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Hessian Biography

Portrait

Natalja Alexejewna Großfürstin von Russland
(1755–1776)

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GND-ID

119147793

Russland, Natalja Alexejewna Großfürstin von [ID = 16232]

* 25.6.1755 Prenzlau, † 15./26.4.1776 Sankt Petersburg, russisch-orthodox
Other Names | Activity | Family Members | References | Life | Citation
Other Names

Maiden Name:

Hessen-Darmstadt, Wilhelmine Landgräfin von

Other Names:

  • Rußland, Natalja Alexejewna Großfürstin von
  • Russland, Wilhelmine Großfürstin von
Family Members

Father:

Hessen-Darmstadt, Ludwig IX. Landgraf von, 1719–1790

Mother:

Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld, Caroline* Henriette Louise Prinzessin von, 1721–1774

Partner(s):

  • Russland, Paul Petrowitsch Großfürst von, * St. Petersburg 20.9./1.10. 1754, † St. Petersburg 11.-12./23.-24.3.1801, Heirat St. Petersburg 29.9./10.10.1773, Sohn des Peter III. Kaiser von Russland, 1728–1762, und der Katharina Herzogin von Anhalt-Zerbst, 1729–1796, seit 1762 Kaiserin Katharina II. „die Große“, er verheiratet II. St. Petersburg 26.9./7.10.1776 mit Sophia Dorothea/Maria Feodorowna Herzogin von Württemberg-Mömpelgard, * Stettin 25.10.1759, † Pawlowsk 24.10.1828

Relatives:

References

Bibliography:

Image Source:

Landgräfin Wilhelmine/Großfürstin Natalja von Russland, Ölbild, Hessische Hausstiftung, Schlossmuseum Darmstadt B 21103 (Foto: N. Amini) (beschnitten), in: Franz, Das Haus Hessen, Darmstadt 2012, S. 326

Life

Schon 1762, kurz nach der Regierungsübernahme Kaiserin Katharinas II. in St. Petersburg, hatte Landgräfin Karoline an ihren langjährigen Brieffreund, den russischen Diplomaten Graf Nesselrode, geschrieben, er solle darauf hinarbeiten, dass Zarewitsch Paul einmal eine ihrer Töchter heirate, ein Projekt, das vom gemeinsamen Freund Melchior Grimm eifrig weitergesponnen wurde. Als die Zarin den Freiherrn Achaz von Asseburg 1768 zur Erkundung des fürstlichen Heiratsmarkts nach Deutschland schickte, fanden sich auf seiner 15er Liste allein sechs hessische Prinzessinnen. Nach mehrfachem Besuch in Darmstadt und Übersendung eines Ölbilds der 16jährigen Prinzess Wilhelmine im Winter 1771/72 machte sich die Landgräfin mit ihren drei noch verfügbaren Töchtern Ende April 1773 auf die Reise, zunächst per Kutsche nach Lübeck (mit Zwischenhalt in Berlin, wo der befreundete Preußen-König Friedrich einen Reisekostenzuschuss zahlte), dann mit einer russischen Flottille bis Reval und wieder auf dem Landweg nach St. Petersburg. Als der Darmstädter Minister von Moser mit den Wünschen und Forderungen Landgraf Ludwigs IX. im fernen Pirmasens Ende August dort eintraf, war die Verlobung mit Wilhelmine, aus der mit der vorgängigen Konversion zur russisch-orthodoxen Staatsreligion eine Großfürstin Natalja geworden war, bereits vollzogen. Anfang Oktober folgte die prunkvolle Hochzeit. Für den Brautvater gab es zwar nicht die erhoffte Erbfolge in Kurland, aber immerhin ein Feldmarschalls-Patent mit einer Rente von 7.000 Rubeln. Landgräfin Karoline sollte die strapaziöse Rückreise nur um wenige Monate überleben.

Auch für Tochter Wilhelmine/Natalja, die sich offenbar trotz der zeitweiligen Unterstützung durch eine aus Darmstadt mitgebrachte Kammerfrau und den zum russischen Obristen und Regimentskommandeur ernannten Erbprinzen Ludwig nur schwer und widerwillig einlebte, gab es kein glückliches Ende. Die mit Spannung erwartete Schwangerschaft endete im April 1776 mit dem Tod im Kindbett; Kaiserin Katharina selbst soll die wegen Gebärunfähigkeit erforderliche Operation verhindert haben, da sie briefliche Belege für eine Liaison der Schwiegertochter mit dem jungen Grafen Andreas Rasumowski gefunden hatte. Großfürst Paul, der erst 1796 für wenige Jahre zur Regierung kam, heiratete noch im Todesjahr Wilhelmines die kaum 17-jährige Sophie Dorothea von Württemberg, die an sich mit dem Darmstädter Thronfolger Ludwig verlobt war.

Eckhart G. Franz

(Text identisch mit: Franz, Das Haus Hessen, S. 326 f.)

Citation
„Russland, Natalja Alexejewna Großfürstin von“, in: Hessische Biografie <https://www.lagis-hessen.de/pnd/119147793> (Stand: 25.6.2021)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde