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Topografie des Nationalsozialismus in Hessen

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Arolsen, KZ-Außenkommandos, Kaserne

Arolsen, Gemeinde Bad Arolsen, Landkreis Waldeck-Frankenberg
Große Allee/Birkenweg – In der NS-Zeit: Große Allee/Kasernenstraße
Klassifikation | Nutzungsgeschichte | Indizes | Nachweise | Abbildungen | Zitierweise
Klassifikation

Kategorie:

Verfolgung

Subkategorie:

Konzentrationslager 

Nutzungsgeschichte

Objektbeschreibung:

Die Häftlinge waren in der Reithalle der Waffenmeisterei untergebracht. Um die langfristige Unterkunft der Häftlinge zu sichern, wurde der östliche Teil des Maschinenraums zudem als Häftlingsunterkunft ausgebaut. Die SS-Mannschaften, die die Häftlinge bewachten, waren in zwei Räumen untergebracht, die über ein Schiebefenster die Räume der Häftlinge überwachen konnten; zudem war der Zugang zu den Häftlingsunterkunften nur über einen schmalen Flur möglich. Die Unterkunft verfügte über eine Toilette, eine Dusche und ein Waschbecken. Die Betten stammten noch von der "Germania" und waren Stahlrohrbetten mit Matratzen. Jeder der Häftlinge hatte seine eigene Matratze. Zudem verfügte jeder der Häftlinge über einen eigenen Spind. Im Schlafraum gab es zudem einen Aufenthaltsbereich mit Tischen. Seit Ende Dezember 1943 war zudem die Beheizung der Räume möglich. Diese Umbau- und Reparaturmaßnahmen wurden von den Häftlingen in nur wenigen Wochen durchgeführt. Das Kommando verließ damit das Quartier in der Schmiede und bezog die ehemalige Waffenmeisterei. Die Häftlinge waren in der Fahrzeugwerkstatt untergebracht worden. Dieser Raum war kleiner als die Waffenmeisterei. Er verfügte über den Zugang zum Dachboden. Auf diesem wurde nicht mehr gebrauchtes Mobiliar gelagert und die Häftlinge konnten sich ungestört unterhalten. Die Häftlinge des Kleiderlagers waren in einem dritten Raum, der Schmiede, untergebracht. Dieser Raum war kleiner als die beiden anderen Häftlingsräume. Der Aufenthaltsbereich aller Häftlinge befand sich in dem größten Raum, der ehemaligen Waffenmeisterei. Daneben stand den Häftlingen eine kleine Terasse zur Verfügung, die durch die Schmiede zu erreichen war. Die Unterkünfte waren, nicht zuletzt aufgrund der Nähe zum Lebensbereich der SS-Männer, wie die hygienischen Verhältnisse weitaus besser als in Buchenwald oder in anderen Außenkommandos.

Das Gebäude lag etwas abseits vom Exerzierplatz.

Beschreibung:

In Arolsen befand sich von 1943 bis 1945 ein Außenkommando des KZ Buchenwald. Untergebracht war es in der Arolser Kaserne, die seit dem Abzug der letzten SS-Einheit im Herbst 1943 nicht mehr genutzt wurde. Die KZ-Häftlinge waren nach Arolsen gebracht worden, nachdem sie im KZ Buchenwald ausgewählt worden waren. Der erste Transport, der am 14. November 1943 Buchenwald verließ, führte elf Deutsche, zwölf Polen, sieben Tschechen, zwei Luxemburger, einen Belgier und einen Holländer über Kassel nach Arolsen. Neben den Buchenwalder Häftlingen wurden Häftlinge aus Dachau an der Schule eingesetzt. Bevor diese während der Weihnachtstage 1943 in Arolsen angekommen waren, waren sie dem KZ Buchenwald formal unterstellt worden, da Buchenwald in der Zuständigkeit des SS-Oberabschnitts Fulda-Werra lag. Die Häftlinge übernahmen, aufgrund der Kriegslage, Ende 1943 immer mehr die Stellen der zivilen Angestellten in der Kaserne. So übernahmen sie dort Aufgaben als Handwerker in den Werkstätten der SS-Schule, aber auch als Küchenhilfen.

Ein weiterer Häftlingstransport, der aus rund 20 polnischen, russischen und jugoslawischen Personen bestand, erreichte am 21. Januar 1944 Arolsen. Die aus dem KZ Buchenwald stammenden Häftlinge wurden in dem SS-Kleiderlager eingesetzt.

Die Anzahl der Häftlinge in beiden Kommandos lag bis zum 21. September 1944 unter 100 Personen; erst mit einem an diesem Tag ankommenden Transport umfassten die Kommandos 123 Personen. Auch diese 30 neuen Häftlinge wurden als Handwerker, Küchenhilfen oder Landarbeiter eingesetzt.

Die beiden in Arolsen stationierten Kommandos waren zwar in der Arbeitsstatistik getrennt, aber im offiziellen Schriftverkehr wurden beide bis in den September 1944 nur als "SS-Führerschule" geführt; erst danach wurde zwischen den Kommandos unterschieden. Insgesamt lassen sich 24 Transporte von Häftlingen von Buchenwald nach Arolsen und 25 in die umgekehrte Richtung nachweisen. Die Mehrheit der in Arolsen eingesetzten Häftlinge stammte aus Polen, Russland und Deutschland. Aufgrund der zu leistenden Arbeiten in Arolsen waren für das Kommando Landarbeiter, Arbeiter, Handwerker, Maurer, Zimmerleute, Köche, Fleischer, Bäcker u.ä. ausgewählt worden. Neben diesen handwerklichen Tätigkeiten waren die Häftlinge in der Kaserne gewissermaßen das Putz- und Hauspersonal der SS-Schüler. Sie mussten alle Arbeiten des täglichen Lebens für die Schüler ausführen, damit diese sich ganz auf ihre Lehrgänge fokussieren konnten. Das in der Kleiderkammer eingesetzte Kommando zeichnete sich durch seine personelle Beständigkeit aus. Die hier eingesetzten 20 Häftlinge wechselten weitaus seltener als die Häftlinge des anderen Arolser Kommandos. Die Arbeit des Kommandos Kleiderkammer bestand zum einen in der Reinigung der Gebäude und zum anderen im Ein- und Aussortieren der Kleidung. Beide Kommandos wurden nicht nur zu Arbeiten in der Kaserne, sondern auch bei Bauarbeiten der SS, die Behelfsheime für Familien von SS-Männern in der Stadt Arolsen errichtete, eingesetzt.

Am 29. März 1945 wurde das Kommando nach Buchenwald evakuiert. Über den Volkmarser Bahnhof wurden die Häftlinge in einem regulären Personenzug in Richtung des Stammlagers gebracht. Bislang ist kein Todesfall eines Häftlings in der Stadt Arolsen bekannt; nachweislich starben jedoch einige, die an Buchenwald rücküberstellt wurden.

Nutzungsanfang (früheste Erwähnung):

14.11.1943

Nutzungsende (späteste Erwähnung):

29.3.1945

Weitere Nutzungen des Objekts:

Nutzung vor NS-Zeit:

1870 wurde die Kaserne, die in den folgenden Jahrzehnten um weitere Gebäude erweitert wurde, fertiggestellt. Sie war Heimat des "Infanterie-Regiment von Wittich Nr. 83". In den 1920er Jahre wurde die umgebaute Kaserne als Schule, Jugendherberge, Außenstelle des Arbeitsamtes sowie Fabrik genutzt. Ein Teil der Anlage wurde zu Privatwohnungen umgebaut.

Nutzung nach NS-Zeit:

Nach dem Krieg nutzte der Internationale Suchdienst wenige Jahre das Gebäude.

Indizes

Orte:

Arolsen

Sachbegriffe:

Außenkommando · Konzentrationslager · Verfolgung · Wirtschaft

Nachweise

Literatur:

Gedruckte Quellen:

Antwort der Landesregierung auf die Große Anfrage der Fraktion Bündnis 90 - Die Grünen betreffend Verfolgung und Vernichtung durch das NS-Regime in Hessen, Anlage 1, S. 7

Abbildungen

Abbildungen:

Zitierweise
„Arolsen, KZ-Außenkommandos, Kaserne“, in: Topographie des Nationalsozialismus in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/nstopo/id/241> (Stand: 2.12.2015)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde