Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg

↑ Johannes Ledroit, Mobilisierung des Hessischen Landwehr-Infanterie-Regiments 118, 1914

Abschnitt 7: Militärische Zugehörigkeit

[S. 18-19] Mittlerweile hören wenigstens die Stäbe, in welchem militärischen Verhältnisse wir stehen. Wir gehören darnach zur 49. hessischen gemischten Landwehrbrigade unter dem Kommando des Generals v. Hartmann aus Darmstadt. Sie setzt sich zusammen aus den Hess. Landwehrinfanterieregimentern 116 und 118, 3 Eskadrons Landwehrkavallerie unter Graf Beroldingen als Kommandeur und zwar je eine vom 2. Landwehrjägerregimente, 13. Landwehrhusarenregimente Bockenheim und 23. Landwehrdragonerregimente Darmstadt, letztere unter Major Seltsam, sowie einer hessischen Landsturmbatterie unter Hauptmann Jung mit dem bereits 50 Jahre alten Trompeter Kunze. Die Brigade ist direkt dem Etappenkommandeur der 4. Armee Sr. Exc. Generalleutnant v. Seckendorf unterstellt. Führer der 4. Armee war damals S. Kgl. Hoheit Prinz Albrecht v. Württemberg.

Nur wenigen wurde dieses Verhältnis im Laufe des Vormarsches und Rückmarsches nach und von der Marne, so lange dauerte dieses nämlich, klar. Man kam ständig mit diesen Truppen zusammen, wußte aber die näheren Beziehungen nicht. Man brauchte damals eben die Zeit zu wichtigeren Dingen, als zur Erklärung dieser Verhältnisse.

Mittlerweile war der Weg durch Belgien in der Hauptsache gebahnt und begann etwa am 18. August der allgemeine Vormarsch der deutschen 7 Armeen im Westen. Da auch Franzosen und Engländer bereits auf dem Vormarsche waren, kam es bald zu den blutigen Begegnungsschlachten bei Mons zwischen Engländer und 1. deutschen Armee, bei Chaleroi zwischen 2. und 3. deutscher und 5. französischen Armee sowie Belgiern, bei Neufchâteau zwischen 4. deutscher, also unsrer, und 4. französischen Armee und bei Longwy zwischen 5. deutscher und 3. französischen Armee. Das allgemeine Vorrücken der deutschen Armeen machte natürlich seinen Einfluß auch auf unsre Stellung geltend. Wir wurden ebenfalls weiter vorgezogen, zunächst noch mit der Bahn. Zu diesem Zwecke marschierten die Kompagnien wieder nach dem Bahnhofe Birkenfeld-Neubrücken und wurden dort [S. 19] am 20. August das I. Batl. um 2 Uhr 16, das III. um 4 Uhr 16 und das II. um 6 Uhr 16 verladen.

Während des Verladens des II. Batl. kam es zu einer ergreifenden Scene, als da auf einmal ein Zug mit Flüchtlingen aus Metz einfuhr, welche die deutsche Heeresverwaltung in Voraussicht einer Belagerung nach den Taunusgegenden bringen ließ. Die Flüchtlinge waren meist eingewanderte Altdeutsche und mancher Wehrmann tauschte mit Frau und Kind den letzten Gruß fürs Diesseits. Einige Leute waren kaum von den Trittbrettern des abfahrenden Zuges zu bringen.

Bald fuhren wir in der Richtung Trier durch das wildromantische Moseltal. Leider verbat die hereinbrechende Nacht bald die Ausschau.

In Trier hatten die 3 Züge je eine Stunde Aufenhalt, welche Zeit zur Verpflegung in der dem Bahnhofe nahen Maximinkaserne benützt wurde, wo aber die Sache nicht recht klappte. Es waren hier halt schon zu viel Truppen durchgekommen. Als Kuriosum erwähnen wir, daß es überall keinen Tropfen Alkohol gab, selbst auf den Bahnhöfen nicht für Geld und gute Worte. Und die Sache ging doch, sogar recht gut.

Von Trier gings dann weiter nach Luxemburg, wo das I. Batl. um 12 Uhr 6, das III. um 2 Uhr 6 und das II. um 4 Uhr 6 am Morgen des 21. August ankam.

Das Regiment quartierte mit Ausnahme der 5. Kompagnie in der höheren Mädchenschule Luxemburgs. Wir lagerten zum ersten Male auf Stroh.


Personen: Beroldingen, Graf · Hartmann, General von · Jung, Hauptmann · Kunze, Trompeter · Seckendorf, Generalleutnant von · Württemberg, Prinz Albrecht von
Orte: Birkenfeld · Bockenheim · Charleroi · Darmstadt · Longwy · Luxemburg · Metz · Mons · Neubrücken · Neufchâteau · Trier
Sachbegriffe: Alkohol · Mädchenschule · Sparkasse · Unterkunft · Verpflegung · Verwundete · Landwehr-Infanterieregiment 118
Empfohlene Zitierweise: „Johannes Ledroit, Mobilisierung des Hessischen Landwehr-Infanterie-Regiments 118, 1914, Abschnitt 8: Militärische Zugehörigkeit“, in: Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg <https://www.lagis-hessen.de/de/purl/resolve/subject/qhg/id/43-7> (aufgerufen am 23.09.2019)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde