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Georg-Büchner-Preis an Sarah Kirsch, 20. Oktober 1996

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung verleiht den Georg-Büchner-Preis an die Schriftstellerin Sarah Kirsch. Damit wird erstmal seit 16 Jahren wieder ein Büchner-Preis an eine weibliche Schriftstellerin verliehen. Zuletzt wurde 1980 Christa Wolf ausgezeichnet, die damit erst die dritte Frau überhaupt - nach Marie Luise Kaschnitz (1901–1974) und Ingeborg Bachmann - mit einer Büchner-Preis-Auszeichnung war.

Sarah Kirsch, die in Ostdeutschland geboren wurde und in Leipzig Biologie und Germanistik studierte, trat erstmals in den sechziger Jahren mit Gedichten zum sozialistischen Aufbau in der DDR in Erscheinung.1 1977 siedelte sie im Zuge des Protests gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns wie viele Autor*innen und Künstler*innen in den Westen über. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung fasst ihr Schaffen und Wirken als Schriftstellerin zusammen: "Insbesondere ihre Naturgedichte sind von hohem Rang. Wald und Flur sind ihr jedoch keine Orte naiver Erbauung, sondern Spiegel und Symbole für den bedrohten Zustand der Welt. "Meine Grundhaltung ist die Melancholie", hat sie einmal bekannt. Nach "Rückenwind", dem letzten auch in der DDR publizierten Lyrikband, erschienen etwa zwei Dutzend weitere Bücher, darunter "Katzenleben" (1984) und "Allerlei-Rauh" (1988) und zuletzt "Bodenlos". Anläßlich ihres 60. Geburtstags im Frühjahr ist eine Auswahl von 60 Gedichten unter dem Titel "Ich, Crusoe" erschienen mit sechs Aquarellen der Dichterin. Für ihr Werk erhielt sie unter anderem den Petrarcapreis und den Bad Homburger Hölderlinpreis."2 Das F.A.Z. Feuilleton kommentiert die Auszeichnung Kirschs mit dem länsgt überfälligen Büchner-Preis: "Daß Sarah Kirsch, die vor dreißig Jahren ihren ersten Gedichtband veröffentlichte und inzwischen längst als bedeutendste deutschsprachige Dichterin der Gegenwart gilt, jetzt auch mit dem hoch angesehenen, immer noch wichtigsten Literaturpreis der Republik ausgezeichnet wird: Dies ist Genugtuung auch für sie. Fast nämlich hatte man gedacht, Darmstadt liege am Ufer der Lethe und die dort ansässige Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung sei im Fall dieser Dichterin eine Institution des Vergessens und Übergehens. Nun darf man zumindest ein Jahr lang rechtens behaupten, die Geschichte des Georg-Büchner-Preises unter der Ägide der Akademie reiche von Gottfried Benn, der 1951 ausgezeichnet wurde, bis zu Sarah Kirsch: welch trefflicher Bogen."3

Eine Lobrede auf Sarah Kirsch hält der Journalist und Germanist Rolf Michaelis. An die Preisverleihung anschließend findet eine Lesung der Autorin aus ihren Werken in der Orangerie in Darmstadt statt.4

Der Georg-Büchner-Preis wurde 1923 vom damaligen Volksstaat Hessen gestiftet und an Dichter*innen, Künstler*innen, Schauspieler*innen und Sänger*innen verliehen. Seit 1953 fungiert er als Literaturpreis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und ist teil des Programms der jährlichen Herbsttagung der Akademie.5
(NT)


  1. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 13.10.1996, Nr. 41, S. 26: Die Sternbändigerin.
  2. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 13.10.1996, Nr. 41, S. 26: Die Sternbändigerin.
  3. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.04.1996, Nr. 92, S. 39: Ewigkeitston und Unvergänglichkeitsthemen.
  4. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 06.10.1996, Nr. 40, S. 30: Literatur.
  5. Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung: Auszeichnungen: Georg-Büchner Preis.
Records
  • Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 13.10.1996, Nr. 41, S. 26: Die Sternbändigerin.
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.04.1996, Nr. 92, S. 39: Ewigkeitston und Unvergänglichkeitsthemen.
  • Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 06.10.1996, Nr. 40, S. 30: Literatur.
Additional Information
Recommended Citation
„Georg-Büchner-Preis an Sarah Kirsch, 20. Oktober 1996“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/en/subjects/idrec/sn/edb/id/5573> (Stand: 14.5.2019)
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