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Zentralbibliothek der Philipps-Universität Marburg wieder für das Publikum geöffnet, 3. Dezember 1945

Die nach der Besetzung der Stadt durch amerikanische Truppenteile am 28. März 1945 zunächst für vier Wochen (bis 24. April 1945) vollständig geschlossene Zentralbibliothek der Philipps-Universität in Marburg, der anschließend für einen Zeitraum von sieben Monaten lediglich die Weiterführung des inneren Betriebs (und die Ausleihe in besonderen Ausnahmefällen) gestattet wurde, öffnet ihre Türen wieder für das Publikum. Der Lesesaal ist während des Wintersemesters 1945/46 von 9:00 bis 21:30 Uhr geöffnet.

Im Juli 1946 wird die Verlegung der Universitätsbibliothek in das Gebäude des Hessischen Staatsarchivs Marburg am Friedrichsplatz angeordnet, der Umzug findet binnen drei Monaten statt. Mit Beginn des Wintersemesters 1946/47 nimmt die Bibliothek am dortigen Standort ihren Betrieb in vollständigem Umfang auf. Zu diesem Zeitpunkt liegt die durchschnittliche Anzahl der Lesesaal-Besucher bei 235, die der durch die Benutzer aufgegebenen Buchbestellungen bei mehr als 400, davon rund ein Zehntel von auswärts.1 Bis Ende Februar 1947 kann die Bibliothek die Wiedereinordnung ihrer aus mehreren Auslagerungsstätten rückgeführten Bestände abschließen.2

Die von der Universitätsbibliothek verwahrte NS-Literatur ist ausgesondert und im Ausnahmefall benutzbar. Das diesbezügliche Entscheidungsrecht obliegt dem Direktor der Bibliothek. Jede Ausleihe von NS-Werken ist der amerikanischen Militärregierung zu melden.
(KU)


  1. Zum Vergleich: 1938 zählte man täglich durchschnittlich 66 Besucher des Lesesaals und 165 Bandbestellungen, vgl. Leyh, Georg: Die deutschen wissenschaftlichen Bibliotheken nach dem Krieg, Tübingen 1947, S. 156.
  2. Trotz des glücklichen Umstands, dass die Universitätsbibliothek Marburg während des Krieges weitestgehend von Zerstörungen verschont blieb, sind größere Verluste zu verzeichnen. Ein Brand in dem als Auslagerungsstandort dienenden Kalibergwerk in Heimboldshausen vernichtet im April etwa 32.000 Bände der Zentralbibliothek und der Teilbibliotheken der Fakultäten. Schätzungsweise 1.500 Bände gehen außerhalb der Bibliothek und ihrer Außenlager verloren.
Records
Recommended Citation
„Zentralbibliothek der Philipps-Universität Marburg wieder für das Publikum geöffnet, 3. Dezember 1945“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/en/subjects/idrec/sn/edb/id/4820> (Stand: 3.12.2019)
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