Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Hessian Biography

Hessen-Kassel, Amalie Elisabeth Landgräfin von [ID = 4342]

* 29.1.1602 Hanau, † 8.8.1651 Kassel, Begräbnisort: Kassel Martinskirche, am 30.9.1651, evangelisch-reformiert
Landgräfin
Other Names | Activity | Family Members | References | Life | Citation
Other Names

Maiden Name:

Hanau-Münzenberg, Amalie Elisabeth Gräfin von

Activity

Career:

  • 1637-1650 Regentin und Vormund Landgraf Wilhelms VI. von Hessen-Kassel
Family Members

Father:

Hanau-Münzenberg, Philipp Ludwig II. Graf von, 1576–1612

Mother:

Nassau-Oranien, Katharina Belgica Prinzessin von, 1578–1648

Partner(s):

Relatives:

References

Bibliography:

Image Source:

Ludwig von Siegen (c. 1609 – c. 1680), Ludwig von Siegen - Portrait of Amelie Elisabeth von Hessen, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons (beschnitten)

Life

Bereits zu Lebzeiten war die Regentin von Hessen-Kassel eine der umstrittensten Persönlichkeiten ihrer Zeit. Anhänger lobten ihre Entschlusskraft und feierten sie als Retterin der Landgrafschaft, als Fürstin von großem politischen Geschick und militärisch-strategischem Weitblick. Gegner warfen ihr Skrupellosigkeit vor und verurteilten sie als hinterlistige Kriegstreiberin, deren maßlose Ansprüche angeblich den Frieden im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation verhinderten. Amalie Elisabeth, die Enkelin Wilhelms „des Schweigers“ von Oranien, war bei ihrer Tante, Kurfürstin Luise Juliane von der Pfalz (1576–1644), und bei der Mutter aufgewachsen, die in Hanau seit 1612 die vormundschaftliche Regentschaft für die minderjährigen Kinder wahrnahm. Eine erste Heirat wurde 1617 mit dem böhmischen Adligen Albrecht Smiřický (1594–1618) verhandelt. Nach dem vorzeitigen Tod des Verlobten heiratete Amalie Elisabeth 1619 Landgraf Wilhelm V. (1602–1637), der seinem Vater Moritz (1572–1632) 1627 in Kassel in der Regierung folgte. Wilhelm wurde im hessischen Erbkonflikt 1636 vom Kaiser mit der Reichsacht belegt, die Verwaltung seines Landes dem Darmstädter Vetter übertragen. Als Wilhelm bereits im Folgejahr als „Reichsfeind“ im ostfriesischen Exil verstarb, wurde seine Frau kraft Testaments vormundschaftliche Regentin. Die junge Witwe instruierte ihre Räte, versicherte sich der Oberkommandierenden – insbesondere des Generalleutnants Peter Melander (1589–1648) – und schickte ihre Unterhändler zu den Bündnispartnern Hessen-Kassels, denen sie versprach, alle Verpflichtungen einzuhalten. Gestützt auf die hessischen Stände und die mit französischen Subsidien finanzierte Armee gelang es Amalie Elisabeth, die Ansprüche Hessen-Kassels gegen die Darmstädter Verwandten und den Kaiser durchzusetzen. Durch militärische Erfolge ihrer Armee und ihrer Verbündeten gestärkt, konnte sie durch geschickte Verhandlungen einen Waffenstillstand aushandeln, wobei ihr Kaiser Ferdinand III. (1608–1657), in der Hoffnung, sie werde ihr schlagkräftiges Heer abdanken, erhebliche Zugeständnisse machte. Die Acht gegen Wilhelm V. wurde aufgehoben, die Administration Hessen-Kassels dem Darmstädter Konkurrenten Georg II. (1605–1661) entzogen, der auf den erhobenen Anspruch auf die Regentschaft verzichten musste. Amalie Elisabeth erhielt Ende 1639 die kaiserliche Bestätigung als alleinige vormundschaftliche Regentin Hessen-Kassels. Sobald es die militärische Lage zuließ, kehrte sie Anfang 1640 aus dem Exil in die Residenz Kassel zurück. Aus den Akten geht hervor, dass Amalie Elisabeth die Regierungsgeschäfte weitgehend persönlich geleitet hat.

Hatten in den ersten Jahren der Regentschaft noch ständische Abgeordnete an den Verhandlungen mit Landgraf Georg II. und dem Kaiser teilgenommen, so wurden die Stände nun nicht mehr beteiligt. Von den einsetzenden Friedensverhandlungen haben die Landstände offiziell nichts erfahren. Die Positionen der Landgräfin in den Osnabrücker Verhandlungen wurden mit ihnen weder beratschlagt, noch wurden sie ihnen mitgeteilt. Die Auseinandersetzung zwischen der Regentin und der Ritterschaft wurde schärfer, als Amalie Elisabeth 1643 begann, die Rückgewinnung des Gebiets an der Lahn vorzubereiten. Dieses Territorium war 1627 nach der Abdankung ihres Schwiegervaters an die Darmstädter Linie gefallen. Die Landgräfin erklärte nun den sogenannten Hauptakkord wegen eines Formfehlers für ungültig, um der Kasseler Linie ihren Anteil am Marburger Erbe zu sichern. Amalie Elisabeth regierte die Landgrafschaft bis 1650. Zu ihren politischen Erfolgen zählen der Erhalt der Landeshoheit für ihren Sohn und die Anerkennung des Calvinismus als gleichberechtigte Konfession durch den Westfälischen Friedenskongress.

Pauline Puppel

(Text identisch mit: Franz, Das Haus Hessen, S. 92-94)

Citation
„Hessen-Kassel, Amalie Elisabeth Landgräfin von“, in: Hessische Biografie <https://www.lagis-hessen.de/pnd/119207826> (Stand: 1.10.2020)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde