Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

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5118 Marburg
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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 60. Marburg
Location Code
53401401011

Deutschordenshaus Marburg

193 m über NN
Gemarkung Marburg, Gemeinde Marburg, Landkreis Marburg-Biedenkopf
Basic Data | History | Property | Ausstattung | References | Citation | Indices
Basic Data

Abstract:

Der Deutsche Orden besteht seit 1234 in Marburg. Der Aufstieg des Marburger Ordenshauses ist eng mit dem Kult um die heilige Elisabeth verbunden. Über dem Grab der hessisch-thüringischen Fürstin erbauen die Deutschordensherren die gotische Elisabethkirche. 1255 wird die reichsunmittelbare Niederlassung zur Landkommende (Ballei) erhoben, der die Deutschordenshäuser in Griefstadt, Wetzlar, Oberflörsheim und Schiffenberg unterstellt werden. 1809 wird das Deutschordenshaus aufgehoben.

Orden:

Deutscher Orden

Ordensprovinz:

Ballei Hessen

Alte Diözesanzugehörigkeit:

Kirchenprovinz Mainz, Erzbistum Mainz, Archidiakonat St.Stephan Mainz, Dekanat Amöneburg

Type:

Männerkloster

Territorium:

  • Landgrafschaft Hessen

Historical Names:

Localization:

77 km südwestlich von Kassel.

Location:

Die Niederlassung des Deutschen Ordens liegt um die Elisabethkirche im Lahntal.

Coordinates:

Gauß-Krüger: 3483973, 5631062
UTM: 32 U 483905 5629250
WGS84: 50.81474976° N, 8.771536688° O OpenLayers

History

History:

1228 wird ein Franziskushospital durch die verwitwete Landgräfin von Hessen-Thüringen, der späteren heiligen Elisabeth, auf dem Platz der heutigen Elisabethkirche gegründet. Sie bewohnt den Ort mit zwei weiteren Tertiarinnen. Nach ihrem Tode stiftet Landgraf Heinrich ein Kollegiatskapitel am Franziskushospital. Dieses wird durch die Landgrafen Heinrich Raspe und Konrad dem Deutschen Orden 1234 übergeben, obwohl 1232 die Johanniter Ansprüche auf das Hospital erheben. Der Deutsche Ritterorden, in den Landgraf Konrad selbst eintritt, beginnt mit dem Bau einer Wallfahrtskirche über dem Grab der 1235 bereits heilig gesprochenen Elisabeth. In dieser Blütezeit des Deutschen Ordens, dem drittgrößten europäischen Ritterorden, profitiert das Haus Marburg von seinen sehr guten Verbindungen zu Kaiser Friedrich II, den Päpsten und geistlichen und weltlichen Herrschaftsträgern.

1234 überträgt Papst Gregor IX. das Hospital mit dem Patronatsrecht über die Marburger Pfarrkirche an den Deutschen Orden; an einem glanzvollen Reichstag nehmen 1236 neben dem Kaiser die Erzbischöfe von Köln, Trier, Mainz, der Bischof von Hildesheim, die thüringischen Landgrafen und viele Vertreter des deutschen Hochadels teil. 1249 werden die Gebeine der Heiligen im neu erbauten Chor der Elisabethkirche bestattet. Damit wird die junge Marburger Niederlassung aufgewertet und die Verbindungen zwischen dem Landgrafenhaus, dem Elisabethkult und dem Deutschen Orden fest geknüpft. Das Marburger Haus wird zu einem der wichtigsten Sitze im Gesamtorden mit einem eigenen Siegel des Komturs seit 1261, jedoch nimmt die Bedeutung der Elisabethwallfahrt schon im 14.Jahrhundert ab.

Sowohl der regionale Adel als auch die Landgrafen von Hessen wie Mitglieder aller Bevölkerungskreise fördern die Niederlassung mit großzügigen Schenkungen (für die Zeit von 1346 bis 1489 alleine 340), sodass sie zum Zentrum der Ballei (erstmaliges Auftauchen des Begriffs 1364) Hessen und eines großen Grundbesitzes wird. Dieser wird systematisch durch Ankäufe und Geldgeschäfte erweitert. Der Grundbesitz wird nicht selbst bewirtschaftet, sondern verpachtet oder verliehen. Die erwirtschafteten Überschüsse an landwirtschaftlichen Produkten werden verkauft, viele Abgaben bereits in Geld geleistet. Ziel der Wirtschaftspolitik ist die Vergrößerung des Besitzes, was durch zahlreiche Privilegien wie Zollbefreiungen erleichtert wird.

Zum Marburger Ordenshaus gehören Ställe, Gärten, Scheunen, Äcker, Wiesen und Weiden, Weingärten, eine Mühle, eine Schmiede, ein Brau- und ein Backhaus. Gesinde und Saisonkräfte arbeiten hier unter Leitung der Ordensherren. Ende des 14. und im 15.Jahrhunderts leben 40 bis 60 Knechte und Mägde in der Marburger Niederlassung. Es wird Schafzucht zur Wollerzeugung für die heimische Tuchherstellung, Schweinemast zur Fleischversorgung, Weinanbau und Bierbrauerei zur Sicherung der Alltagsgetränke betrieben. Alle Produkte werden auch für regionale Märkte produziert.

Die Komture der Marburger Niederlassung gehören zu den wichtigsten Personen in der Stadt Marburg und in Hessen; sie sind aktiv in der Armenfürsorge tätig und erfüllen repräsentative Aufgaben.

In der Reformationszeit versucht Landgraf Philipp den Deutschen Orden zu entmachten und zu säkularisieren. 1527 schickt er einen landgräflichen Beamten, Wilhelm von Hessen, in das Ordenshaus, um die Verwaltung zu überwachen, was zu langjährigen Konflikten um die Inventarisierung des Besitzes, Zahlung von Abgaben und die Selbständigkeit der Niederlassung führt. Der Deutsche Orden wendet sich an das Reichskammergericht, den Kaiser und die Kurfürsten von Sachsen und der Pfalz um Unterstützung, die er auch erhält. 1539 lässt Landgraf Philipp die Gebeine der Heiligen Elisabeth aus der Elisabethkirche aufs Schloss überführen und erzwingt ein Ende der katholischen Gottesdienste. 1543 befiehlt er die Inventarisierung des Besitzes gewaltsam umzusetzen, auch in den Stadthöfen und Kastnereien, die dem Marburger Haus unterstellt sind.

Der Versuch, die Reichsunmittelbarkeit der Ballei aufzuheben, scheitert, da das Marburger Haus in Kaiser Karl V. einen mächtigen Verbündeten hat, dem es 1544 Ritter im Kampf gegen Frankreich zur Verfügung stellt. 1545 wird die Ballei Hessen endgültig an den Deutschen Orden zurück gegeben, dieser muss aber auf Einkünfte und Rechte, wie die Besetzung der Pfarrstelle in Marburg, verzichten. Mit dem Bekenntniswechsel des Deutschen Ordens wird in der Elisabethkirche 1552 der evangelische Gottesdienst endgültig eingeführt; das Ordenshaus bleibt bestehen. 1809 wird die Ballei, wie der Deutsche Ritterorden insgesamt, aufgehoben.

Gründungsjahr:

1234

Aufhebungsjahr:

1809

Organization:

Die Vorsteher der Niederlassungen innerhalb der Ballei sind Mitglieder des Marburger Konvents. Mit der feierlichen Aufnahme in den Orden verspricht das neue Mitglied sich an der Krankenpflege und am Kampf zu beteiligen, außerdem über die Ordensbeschlüsse zu schweigen und die Gemeinschaft nicht mehr zu verlassen. Die Ritter- und Priesterbrüder stammen aus dem ortsansässigen und regionalen Adel und dem Stadtbürgertum; Voraussetzungen sind persönliche Freiheit, Schuldenlosigkeit und Ordensungebundenheit. Meist leben 22 Personen im Konvent, von denen rund die Hälfte geweihte Priester sind.

An der Spitze steht der Komtur, dem alle Bewohner und die Dienerschaft unterstellt sind. Er wählt sich unter seinen Mitbrüdern einen Trapir, Kellner, Zinsmeister, Pitanzmeister, Heiltummeister, Spitalmeister und einen Prior, als geistlichen Vorstand an der Elisabethkirche als Helfer aus. Insgesamt existieren dreizehn Ämter in Marburg. Außerdem ernennt er den Pfarrer der Marburger Stadtpfarrei. Der Prior hat wie ein Abt das Recht, Mitra, Stab und Ring als bischöfliche Insignien zu tragen. Alle Amtsinhaber sind rechenschaftspflichtig; einmal im Jahr wird die Geschäftsführung der verschiedenen Bereiche geprüft. Der Komtur seinerseits muss auf der jährlichen Gesamtkapitelversammlung des Deutschen Ordens Rechenschaft ablegen; dazu dienen systematisch angelegte Geschäftsbücher, die eine gute wirtschaftliche Lage für das 15.Jahrhundert verdeutlichen.

Mit der Reformationszeit verringert sich die Zahl der Insassen des Marburger Hauses. 1543 leben hier sechs Mitglieder; der allergrößte Teil der Priester scheint aus dem Orden ausgetreten zu sein.

Pfarrrechte:

Der Marburger Konvent besaß Patronatsrechte in mindestens 21 Orten überwiegend aus der näheren Umgebung:

(1258) Abenheim bei Worms, (1275) Anzefahr, (1233) Beltershausen, (1247) Felsberg, (15. Jahrhundert) Ginseldorf, (1275) Gleichen (Obergleichen), (Ende des 13.Jahrhunderts) Goßfelden, (1276) Hassenhausen, (1244) Kirchhain, (1320/1329) Langenstein, St.Maria = Stadtpfarrei (1231) Marburg, (1375) Mardorf, (1207) an den Deutschen OrdenReichenbach, (endgültig 1485) Kleinseelheim, Großseelheim, (1258) Oberwalgern, (1250) Wehrda

Guardianships:

Maria

Archivgeschichte:

Der Stand von 1940 bei Dersch, Klosterbuch, S. 109

Property

Property:

In der Zeit von 1259 bis 1371 erwirbt das Ordenshaus in Marburg den größten Teil seiner Besitzungen an Grund und Boden, Nutzungsrechten, Geld- und Naturaleinkünften. Bereits seit dem 13. Jahrhundert existiert eine schriftliche Buchführung; dazu kommen das Registrum curiarum von 1358, das Pachtregister von 1364 und weitere Zinsregister. Der Grundbesitz konzentriert sich um die Niederlassungen (siehe dort). Er reicht von dem Gebiet am Zusammenfluss von Werra und Fulda im Norden bis nach Gelnhausen, Harheim in der Nähe von Frankfurt im Süden, im Osten bis in die Rhön und im Westen in Taunus und Westerwald. Dazu kommt der Besitz von Flörsheim nahe Alzey in Rheinhessen.

Eine ausführliche Beschreibung und Charakterisierung des Besitzes und eine Verortung in Karten für das Hohe und Späte Mittelalter finden sich in Braasch-Schwersmann, Ursula, Das Deutschordenshaus in Marburg

Die Inventarliste von 1543 enthält eine Übersicht zu den Einrichtungsgegenständen in den Räumen der Hauptgebäude und der Wirtschaftshäuser mit Auflistungen zu Möbeln, Haushaltswaren, Wertgegenständen, Kirchengerät, Vorräten, Werkzeugen, Viehbestand, Getreidevorräte, Gewürze, Bargeld und vielem mehr. Dazu gehören weiter eine Bäckerei, Brauerei, Benderei (Holzwerkstatt), Kelterhaus, Schmiede, Stellmacherei, Barbier mit Badestube, Sattlerei, viele Vorratsräume und die Gebäudekomplexe der Firmanei und Elwinsmühle. Das Hospitalgebäude mit einem großen Krankensaal und einer Kapelle gilt als renovierungsbedürftig. Ebenso differenziert beschreiben die Inventarlisten die sakralen Räume.

Der Schwerpunkt des Besitzes liegt im 16. Jahrhundert im heutigen Landkreis Marburg-Biedenkopf, darüber hinaus um die unten genannten Niederlassungen und damit zwischen Fulda und Werra im Norden und bis zur Kinzig im Süden. Dazu kommen Gebiete in der Rheinpfalz.

Niederlassungen:

Alsfeld,Felsberg, Friedberg, Fritzlar,Gelnhausen,Herborn, Kirchhain, Merzhausen,Obermöllrich, Reichenbach, Schiffenberg, Seibelsdorf,Stedebach,Wetzlar

Ausstattung

Gebäude:

Über dem Grab der Heiligen Elisabeth in der Nordkonche wird eine gotische Kirche errichtet, die schon 1283 fertig gestellt ist. Sie erfüllt drei zentrale Funktionen als Grablege der hessischen Landgrafen, als Wallfahrtskirche für die Pilger aus aller Welt und als Konventskirche des Deutschen Ordens.

Nach der Aufhebung des Deutschen Ordens wird der Chor der Kirche 1811 der katholischen, das Schiff der lutherischen Gemeinde eingeräumt. 1827 wird der katholische Gottesdienst in die Kugelkirche verlagert.

Zur Ausstattung mit mittelalterlichen Glasfenstern vgl. Marburg, Elisabethkirche

References

Arcinsys Hessen:

Sources:

Printed Sources:

Bibliography:

Germania Sacra-ID:

30250

Citation
„Deutschordenshaus Marburg, Gemeinde Marburg“, in: Klöster <https://www.lagis-hessen.de/en/subjects/idrec/sn/kl/id/10621> (Stand: 22.5.2019)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde