Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg

↑ Heinrich Carl Zölzer, Schulchronik von Buchenau, 1914-1919

Abschnitt 10: Propaganda für Kriegsanleihen, Milchknappheit

[37-38]
Im September 1916 kam die V. Kriegsanleihe zur Zeichnung. Auch unsere Schüler beteiligten sich daran mit 2800 Mark. Die sechste Kriegsanleihe wurde im April 1917 zur Zeichnung aufgelegt. Mit Rücksicht, daß die Industriellen ihr Geld in ihren Geschäften und Betrieben brauchten, und daß der Staat hohe Steuern (Vermögens-, Umsatzsteuern etc.) verlangte, die von den Begüterten getragen werden mußten (2 Milliarden), sah man voraus, daß sich letztere weniger an der Kriegsanleihe beteiligen würden. Es mußte deshalb gearbeitet werden, daß das Volk, die Bauern auf dem Lande, mehr zeichneten. Es sollte eine Volksanleihe im wahren Sinne des Wortes sein. Nicht in den einzelnen Banken und Geldanstalten soll die Anleihe lagern, sondern in den Händen von Millionen von Volksgenossen. Die Beamten und Industriearbeiter hatten ihr Geld sehr nötig zum Einkauf der teuren Lebensmittel. Alle Lehrer mußten für die VI. Kriegsanleihe agitieren. Es war dies eine vaterländische Pflicht. Die einzelnen Leute sollten und mußten willig und gefügig gemacht werden. Es wurden Vorträge gehalten und [S. 38] Lichtbilderabende veranstaltet. Reich und Arm hatte sich an der Zeichnung beteiligt, und so war der Erfolg ein glänzender. Die bisherigen deutschen Zeichnungsergebnisse:

I. Anleihe Zeichnungen 4 481 000 000 M
II. Anleihe Zeichnungen 9 103 000 000 M
III. Anleihe Zeichnungen 12 160 000 000 M
IV. Anleihe Zeichnungen 10 768 000 000 M
V. Anleihe Zeichnungen 10 999 000 000 M

In unserer Gemeinde war die Beteiligung an der Zeichnung sehr rege. Die Zeichenstellen waren die Post, die Darlehnskasse und die Schule. In der Schule wurden alle Zeichnungen von 50 Mark abwärts entgegengenommen. Diese machten zusammen 4550 Mark. Im ganzen betrugen die Zeichnungen zur VI. Kriegsanleihe 89000 Mark.

Mittlerweile trat auch Milchknappheit ein. In den Großstädten mangelte es sehr daran. In manchen Kreisen mußte sämtliche Milch an die Stadt abgeliefert werden. In unserem Kreis beschränkte sich die Ablieferung nur auf Butter. Anfangs bekamen die Kinder unter 14 Jahren täglich 1/2 l, später hatten auf Vollmilch nur kleinere Kinder und ganz alte und kranke Personen Anspruch.


Personen: Zölzer, Heinrich Carl
Orte: Buchenau
Sachbegriffe: Kriegsanleihen · Schüler · Industrielle · Steuern · Bauern · Banken · Beamte · Industriearbeiter · Lehrer · Vortragstätigkeit · Darlehenskasse · Milch · Milchversorgung · Milchmangel · Butter
Empfohlene Zitierweise: „Heinrich Carl Zölzer, Schulchronik von Buchenau, 1914-1919, Abschnitt 23: Propaganda für Kriegsanleihen, Milchknappheit“, in: Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg <https://www.lagis-hessen.de/de/purl/resolve/subject/qhg/id/20-10> (aufgerufen am 08.08.2020)
 
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