Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

The Topography of National Socialism in Hessen

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Hadamar, Landesheilanstalt

Hadamar, Gemeinde Hadamar, Landkreis Limburg-Weilburg
Mönchberg 8
Classification | Utilization | Indices | References | Illustrations | Citation
Classification

Category:

Verfolgung

Sub Category:

Euthanasie 

Utilization

Object Description:

Die vormalige Landesheilanstalt Hadamar war von Januar bis August 1941 eine der sechs von der Berliner „T4-Zentrale“ eingerichteten Gasmordanstalten im Deutschen Reich und agierte auch zwischen August 1942 und März 1945 als Mordanstalt. Hier wurden physisch und psychisch Kranke systematisch getötet. Unter den Ermordeten befanden sich auch Menschen jüdischen Glaubens und Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen.

Die Patientinnen und Patienten wurden mit Bussen der von der „T4“ betriebenen „Gemeinnützigen Krankentransport GmbH“ in die Anstalt gebracht; die Busse fuhren in die Busgarage, um so die Ankunft der neuen Patientinnen und Patienten, die dort getötet werden sollten, geheim zu halten. Im Keller des Haupthauses befand sich die eine zwölf Quadratmeter große, als Duschraum getarnte Gaskammer. Diese war zwischen November und Dezember 1940 von Handwerkern eingebaut worden, die von der „Gemeinnützigen Stiftung für Anstaltspflege“, einer Abteilung der „Aktion T4“, beschäftigt wurden. Im Erdgeschoss sowie den oberen Stockwerken des Haupthauses wurden die Krankenzimmer zu Büros und einem Untersuchungszimmer sowie zu Wohnräumen für die rund 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter umgebaut.

Description:

Die Landesheilsanstalt Hadamar war in Hessen eine der wichtigsten Einrichtungen zur Durchsetzung der eugenischen und „rassischen“ Ideen der Nationalsozialisten. Hier wurden als „unwert“ stigmatisierte Menschen ermordet. Die Anstalt hatte eine gute Verkehrsanbindung, die die Verlegung von Patientinnen und Patienten aus Hessen-Nassau, dem Rheinland und Westfalen nach Hadamar ermöglichte.

Aus den Zwischenanstalten Andernach, Eltville (Eichberg), Galkhausen, Herborn, Idstein (Kalmenhof), Scheuern, Erbach, Weilmünster, Weinsberg und Wiesloch wurden die Patientinnen und Patienten nach Hadamar verlegt.. Zusätzlich gab es Transporte mit insgesamt 328 jüdischen Patientinnen und Patienten aus Düsseldorf-Grafenberg und Heppenheim.

In der Anstalt Hadamar wurden jene Menschen systematisch und gezielt ermordet, die von den NS-Machthabern als „minderwertig“ angesehen wurden. Das hierbei eingesetzte Pflegepersonal wurde zum Teil vom Bezirksverband Nassau, zum Teil von der „T4“ beschäftigt.

In der ersten Mordphase, die vom 13. Januar bis zum 21. August 1941 dauerte, wurden insgesamt über 10.000 physisch und psychisch kranke Menschen – oder jene, die von Nationalsozialisten als solche angesehen wurden – mit Kohlenmonoxid getötet. Anschließend wurden die Leichen im Krematorium verbrannt, wobei sie teilweise zuvor noch seziert wurden. Der Abbruch der Aktion „T4“ im August 1941 bedeutete nicht das Ende der NS-„Euthanasie“-Morde in Hadamar. Während der dezentralen Mordphase, die im August 1942 begann und bis zum Kriegsende andauerte, wurden mehr als 4.400 Menschen durch überdosierte Medikamente, Hungerkost oder durch Unterlassung medizinischer Hilfeleistung getötet. Die Toten dieser zweiten Mordphase wurden in als Einzelgräber getarnten Massengräbern auf einem anstaltseigenen Friedhof begraben.

Während der von 1942 bis 1945 durchgeführten Morde wurde der Kreis derer, die man in Hadamar ermordete, erweitert. So wurden auch Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter ermordet, die aufgrund von körperlicher Erschöpfung und Krankheit nicht mehr arbeitsfähig waren. Seit 1943 ereilte „Ostarbeiterinnen“ und „Ostarbeiter“, die an Tuberkulose litten oder als geisteskrank galten, dieses Schicksal. Seit dem 28. Juli 1944 traten hier die hessischen Arbeitsämter in Erscheinung: sie wiesen Erkrankte in die Anstalt ein. Rund 400 an Tbc-erkrankte „Ostarbeiter“ wurden in Hadamar getötet. Zudem wurden nun auch 37 Kinder und Jugendliche umgebracht, die angeblich ein jüdisches Elternteil hatten und die als „verwahrlost“ galten. Auch Angehörige der Wehrmacht sowie ausländische Angehörige der Waffen-SS, die infolge des Kriegseinsatzes nicht mehr wehrtauglich waren, da sie schwere psychische Schäden davongetragen hatten oder ihnen seitens der Wehrmachtspsychiatrie „Simulantentum“ unterstellt wurde, wurden während der letzten Kriegsmonate in Hadamar ermordet.

Utilized From (First Mention):

13.1.1941

Utilized Until (Last Mention):

26.3.1945

Other Utilizations of this Object:

Pre NS-Utilization:

Anfang des 19. Jahrhunderts wurde auf dem Mönchberg in Hadamar, wo sich heute die Gedenkstätte befindet, ein Franziskanerkloster gegründet. Nach der Überführung des Gebäudes in staatlichen Besitz nutzte die öffentliche Hand dieses zunächst als Hebammenlehranstalt und ab 1883 als „Korrigendenanstalt“, in der entlassene Strafgefangene untergebracht waren, um ihr Verhalten zu „korrigieren“. Für diese wurde neben dem ehemaligen Klostergebäude ein Neubau errichtet, in dem sich später die Tötungsanstalt befand und heute die Gedenkstätte. Das Gebäude nutzte ab 1906 die „Landes-Pflegeanstalt für Geisteskranke“ und wurde ab Anfang der 1920er Jahre zusätzlich von einem Psychopathinnenheim genutzt, weshalb die Einrichtung von nun an den Namen „Landesheil- und Erziehungsanstalt“ trug.

Post NS-Utilization:

Nach der Befreiung 1945 führte man den Anstaltsbetrieb fort. Die letzten Bewohner der begleitenden psychiatrischen Dienste zogen 2017 aus dem Gebäude aus. Die erste, von Medizinstudierenden erarbeitete Ausstellung zu den NS-Krankenmorden, befand sich ab 1983 neben den ehemaligen Tötungsräumen im Keller. Die heutige Dauerausstellung der Gedenkstätte Hadamar wurde 1991 eröffnet.

Indices

Places:

Hadamar

Keywords:

Euthanasie · Gesundheitswesen · Verfolgung

References

Co-operation Partner(s):

Gedenkstätte Hadamar

Bibliography:

Weblinks:

Gedenkstätte Hadamar (31.7.2019)

Illustrations

Illustrations:

Citation
„Hadamar, Landesheilanstalt“, in: Topographie des Nationalsozialismus in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/en/subjects/idrec/sn/nstopo/id/97> (Stand: 28.1.2020)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde