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Georg-Büchner-Preis an Christa Wolf, 16. Oktober 1980

Christa Wolf (1929–2011) erhält den Georg-Büchner-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.1 Sie ist damit erst die dritte Frau, die einen Büchner-Preis erhält, nach der Auszeichnung Marie Luise Kaschnitz' (1901–1974) 1955 und Ingeborg Bachmanns 1964 geht der Literaturpreis nun erstmals seit 16 Jahren wieder an eine weibliche Schriftstellerin.2

Christa Wolf lebt und arbeitet als freie Schriftstellerin in der DDR, und ist somit auch die erste DDR-Bürgerin, die mit einem Büchner-Preis ausgezeichnet wird. Ehemals aktives Mitglied des Deutschen Schriftstellerverbands der DDR und Parteimitglied der SED, wurde Christa Wolf 1977 aus beiden Organisationen ausgeschlossen, nachdem sie den »offenen Brief gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns« unterzeichnet hatte3 »Sie hat mit hohem Ernst dazu beigetragen, die Finsternisse zeitgenössischer Erfahrung in erzählender Prosa aufzuhellen«4, lautet der Text der Urkunde, die an Christa Wolf verliehen wird. In seiner Laudatio spannt Redner Hanno Helbling, Schriftsteller und Redakteur, einen Bogen von den revolutionären Texten des Namensgebers des Preises, Georg Büchner, zu den Werken Christa Wolfs. Diese bewegen sich im Spannungsfeld zwischen DDR und BRD und setzen sich mit den Konflikten des DDR-Alltags auseinander. »Die Erzählung, bei Christa Wolf, wird Schritt für Schritt befragt: nach ihrer Perspektive, ihrer Absicht, ihrem Ziel; und die so überwachte Erzählung ist selbst eine fragende, den Dingen nachfragende, nachdenkende Arbeit – eine Arbeit, die weiß, was sie leisten, worauf sie antworten soll.«5

Das Preisgeld in Höhe von 20.000 DM spendet Christa Wolf laut der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu Hälfte an das polnischen Kindergesundheitszentrum, das als Denkmal für die im Krieg und in Konzentrationslagern ermordeten Kinder errichtet worden ist.6

Der Georg-Büchner-Preis wurde 1923 vom damaligen Volksstaat Hessen gestiftet und an Dichter*innen, Künstler*innen, Schauspieler*innen und Sänger*innen verliehen. Seit 1953 fungiert er als Literaturpreis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und ist teil des Programms der jährlichen Herbsttagung der Akademie.7
(NT)


  1. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.06.1980, S. 23: Christa Wolf.
  2. Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung: Auszeichnungen: Georg-Büchner Preis.
  3. LeMO Biographie: Christa Wolf.
  4. Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung: Auszeichnungen: Georg-Büchner Preis: Christa Wolf: Urkundentext.
  5. Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung: Auszeichnungen: Georg-Büchner Preis: Christa Wolf: Laudatio.
  6. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.10.1980, S. 25: Kleine Meldungen.
  7. Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung.
Records
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.06.1980, S. 23: Christa Wolf.
  • rankfurter Allgemeine Zeitung, 21.10.1980, S. 25: Kleine Meldungen.
Additional Information
Recommended Citation
„Georg-Büchner-Preis an Christa Wolf, 16. Oktober 1980“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/en/subjects/idrec/sn/edb/id/5553> (Stand: 12.6.2019)
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