Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Regesten der Landgrafen von Hessen

1462 Januar 17

Ludwig II. versucht, Befürchtungen Philipps von Katzenelnbogen auszuräumen

Regest-Nr. 9407

Überlieferung | Regest | Originaltext | Nachweise | Textgrundlage | Zitierweise
Überlieferung
Abschriften: Staatsarchiv Marburg, Abt. 2b, Mainzer Stiftsfehde.
Drucke: Gundlach, Mainzer Stiftsfehde, S. 119 f.
Regesten: Demandt, Regesten Katzenelnbogen 2, S. 1448 f. Nr. 5155.
Regest
Wiesbaden. - Landgraf Ludwig von Hessen schreibt dem Grafen Philipp von Katzenelnbogen, daß er aus der Beantwortung seines Schreibens seine (Philipps) Beweggründe für sein Eintreten für den Isenburger vernommen, selbst aber noch nie etwas von etwaigen Bedrohungen und Beeinträchtigungen seiner (Philipps) Person und seines Landes gehört habe. In diesem Sinne habe er (Ludwig) seinem Bruder Landgraf Heinrich geschrieben und nun auch mit Erzbischof Adolf von Mainz gesprochen, der alle Verdächtigungen dieser Art glaubhaft zurückgewiesen und hierauf eilends eine Rechtfertigung und Antwort schriftlich erteilt habe, die er (Ludwig) beigeschlossen übersende. Er bitte und fordere daher von ihm (dem Grafen) auf Grund seiner Freundschafts- und Mannschaftsverpflichtungen, ihm (Ludwig) zu helfen oder aber stillzusitzen. Da er (Philipp) jetzt nicht zu einer mündlichen Verhandlung zu ihm kommen könne, ersuche er durch diesen Boten um schriftliche Antwort.
Die Rechtfertigung und Antwort Erzbischof Adolfs lautet: Was die angebliche Bedrohung Graf Philipps durch päpstliche und kaiserliche Maßnahmen gegen ihn betrifft, so bestreitet Erzbischof Adolf, irgend etwas in dieser Hinsicht veranlaßt zu haben. Zu der Meinung Philipps, der Isenburger habe durch seine Appellation dem Recht genüge getan, bemerkt Adolf: Auf die Schriften des Isenburgers, die dieser nach seiner Absetzung hat ausgehen lassen, hat sich Adolf zu Verhandlungen erboten, um den gegen ihn bei Papst und Kaiser vorgebrachten Schmähungen zu entgegnen, und zwar entweder vor dem Kölner Erzbischof, dem Pfalzgrafen, dem Mainzer Domkapitel oder den Städten Mainz und Frankfurt oder auch vor Anderen, die der Isenburger bezeichnet hat. In einer weiteren Schrift hat sich Adolf gegenüber dem Isenburger zum Austrag erboten vor den oben Genannten oder dem Trierer Erzbischof, den Bischöfen von Straßburg, Würzburg, Worms, Speyer oder Bamberg, den Kurfürsten Herzog Friedrich von Sachsen oder Markgraf Friedrich von Brandenburg oder vor den Herzögen Albrecht von Österreich, Wilhelm von Sachsen oder Heinrich von Braunschweig oder vor den Markgrafen Johann und Albrecht von Brandenburg oder Karl von Baden, den Landgrafen Ludwig und Heinrich von Hessen und Hesso von Leiningen, den Grafen Ulrich von Württemberg, Wilhelm von Henneberg, Heinrich von Schwarzburg, Georg von Henneberg, Heinrich von Stolberg oder Günther von Mansfeld oder schließlich vor den Kapiteln zu Mainz, Köln, Trier, Straßburg, Worms, Würzburg oder Bamberg oder den Städten Mainz, Frankfurt, Nürnberg, Köln, Trier, Straßburg, Worms, Speyer, Würzburg, Bamberg, Erfurt, Mühlhausen, Nordhausen usw. Das alles hat der Isenburger nicht angenommen, sondern die in einem eigenhändigen, beigefügten Schreiber übernommenen Verpflichtungen hinsichtlich der Durchführung und Innehaltung seines Vergleichs mit Adolf gebrochen, während sie Adolf seinerseits gehalten hat.
Dieser Brief Diethers lautet: Erzbischof Diether von Isenburg bevollmächtigt seinen Kanzler Dr. Peter vom Stein und Hans von Erlebach, den jetzt mit Adolf abgeschlossenen Vergleich für ihn zu beschwören und zu vollziehen.
Siegel Diethers.
Geschr. uf dynxstag vor sant Mertinstag a. etc. 61.

Wortlaut der Datierung

D. Wisebaden uf sontag Anthonii a. etc. 62.

Originaltext
Unser fruntlicher dienst und was wir liebs und guts vermogen zcuvor, wolgeborner und edeler lieber neve und swager. Uwer antwert uff unser gethane schrifft und mit was billicheit ihr ingetreden in hulffe des von Isenburg sint, haben wir verstanden, und laißen uwer liebe wisßen, daz wir noch nye in keynem verstendnisse vernummen haben die sache als ir meldet in eynchem witder oder schaden uch oder uwer lantschafft berurende, des auch in raide und thaide noide sin wulten, als wir das dem hochgebornen fursten hern Heinriche lantgrafen zcu Hessen, graven zcu Cziegenhain und zcu Nidde, unsern lieben bruder, muntlich gesaget und geschreben hain, darauf geretdet mit dem erwerdigen in got vater herrn Adolffe, erwelten und bestetigten zcu Mencze und kurfursten etc., unserm lieben hern und neven, der uns dan in der forme gleublich daruff geantwert haid, he des auch also unschuldig sii, uns auch etliche rechtgebotde und puncte also ilende stuckwiese in verczeichnunge gegeben haid, die wir uch hierinn verslossen schigken, darinn ir wol verstehin, mit was billicheit ir uch uff ihene siiten begeben moget. Also bitden, ermanen und fordern wir uch noch als vor wol gutlich und mit ganczem ernste, angesehin got und das recht, alle billichkeit auch besondern fruntschaff und wie ir uns von manschaff wegen gewant siit, uns forderlich zu helffen, und ab ir des ye vermeynet nicht zcu thunde, des wir uns doch zcu uch nicht versehin, stilleiczens in dene dingen zcu haben, wie vorgeschriben ist. Dwile nu gelegenheit uwer sache nicht ußgewieset iczunt personlich bie uns zcu komen, als wir uns versehen hatten, so fordern wi an uch des uwer richtigen beschriben antwerte by dissem bodten uns wissen darnach zcu halten. Dat. Wiesebaden uff sontag Anthonii anno etc. lxii°.
Von gotis gnaden Ludwig etc.
Dem wolgebornen und edeln hern Philipse graven zcu Kaczenellenbogen und zcu Diecze, unßerm lieben neven und swager.
(Hierzu die Beilage:)
Dißs sint die puncte der rechtgebotte.
Als der von Kaczenelnbogen schribet, ime sy gesaget, so balde die parthien in den stifft zcu Mencze komen, so were er mit bebistlichen und keyserlichen briefen so hoe und villicht swerer herlanget und furgnomen dann der von Isenburg.
Umb des willen daz der lantgraf uff solich des von Kaczenelnbogen schrifft dest gruntlicher wiß zcu antwurten, so ist ime notdorfftig zcu wissen das hernach volget.
Myn gnediger herre von Mencz gesteet dem von Kaczenelbogen nit, daz von unßerm heiligen vater dem babist ader an unßerm allergnedigsten herrn dem romischen keyser ichts sy erlanget zcu beswerung dem von Kaczenelbogen, als er daz in siner schrifft meldet, und nyemants ist in leben der as mit warheit sagen moge, es mag und sol sich auch nyemermehr erfinden.
Furter schribet der von Kaczenelnbogen den von Isenburg benuge des rechten nach lute siner appellacien und ußgesanten briefen, und er werde witder recht bekrieget etc.
Uff das man nu verstee, das eß nit sii und gar ander gestalt habe dann er schribet, so ist diese meynung zcu mercken.
Uff des von Isenburgs schrifft und gebott, die er doch nach der entsaczung und privirung tett, haid myn herre von Mencz zcu erfindung der warheit sich gegen ime herbotten umb das daz er nach siner versehung furgnummen hat, auch umb das unrecht wort, handel und schrifften, die demselben mynem herrn von Mencz von dem von Isenburg zcu smehung ußgangen sind vor unßern heiligen vater den babist, auch unsern gnedigen hern den romischen keyser und da geben und nemen oder nemen und geben wie sich billich geburt, und das verburgen und verburget nemen ader vor den erczbischoff zcu Collen oder den pfalczgrafen oder vor dechand und capittel des dhumstiffts zcu Mencz oder vor der stait Mencz, Frangfurt oder uff die der von Isenburg sine gebott auch hait gesaczt, item darnach in eyner andern schrifft hait sich myn herre von Mencz aber gegen dem von Isenburg herbotten zcu recht zcu komen uff die icztgenanten item oder uff den erczbischoff zcu Tryer und die bischoffe zcu Straßburg, Wirczpurg, Worms, Spyer, Bamberg, hern Frederichen, herczogen, zcu Sachsen, hern Frederichen marggrafen zcu Brandenburg kurfursten, hern Albrechten herczogen zcu Osterreich, hern Wilhelm zcu Sachsen, hern Heinrichen zcu Brunßwig herczogen, hern Johansen, hern Albrechten zcu Brandenburg, hern Karle zcu Baden marggrafen, hern Ludewigen, hern Heinrich zcu Hessen, hern Hessen zcu Lynyngen lantgrafen, hern Ulrich zcu Wirtemberg, hern Wilhelm zcu Hennenberg, Heinrichen zcu Swarczpurg, Jorgen zcu Hennenberg, Heinrichen zcu Sailberg, Gunthern zcu Mansfeld, graven, fur die capittele zcu Mencz, Collen, Tryer, Straißpurg, Worms, Wirczenpurg, zcu Bamberg oder vor die stete Mencz, Frangfort, Nuremberg, Collen, Tryer, Straißpurg, Worms, Speyer, Wirczpurg, Bamberg, Erffurt, Molhusen, Northusen etc., und ab er sich witer ader furter erbieten sulle, das wolle er dieselben fursten, graven, hern, capittel ader stete, die sich des annemen wullen, auch herkennen laißen, und als der von Isenburg das nit haid wollen uffnemen, haid sich begeben, daz derselbe von Isenburg mit siner eygen hant geschriben haid einen brieff lutend uff meynung, daz er dem wirdigen meister Peter vom Steyn doctor, sinem canczler, und Hansen von Erlebach, sinem lieben getruwen, gantz moge und macht gegeben habe von sinen wegen und in sine sele zcu sweren die rachtung, die czwuschen hern Adolffen und ime begriffen, beslossen und mit sinem angehenckten insigel versiegelt ist, uffrichtig zcu halten, zcu thun und volnczyhen alles das, das von ime geschriben steet, ane alle geverde, und steet dat. des selben briefs uff dinstag vor sent Mertins tag anno etc. lxi°.
Aber wie wol die egnanten rachtunge von den egnanten czweyen an stait und von wegen des von Isenburgs und in sine sele gesworn ist und versiegelt, und myn herre von Mencz sich der genczlich hait gehalten, so haid doch der von Isenburg die selbe gesworn rachtung, die er mit siner selbs hant geczeichent und gesworn hait als obsteit, gebrochen und der gancz nach eynsteils nit nachkomen.
(Hierzu als Beilage 1461 November 10:)
Wir Diether von goits gnaden des heiligen stuls zu Mentz erwelter und bestetigter, des heiligen roemschen riichs durch Germanien ertzcanceller und kurfurst, bekennen uffentlichen mit deß unß hantschrifft gehen aller menlich, das wir den ersamen und vesten meister Peter von dem Steyn, doctoir, unßerm canceler, und Hansen von Erlebach, unßern lieben getruwen, gantz mogen und macht geben hain und geben ine die sampt und besonder mit kraft dißs brieffs von userentwegen und yn unßer sele zu sweren sulch rachteng die itzunt unser stifft berorende und zwuschen uns und hern Adolff begriffen, beslossen und mit unßerm anhengende ingesiegell versegelt ist uffrichtig zu halden, zu thun und zu vollenzehen, alles des von uns dae inne geschriben steyt an alles geverde. Geschriben uff dynstag vor sent Mertins tag, anno etc. lxi°.

Sprache des Originaltextes

deutsch

Nachweise

Ausstellungsort

Wiesbaden

Aussteller

Hessen, Landgrafen, Ludwig II.

Empfänger

Katzenelnbogen, Grafen, Philipp I.

Weitere Personen

Mainz, Erzbischöfe, Diether von Isenburg · Hessen, Landgrafen, Heinrich III. · Mainz, Erzbischöfe, Adolf II. von Nassau · Sachsen, Kurfürsten, Friedrich II. der Sanftmütige · Brandenburg, Kurfürsten, Friedrich II., der Eiserne · Österreich, Erzherzöge, Albrecht VI. · Thüringen, Landgrafen, Wilhelm II. der Tapfere · Braunschweig, Herzöge, Heinrich II. · Kulmbach-Bayreuth, Markgrafen, Johann der Alchemist · Brandenburg, Kurfürsten, Albrecht III. Achilles · Baden, Markgrafen, Karl I. · Leiningen, Grafen, Hesso · Württemberg, Grafen, Ulrich V. · Henneberg-Schleusingen, Grafen, Wilhelm III. · Schwarzburg, Grafen, Heinrich [II.] · Henneberg-Aschach, Grafen, Georg · Stolberg, Grafen, Heinrich XIX. · Mansfeld-Querfurt, Grafen, Günther II. · Stein, Peter vom, Doktor, Kanzler · Erlebach, Hans von

Weitere Orte

Katzenelnbogen, Grafen · Mainz, Erzbischöfe · Köln, Erzbischöfe · Pfalz, Kurfürsten · Mainz, Stift · Mainz · Frankfurt · Trier, Erzbischöfe · Straßburg, Bischöfe · Würzburg, Bischöfe · Worms, Bischöfe · Speyer, Bischöfe · Bamberg, Bischöfe · Sachsen, Herzöge · Brandenburg, Markgrafen · Österreich, Herzöge · Braunschweig, Herzöge · Baden, Markgrafen · Württemberg, Grafen · Nürnberg · Köln · Trier · Straßburg · Worms · Speyer · Würzburg · Bamberg (Rgbz. Oberfranken/Bayern) · Erfurt · Mühlhausen · Nordhausen

Sachbegriffe

Briefe · Mannschaftsverpflichtungen · Brüder · Verdächtigungen, Zurückweisen von · Bündnisverpflichtungen, Einhalten von · Mainzer Stiftsfehde · Fehden · Auseinandersetzungen, mit Mainz · Grafen · Appellationen · Erzbischöfe, Absetzen von · Päpste · Kaiser · Schmähungen · Domkapitel · Bischöfe · Schiedsrichter, Anbieten von · Städte · Herzöge · Markgrafen · Vergleiche, Einhalten von · Doktoren · Gesandte · Eide, Bruch von · Landgrafenitinerar

Textgrundlage

Stückangaben, Regest

Demandt, Reg. Katzenelnbogen 2

Original

Gundlach, Mainzer Stiftsfehde

Zitierweise
Landgrafen-Regesten online Nr. 9407 <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/lgr/id/9407> (Stand: 11.08.2020)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde