Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Monasteries

Dominikanerkloster Marburg

198 m über NN
Gemarkung Marburg, Gemeinde Marburg, Landkreis Marburg-Biedenkopf
Basic Data | History | Property | Ausstattung | References | Citation | Indices
Basic Data

Abstract:

Ende des 13. Jahrhunderts stellt in Marburg Landgraf Heinrich I. von Hessen den Dominikanern für die Gründung eines Klosters Grundstücke auf einem Felsen über der Lahnfurt zur Verfügung. 1527 wird das Kloster durch Landgraf Philipp I. von Hessen in der Reformationszeit aufgehoben, die Mönche verlassen Marburg. In die leerstehenden Gebäude zieht die erste protestantische Universität ein.

Orden:

Dominikaner

Ordensprovinz:

Provincia Teutoniae, seit 1303 Saxoniae, (natio) contrata Thuringiae, chorus sinister

Alte Diözesanzugehörigkeit:

Kirchenprovinz Mainz, Erzbistum Mainz, Archidiakonat St.Stephan Mainz, Dekanat Amöneburg

Type:

Männerkloster

Territorium:

  • Bis 1256: Gericht der Landgrafschaft Thüringen, seitdem Gericht bzw. Amt der Landgrafschaft Hessen

Historical Names:

Localization:

77 km südwestlich von Kassel.

Location:

Die Gebäude liegen auf einem Felsen hoch über der Lahnfurt und bilden einenTeil der Stadtmauer.

Coordinates:

Gauß-Krüger: 3483988, 5630352
UTM: 32 U 483920 5628540
WGS84: 50.80836789° N, 8.771780567° O OpenLayers

History

History:

Der Dominikanerkonvent wird 1291 unter Förderung durch den Landgrafen Heinrich I. gegründet. Das Gründungsdatum der Niederlassung ist umstritten; Wiegand Gerstenberg legt das Jahr 1291 fest, allerdings siegelt 1254 bereits ein Predigerprior in Marburg. 1292 werden die Marburger Dominikaner in das Landkapitel aufgenommen. Ihre Aufgabe sehen die Mönche in der seelsorgerischen Betreuung der Stadtbevölkerung besonders in der Predigt. Eine erste urkundliche Nennung folgt 1317. 1479 streiten die Dominikaner mit den Franziskanern wegen der theologischen Frage zur Belastung Marias, der Mutter Jesu, durch die Erbsünde (Conceptio Mariae). 1477 ist Marburg Ort eines Provinzialkapitels des Dominikanerordens. Gegen die Versuche der Landgrafen, eine Reform des Klosters und einen Beitritt zur strengen Ausrichtung der Observanten, umzusetzen, schließen sich 1480 die Konvente der Dominikaner aus Marburg, Treysa, Mühlhausen und Nordhausen zusammen. 1505 wird der Konvent auf Initiative Landgraf Wilhelm III. schließlich mit Brüdern aus Halle und Magdeburg reformiert. Die Räume des Dominikanerklosters werden im 15. Jahrhundert vom städtischen Rat und den Landvögten als Stellvertreter des Landgrafen gerne als Tagungsstätte genutzt.

1527 wird das Kloster im Zuge der Reformation aufgehoben und Landgraf Philipp lässt den gesamten Besitz inventarisieren. Die verbliebenen dreizehn Brüder werden abgefunden, Silbergegenstände eingeschmolzen und die Gewänder an Privatpersonen verkauft. 1529 wandelt man die Klostergebäude für die juristische Fakultät um und verwendet sie als Pädagogium (collegium Lani), der Friedhof wird zu einem Marktplatz. 1605 kommt es unter Landgraf Moritz dem Gelehrten zum Bildersturm.

Gründungsjahr:

1291

Gründer:

möglicherweise Landgraf Heinrich I (1263 -1308)

Aufhebungsjahr:

1527

Organization:

Die Dominikaner betreuen die Bruderschaft der Schuhmacher, worauf die Forderung der Schuhmacher hinweist, beim Bildersturm ihre Heiligenstatuen aus der Klosterkirche in die Zunftstube zu überführen. Zudem richten die Dominikaner die Rosenkranz- und die Jakobsbruderschaft ein. Zur Zeit der Auflösung des Klosters befinden sich laut Abfindungsurkunde noch 13 Brüder im Konvent. Man wird also von einer Konventsstärke von mindestens 20 Brüdern ausgehen können. Ein Prior leitet das Kloster auf Zeit; ihm stehen ein Subproir für die Verwaltung und ein Lesemeister zur Seite, der die jungen Klosterbrüder auf ein Studium und das klösterliche Leben vorbereitet. Margret Lemberg vermutet, dass die Marburger Dominikaner der Bürgerschicht entstammten.

Marburg stellt Prediger für mehrere Termineien ab, unter anderem für Frankenberg, Homberg, Hachborn, Gießen, Wetzlar, Weilburg und Herborn.

Guardianships:

Johannes Baptista

Archivgeschichte:

Archivreste im Staatsarchiv Marburg.

Bibliotheksgeschichte:

Im östlichen oder westlichen Flügel befindet sich vermutlich die Bibliothek und zusätzliche Räume, in der der Novizenmeister die Novizen unterrichtet. Teile der alten Bibliothek werden in den Bestand der Universität aufgenommen.

Property

Property:

Göttingen, Hermershausen, Marburg, Moischt, Sterzhausen, Weilburg, Weidenhausen

Abhängigkeitsverhältnis:

Abhängig vom Deutschen Orden bezüglich der Gottesdienste.

Ausstattung

Gebäude:

Die heutige Kirche zeichnet sich durch die goldfarbene expressionistische Orgel und den hölzernen Lettner aus, der die ganze Breite der Kirche einnimmt. Die südlichen, westlichen und nördlichen Mauern des Schiffes weisen Emporen auf. Diese stammen von Umbaumaßnahmen aus dem Jahr 1927. Der Chor selbst besteht aus drei Jochen und dreibahnigen Maßwerkfenstern. Vorbild ist vermutlich die Architektur der gotischen Kirchen Kölns wie die Minoritenkirche oder die ehemalige Stiftskirche St. Ursula. Dendrologische Untersuchungen ergeben für das Holzwerk des Chors das Jahr 1308. Der Chorraum besteht aus Mittel- und Seitenschiff. Das Dachwerk des Langhauses stammt von 1420. 1579 wird die Kirche profaniert und als Kornspeicher genutzt.1658 wird die Kirche der reformierten Gemeinde überlassen. Man bricht das Klostergebäude 1873 ab und errichtet an dessen Stelle 1879 das neue Universitätsgebäude. Die heutige Kirche dient jetzt als Universitätskirche. Bis 1927 ist das Schiff vermutlich mit einem flachen Langdach abgeschlossen.

Die ursprüngliche Klosteranlage wies mit Dormitorium, Refektorium, Kapitelsaal und Kreuzgang die für einen Konvent typischen Gebäude auf. Ende des 19. Jahrhunderts werden diese Teile des Klosters abgerissen. Ältere Pläne verzeichnen für den Westeingang der Kirche ein Torhaus.

Objekte:

Vier Kunstwerke aus vorreformatorischer Zeit überleben: das Antlitz Jesu als Schlussstein des Chorabschlusses, eine Maskenkonsole aus der Zeit um 1400, zwei Dominikanerbüsten und eine Marien-Malerei.

References

Arcinsys Hessen:

Sources:

Printed Sources:

Bibliography:

Germania Sacra-ID:

30251

Citation
„Dominikanerkloster Marburg, Gemeinde Marburg“, in: Klöster <https://www.lagis-hessen.de/en/subjects/idrec/sn/kl/id/10645> (Stand: 18.6.2019)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde