Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Regesten der Landgrafen von Hessen

1283 Juni 29

Einigung zwischen Heinrich I. und seinem Schwiegersohn

Regest-Nr. 266

Überlieferung | Regest | Originaltext | Nachweise | Textgrundlage | Zitierweise
Überlieferung
Ausfertigung: Staatsarchiv Marburg, Urk. 1, Nr. 3558 ⟨Altsignatur: Staatsarchiv Marburg, Samtarchiv, Schublade 63, Nr. 4 VCC⟩.
Stückbeschreibung: Pergament. Deutsch.
Siegel: Die drei Siegel sind ab.
Drucke: Wenck, Hessische Landesgeschichte 3, S. 150 Nr. 175.
Regesten: Wenck, Hessische Landesgeschichte 2, UB, S. 215 Anm. zu Nr. 202; Scriba, Regesten Urkunden Hessen 2, S. 59 Nr. 745; Regesten der Landgrafen von Hessen 1 Nachdr., S. 93/94 Nr. 246.
Literatur: Rommel, Geschichte von Hessen 2, Anm. S. 42 Nr. 13, S. 53 Nr. 32 und S. 68 Nr. 45; Landau, Ritterburgen 3, S. 352 (wegen Staufenberg); Landau, Ritterburgen 4, S. 359 (wegen Burg-Gemünden); Weidemann, Landgraf Heinrich I., S. 437; vgl. [1283 Juni 29 Regesten der Landgrafen von Hessen 1 Nachdr., S. 94] Nr. 247;
Regest
Marburg. - Landgraf Heinrich einigt sich mit seinem Schwiegersohne, dem Grafen Gottfried, dem Sohne Graf Gottfrieds von Ziegenhain (Zygenhagen), wegen ihrer Zwistigkeiten und besonders wegen der von dem Landgrafen zerstörten ziegenhainischen Burg zu Burg-Gemünden (Gemůnden an der straze). Ferner bestimmen sie, daß, falls Gottfried kinderlos stirbt, seine Gemahlin Mechthild, Landgraf Heinrichs Tochter, Ziegenhain, Treysa (Treyse, Treise) und Staufenberg (Stoyphenberg) als Wittum erhalten soll, das nach ihrem Tode an Gottfrieds Mutter und Schwester zurückfällt, mit Ausnahme der von dem Landgrafen herrührenden Lehen. Sterben Gottfried und seine Schwester bei Lebzeiten ihrer Mutter ohne Hinterlassung von Leibeserben, so muß der Landgraf ihr 500 Mark Aachener (echscher) Pfennige bezahlen, wogegen er das ganze Ziegenhainer Gebiet als erbliches Eigen erhält. Landgraf Heinrich und Gottfried geloben sich gegenseitige Hilfeleistung gegen jedermann außer gegen das Reich. Die zeitliche Verlängerung dieses Vertrages steht den Kindern des Landgrafen nach seinem Tode frei. Bei etwaigen Zwistigkeiten zwischen dem Landgrafen und dem Grafen sollen je zwei Männer von jeder Seite zu Schiedsrichtern bestellt werden, die sich selbst einen Obermann wählen dürfen, wenn eine Einigung unter ihnen nicht zu erreichen ist; des Obermanns Schiedsspruch muß binnen Monatsfrist nach Anzeige an die Parteien ausgeführt werden. Im Weigerungsfalle soll der Landgraf mit zehn Rittern in Treysa (Treyse, Dreise) Einlager halten, bis er dem Grafen 500 Mark gezahlt hat; liegt die Schuld an dem Grafen, so ist dieser unter den gleichen Bedingungen zum Einlager in Marburg (Marpurg, Marpůrg) verpflichtet. Wer den andern um Hilfe angeht, trägt die Kosten für den Krieg in seinem Gebiet und muß dem Helfer jeglichen Schaden ersetzen, wofür er aber die Gefangenen erhält.
Zeugen: Graf Heinrich von Kastell (Kastele), Heinrich, Truchseß von Kastell, die Brüder Eckhard, Friedrich und Konrad von Bicken (Bygkene, Bykene), die Brüder Hermann, Volprecht und Ludwig genannt Kalb (die Kelbere), Friedrich Hobeherr (ůzmehove), Konrad, Herrn Andreas' Sohn, und die Schöffen von Marburg, Heinrich, der Schreiber (Graf Gottfrieds) und Konrad, der Schreiber (Landgraf Heinrichs), Ludwig von Marburg (Marpůrg), der alte und der junge von Abenrode, die Gebrüder Waldvogel (Waltfogele), Konrad Vogel (Fogel), die Schöffen von Treysa (Treyse, Dreyse) und von Rauschenberg (Růschenberg) u. a.
Siegler: 1. Landgraf Heinrich, 2. seine Gemahlin Mechthild, 3. die Stadt Marburg.

Wortlaut der Datierung

a. et d. ze Marpurg 1283 an der heyligen apostelen tage sente Petris und sente Paulus.

Weitere Informationen

Die von der Urkunde Landgraf Heinrichs abweichenden Namensformen der Gegenurkunde [1283 Juni 29 Grotefend-Rosenfeld, Landgrafenregesten 1, S. 94] Nr. 247 sind an zweiter Stelle in den Klammern angegeben.

Nachweise

Ausstellungsort

Marburg

Aussteller

Hessen, Landgrafen, Heinrich I.

Empfänger

Ziegenhain, Grafen, Gottfried VI.

Siegler

Hessen, Landgrafen, Heinrich I. · Marburg, Stadt · Hessen, Landgrafen, Mechthild, Frau Heinrichs I., geb. Gräfin von Kleve

Weitere Personen

Ziegenhain, Grafen, Gottfried V. · Falkenstein, Mechthild von, Frau Philipps [I.], verw. Gräfin von Ziegenhain, geb. Landgräfin von Hessen · Bicken, Konrad von · Castell, Grafen, Heinrich II. · Heinrich, Truchseß des Grafen von Kastell · Bicken, Eckhard [I.] von · Bicken, Friedrich [I.] von · Kalb, Hermann · Kalb, Volpert · Kalb, Ludwig · Hobeherr, Friedrich · Konrad, Herrn Andreas Sohn · Heinrich, Schreiber Graf Gottfrieds von Ziegenhain · Konrad, landgräflicher Schreiber · Marburg, Ludwig von · Abenrode, der Alte von · Abenrode, der Junge von · Waldvogel, Brüder · Vogel, Konrad

Weitere Orte

Ziegenhain, Grafen · Burg-Gemünden (Gem. Gemünden/Felda), Burg · Ziegenhain (Gem. Schwalmstadt) · Treysa (Gem. Schwalmstadt) · Staufenberg · Aachen (Lkr. Städteregion Aachen/Nordrhein-Westfalen), Pfennige · Marburg, Schöffen · Treysa (Gem. Schwalmstadt), Schöffen · Rauschenberg, Schöffen

Sachbegriffe

Schwiegersöhne · Töchter · Verwandte · Söhne · Streitigkeiten · Burgen · Ehefrauen · Wittume · Schwestern · Erbfolge, vertragliche · Pfennige, Aachener · Währungen, Aachener Pfennige · Eigengüter · Hilfe, militärische · Verträge, Verlängern von · Kinder · Schiedsrichter · Schiedssprüche · Obmänner · Ritter · Einlager · Kriegskosten · Gefangene · Zeugen · Grafen · Brüder · Schöffen · Städte

Textgrundlage

Stückangaben, Regest

Grotefend-Rosenfeld, Landgrafenregesten 1

Zitierweise
Landgrafen-Regesten online Nr. 266 <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/lgr/id/266> (Stand: 18.01.2021)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde