwerer Brand in der Kernburg. Im Dreißigjährigen Krieg erfolgten zahlreiche Besitzwechsel der Burg. 1620 zwangen kaiserliche Truppen die in protestantischen Diensten stehenden Verteidigungstruppen nach zweitägiger Belagerung zur Aufgabe. Dem auf katholischer Seite stehenden Landgrafen Ludwig von Hessen-Darmstadt wird vom Reichshofrat der hessische Anteil zugesprochen. Die Osthälfte wird wieder von kurmainzischen Beamten besetzt, nachdem diese bei Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges vertrieben worden waren. 1631 wurde die Burg von schwedischen Truppen besetzt und den Grafen von Stolberg übergeben. 1635 erfolgte die Rückeroberung durch kaiserliche Truppen. 1640 erneute Eroberung der Burg durch protestantische Truppen und baldige Rückeroberung durch Kurmainz. 1648 von französischen Truppen besetzt.

Während der französischen Revolutionskriege wurde die Burg zeitweise zum Sitz des preußischen Generalstabs (1794/95) und französisches Lazarett (1796 und 1813 während der Befreiungskriege)

1507 trat Eppstein-Münzenberg seine Osthälfte an Eppstein-Königstein ab.

1535 erlosch mit dem Tod Eberhards IV. das Haus Eppstein (1522 war mit Gottfried [IX.] die Linie Eppstein-Königstein ausgestorben). Die Osthälfte ging im Erbgang an die Grafen von Stolberg. Nach dem Tod des hessischen Landgrafen Philipp (1567) und der Vierteilung der Landgrafschaft geht der hessische Westteil an Landgraf Ludwig IV. von Hessen-Marburg (reg. 1567-1604). 1581 besetzten kurmainzische Truppen die Osthälfte der Burg wegen Streitigkeiten der Stolberger Erbschaft. Kurmainz zog die Burghälfte als heimgefallenes Lehen ein. ein. Fortan blieb die Burg bis zur Ausflösung des Heiligen Römischen Reiches im geteilten Besitz von Hessen und Kurmainz. 1604 ging nach dem Tod von Landgraf Ludwig IV. von Hessen-Marburg der hessische Teil an Landgraf Moritz von Hessen-Kassel (reg. 1592-1627). Im Dreißigjährigen Krieg mehrfacher Besitzwechsel (siehe Burggeschichte). Im Westfälischen Frieden (1648) wurde die Burg Kurmainz (Osthälfte) und der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt (Westhälfte) zugesprochen. Die hessen- darmstädtische Burghälfte war im 17. Jahrhundert zumeist verpfändet. 1803 an Nassau-Usingen (seit 1806 Herzogtum Nassau), 1819/23 ging die Burganlage in privaten Besitz über. Lediglich die katholische Kirche und der Nachbarbau blieben nassauischer Staatsbesitz (1866 an Preußen).

Baugeschichte: Nach dem Brand Mitte des 14. Jahrhunderts Wiederaufbau der Burg, jedoch nicht mehr im romanischen, sondern im gotischen Stil. Der alte quadratische Bergfried wurde abgebrochen und ein höherer rund geformter Bergfried [an gleicher Stelle] neuerrichtet. Palas nun mit vier steinernen Stockwerken mit einem Zugang zum Bergfried. Im 14./15. Jahrhundert wurden nach Abbruch der Vorgängerbauten neue Gebäude in der Kernburg errichtet, wie das dreigeschossige Kelterhaus in der Osthälfte. In der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts zahlreiche Baumaßnahmen, um die Wehrhaftigkeit der Burg zu steigern: Bau der nördlichen Zwinger mit Türmen und Errichtung des Westtores, welches durch Zwinger und Türme gesichert wurde.

In der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts Stagnation der Baumaßnahmen, bedingt durch Machtverlust der Linie Eppstein-Münzenberg, mangelnde Initiative und den zunehmenden Verlust der Wehrhaftigkeit der Burganlagen durch effizienteres Geschützwesen. So erfolgte lediglich der Bau von Wohn- und Verwaltungsgebäuden. Um 1492-1509 erfolgte die Errichtung des landgräflichen Küchenbaus im Innenhof der Kernburg. 1535 und 1577 Zerstörung der gemeinschaftlichen Kapelle durch die Stolberger. Nachdem Kurmainz den stolbergischen Besitz (Osthälfte) übernommen hatte, wurde [einer Bauinschrift zufolge in den Jahren 1601-1604 ] das Tor errichtet, welches den Innenhof vom sog. "Mainzer Hof", der östlichen Kernburg, trennte.Landgraf Moritz bemühte sich die Wehrhaftigkeit der Burg um 1616 zu steigern, etwa durch die Errichtung des Südzwingers.

Baubeschreibung: Die Kernburg hat eine unregelmäßig rechteckige Form und lässt sich in West- und Osthälfte gliedern, da die Besitzverhältnisse maßgeblich auf die Baugeschichte einwirkten. Im Westen der Kernburg liegt der viergeschossige Palas (16 x 12 m). Nördlich des Palas anliegend steht der runde Bergfried auf dem Fundament eines älteren rechteckigen Turms. An der nördlichen Ringmauer an den Bergfried anliegend ein Treppenhaus, östlich davon ein Küchenbau und Brunnen. Im südlichen Innenhof die Burgkapelle. Etwa in der Mitte der südlichen Ringmauerseite das Tor.

An dem südlichen Ringmauerabschnitt der Osthälfte der Kernburg das dreigeschossige Kelterhaus und der ebenfalls dreigeschossige sog. "Juchhe"- Bau, welcher als Wohnung des kurmainischen Kellers diente. An der Ostseite der Ringmauer Wasch- und Backgebäude, im Norden die Kirche. Die Osthälfte der Burg hatte mit dem "Mainzer Hof" einen Innenhof, der vermutlich seit Beginn des 17. Jahrhunderts durch ein Tor von der westlichen Kernburg separiert wurde. Die Kernburg ist im Süden, Westen und Norden durch zahlreiche Zwinger unterschiedlicher Größe umschlossen. Lediglich im Osten grenzt die Kernburg an den Halsgraben. - Die Ostseite der Burg ist durch einen 12-15 m breiten Halsgraben gesichert (12./13. Jh.), welcher die Burganlage von dem Bienberg trennt. Die steinerne Brücke über den Halsgraben war in der Mitte mit einer hölzernen Aufzugbrücke gesichert, welche zu Beginn des 18 Jh.s durch Mauerwerk ersetzt wurde. Über dem Osttor war ein Wehrgang mit Schießscharten. - Das jüngere Westtor lässt sich über Norden erreichen, wo das Gefälle weniger steil abfällt. Der Von Norden nach Westen führende Aufgang, die sog. "Klappergasse", wird durch mehrere Zwingeranlagen geschützt, die sich entlang des Westaufgangs bis zum Tor erstrecken.

Abgang: Als die Burg 1803 Nassau zufiel, wurde noch im selben Jahr der Abbruch der baufälligen westlichen Burghälfte angeordnet und im Folgejahr entgegen lokaler Widerstände mit den Abbrucharbeiten begonnen.

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts weiterer Zerfall der verbliebenen Burganlage. Im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts wurden bauliche Untersuchungen sowie umfassende Sicherungs- und Wiederherstellungsarbeiten an der Burg vorgenommen. Im 6. und 7. Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts erfolgten weitere Sicherungsarbeiten durch die Gemeinde.

Erhaltungszustand: 1869 erwarb Fürst Otto von Stolberg-Wernigerode die ruinöse Burg. 1929 ging die Burg an die Gemeinde Eppstein.

Coordinates:

Gauß-Krüger: 3456720, 5556203
UTM: 32 U 456662 5554420
WGS84: 50.14042884° N, 8.393522299° O OpenLayers

Statistics

Location Code:

43600203003

References

Bibliography:

Citation
„Burg Eppstein, Main-Taunus-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/en/subjects/idrec/sn/ol/id/14755> (Stand: 25.6.2014)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde