Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Regesten der Landgrafen von Hessen

1327 Oktober 20

Bürgschaft für den nassauischen Gefangenen Eckhard von Bicken

Regest-Nr. 3540

Überlieferung | Regest | Originaltext | Nachweise | Textgrundlage | Zitierweise
Überlieferung
Ausfertigung: Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Abt. 170, Nr. 171. 2 Pergamentblättern, die durch Presseln miteinander verbunden sind, Siegel fehlen.
Abschriften: Abschrift (15. Jahrhundert): Hauptstaatsarchiv Wiesbaden, Kopiar A 11, Bl. 558 v (jüngere Zählung) ff.
Regesten: Regesten der Erzbischöfe von Mainz 1,1, Nr. 2866; Regesten der Landgrafen von Hessen 1 Nachdr., S. 289/290 Nr. 790.
Literatur: Arnoldi, Oranien 1, S. 89.
Regest
Graf Siegfried von Wittgenstein (Widchenstein), Graf Johann von Solms (Solmsse), Rorich von Oichtichenbach, Ruprecht Schenk von Schweinsberg (Swensberg), Heinrich von Kalsmunt (Kalsmont) und Kraft von Hatzfeld (Haitzfeld), Ritter, Dietrich, Sohn des gen. Rorich von Oichtichenbach und Konrad von Diedenshausen (Dydenshusen), Edelknechte, verbürgen sich für Ritter Eckhard von Bicken, den Graf Johann von Nassau (Nassowe) gefangen hat, geloben, vom folgenden Tage an Einlager zu halten in der Stadt Herborn (Herbern) und versprechen, dem Grafen 24 oder mehr Bürgen zu setzen bis zum übernächsten Donnerstag (= Oktober 29). Diese haften dem Grafen alsdann für 1200 Mark (3 Heller = 1 Pfennig). Für 350 Mark dient das Haus Königsberg (Konigesperg) als Zahlung, falls es nicht binnen 14 Tagen von den Herren von Falkenstein (Valkenstein) für diese Summe eingelöst und das Geld von Herrn Guntram Schenk von Schweinsberg dem Grafen Johann auf dem Hause zu Dillenburg (Dillenberg) bezahlt wird. Andernfalls hat Guntram Schenk das Haus Königsberg dem Grafen oder seinen Landeserben zu übergeben. Dieser soll es dem Rorich von Oichenbach anbefehlen, der geloben muß, es den Herren von Falkenstein gegen Zahlung von 350 Mark zurückzugeben. Solange das nicht geschieht, darf Graf Johann sich mit dem Haus behelfen gegen jedermann, außer gegen die Herren von Falkenstein und den Landgrafen von Hessen (Heissen) "in diesem Krieg". Nach Lösung des Hauses sollen weitere 250 Mark binnen einem Monat und die letzten 600 Mark zu Ende Weihnachten (uffe di ůizgeinde heilgen daige zu Wihenaichtin di nu allerneist kůmmet) zu Dillenburg bezahlt werden. Werden diese Bestimmungen nicht eingehalten, müssen die Bürgen, jeder mit einem Edelknecht und einem Pferd, Einlager halten in einer Herberge der Stadt Herborn (Herbirn) oder zu Wetzlar (Weitzflar), Limburg (Lympurg) oder Siegen (Sygen) nach Bestimmung des Grafen oder seiner Erben. Der Ritter (Heinrich) Voys und der Edelknecht Heinrich Prindt, die Eckhard gefangen hat, sollen bis zum nächsten Walpurgistage (= Mai 1) Frist haben und sich dann dem Landgrafen von Hessen als Gefangene stellen. Eckhard von Bicken muß mit seinen 2 Brüdern den Herren von Nassau Urfehde schwören zwischen jetzt und Weihnachten; ferner soll er geloben, das Haus Königsberg in keine fremde Hand zu bringen, sondern nur an die Herren von Falkenstein oder an Graf Johann von Nassau. Er darf ohne Zustimmung Graf Johanns keinen Dienst tun gegen den Erzbischof von Mainz und dessen Stift und gegen Graf Johann und ihre Helfer, solange dieser Krieg gegen den Landgrafen dauert. Mit 4 seiner Freunde soll Eckhard sodann Burgmann Graf Johanns werden und ihm von seinem eigenen Gute 10 Mark Geldes (3 Heller = 1 Pfennig) als Burglehen auftragen, die anderen 4 Burgmannen je 5 Mark. Er ist verpflichtet, dem Grafen 3 Jahre lang jährlich je einen Dienst zu tun mit 30 gewappneten Mannen auf seinen Verlust und auf des Grafen Kosten. Er hat dem Grafen 12 Bürgen zu stellen, daß er und seine Brüder diese Sache niemals an dem Grafen von Nassau rächen oder Forderungen deswegen an ihn erheben wollen; diese Bürgen werden zum Einlager in Herborn verpflichtet.
Siegler: 1. Rorich von Oychenbach, 2. Heinrich von Kalsmunt, wegen augenblicklicher Siegelkarenz der übrigen Aussteller (unter denen hier vor Ruprecht auch Guntram Schenk genannt wird).
Datum: d. et a. 1327 feria tertia post diem b. Luce evang.
Nachweise

Weitere Personen

Wittgenstein, Grafen, Siegfried II. · Solms-Burgsolms, Grafen, Johann I. · Oidchenbach, Rorich von · Schenk zu Schweinsberg, Ruprecht [I.] · Kalsmunt, Heinrich von · Hatzfeld, Kraft [II.] von · Oidchenbach, Dietrich von, Sohn des Rorich · Diedenhausen, Konrad von · Bicken, Eckhard [II.] von, Ritter · Voys, Heinrich, Ritter · Print, Heinrich · Mainz, Erzbischöfe, Mathias von Bucheck · Nassau-Dillenburg, Grafen, Johann · Falkenstein, die von · Schenk zu Schweinsberg, Guntram II. · Hessen, Landgrafen, Otto I. · Schenk zu Schweinsberg, Guntram III.

Weitere Orte

Herborn, Stadt · Königsberg, Haus · Dillenburg, Haus · Dillenburg · Wetzlar · Limburg · Siegen

Sachbegriffe

Grafen · Schenken · Ritter · Söhne · Verwandte · Gefangene · Einlager · Bürgen · Bürgschaften · Häuser · Zahlungen · Pfandschaften · Gefangene, Auslösen von · Landeserben · Erben · Kriege · Zahlungsfristen · Weihnachtsfeste · Verträge · Pferde · Edelknechte · Herbergen · Frieden · Brüder · Erzbischöfe · Stifte · Eide · Treueide · Öffnungsverträge · Dienste · Helfer · Freunde · Güter · Burglehen · Burgmannen · Männer, gewappnete · Forderungen

Textgrundlage

Stückangaben, Regest

Grotefend-Rosenfeld, Landgrafenregesten 1

Zitierweise
Landgrafen-Regesten online Nr. 3540 <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/lgr/id/3540> (Stand: 11.12.2019)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde