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Hessian Biography

Portrait

Friedrich II. Landgraf von Hessen-Homburg
(1633–1708)

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Hessen-Homburg, Friedrich II. Landgraf von [ID = 6562]

* 30.3.1633 Homburg vor der Höhe, † 24.1.1708 Homburg vor der Höhe, evangelisch-lutherisch; evangelisch-reformiert
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Other Names

Other Names:

  • Hessen-Homburg, Friedrich II. "mit dem silbernen Bein" Landgraf von
  • Friedrich II. "mit dem silbernen Bein"
Activity

Career:

  • historisches Vorbild für Kleists „Prinz Friedrich von Homburg“
  • erwarb mit den Mitteln seiner ersten Ehefrau unter anderem das Gut Weferlingen und Amt und Stadt Neustadt in Brandenburg
  • 1670 reformiert
  • regierte ab 1680/81 in Homburg vor der Höhe
  • Mitglied der Fruchtbringenden Gesellschaft unter dem Namen „Der Klebrichte“
Family Members

Father:

Hessen-Darmstadt, Friedrich I. Landgraf von, 1585–1638

Mother:

Leiningen-Westerburg-Schadeck, Margareta Elisabeth Gräfin zu, 1604–1667

Partner(s):

Relatives:

References

Bibliography:

Image Source:

workshop of Pieter Nason, Friedrich II van Hessen-Homburg (1633-1708), by studio of Pieter Nason, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons (beschnitten)

Life

Friedrich wurde als jüngster Sohn Landgrafs Friedrichs des Älteren auf der alten „Brendelburg“ in Homburg geboren. Nach dem frühen Tod des Vaters wurde er unter der Obhut seines Onkels Landgraf Georg II. von Hessen-Darmstadt zusammen mit dessen Söhnen in Marburg erzogen. Mit der ausgedehnten Kavalierstour durch Italien und Frankreich verband sich ein längerer Aufenthalt in Genf, wo der Prinz vor allem reiten, tanzen, fechten und Französisch lernte. 1653 zurück in Deutschland, wurde er wie seine älteren Brüder Wilhelm Christoph und Georg Christian in die Fruchtbringende Gesellschaft aufgenommen; im Wappenbuch des Palmenordens findet sich sein eigenhändiger Eintrag mit dem Spruch Mehr denken als sagen, hat niemals zu klagen. Da für den jüngeren Sohn kaum Aussicht auf eine eigene Herrschaft bestand, wählte Friedrich die übliche Militärlaufbahn; als „Kriegsunternehmer“ warb er ab 1655 Soldaten an und trat in schwedische Kriegsdienste, knüpfte aber gleichzeitig bereits Beziehungen zu Brandenburg. Bei der Belagerung von Kopenhagen 1659 wurde ihm, inzwischen Generalmajor, der rechte Unterschenkel abgeschossen; der Ersatz durch eine kunstvolle Prothese brachte ihm den Beinamen Landgraf mit dem silbernen Bein.

1661 heiratete Friedrich die 30 Jahre ältere, zweifach verwitwete Gräfin Margaretha Brahe, verließ den schwedischen Dienst und erwarb aus dem reichen Vermögen seiner Frau und den Darmstädter Apanage-Zahlungen mehrere Güter im Magdeburgischen und in der Mark Brandenburg (darunter Neustadt an der Dosse), deren Lehnsherr Kurfürst Friedrich Wilhelm war. Hauptwohnsitz wurde die Burg Weferlingen. Als Margaretha Brahe 1669 starb, wurde Friedrich ihr Erbe. Daraus resultierende Streitigkeiten und unbefriedigte Geldforderungen an die schwedische Krone trugen dazu bei, dass Friedrich in engere Beziehungen zu Brandenburg trat. Im Herbst 1670 heiratete er Louise Elisabeth von Kurland, eine Nichte des „Großen Kurfürsten“; er übernahm deren reformiertes Bekenntnis und trat damit in das Beziehungsgeflecht der reformierten Fürstenhäuser Brandenburg und Hessen-Kassel ein, die in den Jahren nach 1685 für die Aufnahme der Hugenotten in Deutschland eine große Rolle spielen sollten. Ende 1670 wurde Friedrich brandenburgischer General der Kavallerie. Seine wichtige Rolle in der berühmten Schlacht bei Fehrbellin am 18./28. Juni 1675 machte ihn zum Gegenstand zahlreicher Legenden und zum Titelhelden von Heinrich von Kleists Schauspiel „Prinz Friedrich von Homburg“. Ende der 70er Jahre nahm er seinen Abschied und lebte dann zunächst auf seinen brandenburgischen Gütern.

Schon zuvor hatten ihn die Homburger Räte ersucht, sich mehr um das dortige Familienerbe zu kümmern. Über verschiedene Verpfändungen, Auslösungen und Abtretungen zwischen den Landgrafen-Brüdern kam die Verwaltung 1680 schließlich an Friedrich, der nach dem Tod Wilhelm Christophs im Folgejahr 1681 alleiniger Herr wurde. Er zog nach Homburg v.d. Höhe und baute die alte Burg zu einer repräsentativen barocken Schlossanlage um. Hier setzte er eine Tätigkeit fort, die er bereits mit Erwerb und Entwicklung der Güter im Brandenburgischen und im Magdeburgischen ab 1662 begonnen hatte: er betrieb Wirtschaftsförderung im merkantilistischen Sinn, baute seine Residenz aus, ließ den mittelalterlichen Mauerring aufbrechen und begann die Stadterweiterung durch eine planmäßig angelegte Neustadt, eine Maßnahme, die sein Sohn Friedrich Jakob fortführen sollte. Das Ziel der Peuplierung verfolgte er durch Aufnahme und Ansiedlung von Glaubensflüchtlingen, durch Anwerbung von Handwerkern und Manufakturisten. Er ließ ein Manufakturhaus, eine Saline sowie eine – allerdings nur kurzzeitig funktionierende – Glashütte errichten. Viele der Unternehmungen suchte er durch Goldmacherei zu finanzieren, was schließlich dazu beitrug, dass seine Nachfolger sich großen Schulden gegenüber sahen.

Landgräfin Louise Elisabeth, seine Engelsdicke, die ihn in viele Feldlager begleitet hatte, starb 1690 in Weferlingen. Sie hatte ihm 13 Kinder geboren, von denen zehn das Kindesalter überlebten. Ihre Mitgift- und Erbansprüche wurden Gegenstand eines langwierigen Streits um die „kurländische Erbschaft“. Landgraf Friedrich ging bereits 1691 eine dritte Ehe mit der verwitweten Gräfin Sophia Sibylla zu Leiningen-Westerburg ein, der weitere drei Kinder entstammten. Der Landgraf starb 1708 im 75. Lebensjahr und wurde in der Fürstengruft begraben, die er in Erweiterung der bestehenden Grablege 1695 unter der neuen Homburger Schlosskirche hatte errichten lassen. An seinem Sarg finden sich die Worte: Hier lieg ich und schlaff ohn all Klag/ und ruh bis an den jüngsten tag,/ da Gott wird mein Grab auffdecken/ und mich zur ewgen Freud erwecken.

Barbara Dölemeyer

(Text identisch mit: Franz, Das Haus Hessen, S. 398-400.)

Citation
„Hessen-Homburg, Friedrich II. Landgraf von“, in: Hessische Biografie <https://www.lagis-hessen.de/pnd/118535676> (Stand: 4.2.2020)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde