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Contemporary History in Hessen - Data · Facts · Backgrounds

Wahl des Kurhessischen Kommunallandtages Kassel, 29. November 1925

Bei den Wahlen zu den hessischen Provinzial- und Kommunallandtagen ergibt sich für den Regierungsbezirk Kassel folgendes Ergebnis:

Hessen-Nassauische Arbeitsgemeinschaft Stadt und Land: 116.762 Stimmen (15 Mandate) mit 33,5 Prozent
Sozialdemokratische Partei Deutschlands: 115.401 Stimmen (15 Mandate) mit 33,1 Prozent
Deutsche Zentrumspartei: 51.801 Stimmen (7 Mandate) mit 14,9 Prozent
Kommunistische Partei Deutschlands: 23.270 Stimmen (3 Mandate) mit 6,7 Prozent
Deutsche Demokratische Partei: 19.402 Stimmen (3 Mandat) mit 5,6 Prozent
Handwerk und Gewerbe: 11.798 Stimmen (0 Mandate) und 3,3 Prozent
Wirtschaftspartei des deutschen Mittelstandes: 8891 Stimmen (0 Mandate) mit 2,5 Prozent
Bürgerliche Gerechtigkeits- Vereinigung: 510 Stimmen (0 Mandate) mit 0,1 Prozent
Allgemeiner Wirtschaftsbund für Steuerabbau und Sparmaßnahmen: 358 Stimmen (0 Mandate) mit 0,1 Prozent

Wahlanalyse1

Im Vergleich zur vorherigen Wahl 1921 fällt die neue Konstellation aus Parteien auf, da die Deutschnationale Volkspartei und die Deutsche Volkspartei als "Hessen-Nassauische Arbeitsgemeinschaft Stadt und Land" antreten. Zusätzlich ist nun auch die Deutsche Demokratische Partei vertreten. Dagegen gewinnen unbekanntere Parteien, wie die Wirtschaftspartei des deutschen Mittelstandes einen minimalen Anteil der Stimmen. Weitere Veränderungen finden sich in dem Zusammenschluss von Fulda und Hünfeld, Marburg mit Kirchhain, Schlüchtern und Gersfeld sowie Ziegenhain mit Homberg. Die Zahl der gültigen Stimmen hat sich von 493.457 Stimmen im Jahre 1921 zu 348.193 verringert.

Wahlergebnisse der Hessen-Nassauischen Arbeitsgemeinschaft Stadt und Land

Bei der Wahl 1921 hatten 29,9 Prozent der Stimmberechtigten die Arbeitsgemeinschaft gewählt, während sie nun eine Steigerung zu 33,5 Prozent erreicht haben und damit zur stärksten Partei wurden. Ihr höchstes Wahlergebnis konnte die Arbeitsgemeinschaft in Frankenberg mit 74,5 Prozent erreichen. Darauf folgen Ziegenhain-Homberg mit 52 Prozent und Wolfhagen mit 46,8 Prozent. Die Höchstwerte der vergangenen Wahl in Frankenberg (damals 72 Prozent) und Wolfhagen der Partei (59,6 Prozent) haben sich weiterhin erhöht. Dahingegen gab es in Marburg (nun Marburg-Kirchhain) eine Senkung von 58,3 Prozent auf 42,4 Prozent. Ein weiterer nennenswerter Anstieg findet sich von keiner Stimme in Kassel (Stadt) im Jahre 1921 zu 34,8 Prozent. Weiterhin wurde in Fulda-Hünfeld am schwächsten für die Partei mit 5,9 Prozent gestimmt. Dies verwundert nicht, da bereits in der vorherigen Wahl 1921 hier die niedrigste Stimmanzahl zu finden war. Daran schließen sich Schmalkalden (15,7 Prozent) und Hanau (Stadt) mit 22,6 Prozent an.

Wahlergebnisse der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands

Das Ergebnis der SPD senkte sich minimal von 34,8 Prozent (1921) auf 33,1 Prozent während der Kommunallandtagswahl. Am stärksten wurden sie erneut in Kassel (Land) mit 52,8 Prozent gewählt. 1921 gewannen sie im Kassel (Land) 56,2 Prozent. Außerdem erreichten sie in Hersfeld einen hohen Wert von 46,9 Prozent und in Eschwege 46 Prozent. Hingegen stimmten in Fulda-Hünfeld nur 7,9 Prozent der Wähler für die SPD. Auch in Frankenberg wählten nur 14 Prozent und in Schlüchtern-Gersfeld 15,7 Prozent die Partei. Ebenfalls bei den niedrigsten Ergebnissen der Wahl 1921 handelt es sich um die Orte Fulda und Gersfeld. In Marburg findet sich eine Verringerung des Wertes von 19,3 Prozent (1921) auf 15,9 Prozent (jetzt Marburg-Kirchhain).

Wahlergebnisse der Zentrumspartei

Auch die Zentrumspartei kann einen leichten Stimmzuwachs von 13,7 Prozent (1921) zu 14,9 Prozent verzeichnen. Ihren Spitzenwert erreichte sie in Fulda-Hünfeld (80,7 Prozent), welcher zur vorherigen Wahl 1921 (74,9 Prozent in Fulda und 77,7 Prozent in Hünfeld) noch deutlich angestiegen war. Ebenso erzielten sie in Schlüchtern-Gersfeld ein hohes Ergebnis mit 53,3 Prozent, da auch 1921 in Gersfeld ein Spitzenwert von 90,8 Prozent errungen wurde. Weiterhin ist ein erheblicher Anstieg in Marburg-Kirchhain mit 22 Prozent im Vergleich zu 4,9 Prozent in Marburg und 49,1 Prozent in Kirchhain (1921) zu beobachten. Trotzdem konnte die Partei in Rintel, keine Stimme für sich gewinnen und auch in Melsungen nur 0,6 Prozent und Hofgeismar 0,8 Prozent erringen.

Wahlergebnisse der Kommunistischen Partei Deutschlands

Ein Wachstum der Stimmen lässt sich auch bei der KPD von 4,8 Prozent (1921) auf 6,7 Prozent beobachten. Ihre höchsten Ergebnisse erreichte sie in Hanau (Stadt) mit 28,3 Prozent, Hanau (Land) mit 24,4 Prozent sowie 14,6 Prozent in Schmalkalden. Bereits bei der Kommunallandtagswahl 1921 handelte es sich in diesen drei Orten um die höchsten Ergebnisse. Während sie bei der vergangenen Wahl in Marburg noch keine Stimme gewinnen konnten, wurden sie in Marburg-Kirchhain nun von 2,1 Prozent der Stimmberechtigten gewählt. Am schwächsten wurde für sie in Ziegenhain-Homberg (1,0 Prozent), Hofgeismar (0,8 Prozent) und Hersfeld (0,6 Prozent) gewählt.

Wahlergebnisse der Deutschen Demokratischen Partei

Der höchste Wert der Partei findet sich mit 10,3 Prozent in Schmalkalden. Darauf folgen mit 9,1 Prozent Kassel (Stadt), Kassel (Land) mit 8,4 Prozent sowie Hanau (Stadt) mit ebenfalls 8,4 Prozent. In Marburg-Kirchhain wählten 7,2 Prozent die DDP. Dahingegen erreichten sie in Fulda-Hünfeld den niedrigsten Wert mit 1,7 Prozent. Darauf folgen Hersfeld mit 2,2 Prozent und Schlüchtern-Gersfeld 2,8 Prozent.

Wahlergebnisse weiterer Parteien

An den Wahlergebnissen der folgenden Parteien ist besonders interessant, dass sie explizit in nur einen Ort einen positiven Stimmwert erreichen konnten. So wählten den Allgemeinen Wirtschaftsbund für Steuerabbau und Sparmaßnahmen in Eschwege 2,1 Prozent sowie die Bürgerliche Gerechtigkeitsvereinigung in Ziegenhain-Homberg 3 Prozent. Weiterhin konnte die Wirtschaftspartei des deutschen Mittelstandes ihre Höchstwerte von 12,5 Prozent in Hanau (Stadt) und Schmalkalden (11,1 Prozent) erzielen. Die weiteren Ergebnisse der Partei schwanken zwischen 0 und 3 Prozent in den restlichen Orten. Zudem konnte auch die Liste "Handwerk und Gewerbe" in Marburg-Kirchhain ihren Spitzenwert von 8,5 Prozent erreichen und in Schmalkalden wählten 6,2 Prozent und in Rinteln 5,8 Prozent der Wähler die Partei.

Der neugewählte Kurhessische Kommunallandtag trat am 1. Februar 1926 das erste Mal zusammen.
(MK)


  1. Erarbeitet auf Grundlage von: Amtsblatt der Regierung zu Cassel 1925, hrsg. vom Regierungsbezirk Cassel, Kassel 1925.
Records
Recommended Citation
„Wahl des Kurhessischen Kommunallandtages Kassel, 29. November 1925“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/en/subjects/idrec/sn/edb/id/5586> (Stand: 5.4.2019)
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