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Regesten der Landgrafen von Hessen

1594 Januar 16

Erneuerung des Zunftbriefs für die Schmiede in Kassel

Regest-Nr. 16651

Überlieferung | Regest | Originaltext | Nachweise | Textgrundlage | Zitierweise
Überlieferung
Abschriften: Staatsarchiv Marburg, 17f, Nr. 724, gleichzeitig, Papier.
Regest
Landgraf Moritz von Hessen gibt den Schmieden in Kassel einen Zunftbrief.

Wortlaut der Datierung

geben [...] den sechzehenten monatstag Januarii anno Domini millesimo quingentesimo nonagesimo quarto

Originaltext
Wir Moritz von Gottes gnaden landgrave zu Hessen, grave zu Catzenelnbogen, Ditz, Ziegenhain und Nidda etc. tun kund hiran offentlich vor unß und unsere erben bekennende, nachdem unß durch absterben der loblichen fursten zu Hessen unserer voraltern und herrn vater loblicher und seliger gedechtnus die zunfte, gilden und inunge in unsern furstentumben, landen und gebieten verledigt und heimbgefallen sein, daß wir demnach uff undertenigs bitliches ansuchen unserer lieben undertanen und getreuen der huefschmiede, schlosser, messerschmiede, buchsenschmiede, kandengießer, groppe[n]gießer, urmacher, spörer und kupferschlager alhier zu Cassel auß sondern gnaden damit wir inen geneigt sein und umb sonderliches ihres nutzen und besten willen inen ire zunft, bruderschaft und inunge inmassen sie inen von unsern vorältern hochloblicher gedechtnus geben wiederumb gnediglich gereicht, geben und geliehen haben, tun daß auch jegenwertiglich in macht und craft dießes brives also daß sie sich irer zunft, auch aller derselben freyheit und gnaden hinfurter gebrauchen und treiben sollen inmassen wie hernach volget.
1. Erstlich wer sich ires handwerks gebrauchen und bruderschafft halten will, der soll ein ingesessener burger zu Cassel sein oder zu stund da burger werden, er soll sein ein recht ehekind, seine ehre wol bewahret haben, sein handwerk auch bey einem erbarn zunftigen meister gelernet haben und konnen und soll die bruderschaft und innunge keufen umb acht gute Rheinische gulden oder wehrung darvor als zu Cassel gangbar ist, welches geld unß und unsern erben halb, unser stadt Cassel ein virtel zu irem bau und dem handwerk daß ander viertel werden und gefallen soll, und dartzu geben den meistern des vorgenanten handwerks ein gulden zu vertrinken, den handwerksmeistern ein maß weins, irem knecht sechs pfennige und ein pfund wachs oder so viel gelds darvor zu underhaltung der armen in gemein gottescasten, und soll die innunge gekauft und genommen werden wan die meister bey einander sein und sonst bey niemands anders mehr.
2. Es soll auch die vorgemelten handwerk niemand uberfahren oder feyl haben mit keinerley werken so sie machen konnen, es sey dan ein solcher in ihrer bruderschaft und innunge, es were dan ein gemein frey jahrmarkt allermenniglichen. Were es daruber tete solte solchs verbußen mit einem ort eines gulden oder sonstet nach erkantnus des handwerks, doch daß es mit vorwissen unsers schultheißen beschehe, unß und unser stadt Cassel und dem handwerk ingleichem als vor unterscheiden ist. Und sollen die meister daß werk uffnehmen und wan daß markt vergangen ist einem idern sein werk wiedergeben und darmit ziehen lassen, soferne die busse erlegt sey.
3. Es soll auch kein meister im handwerk oder aber außem handwerk sich uffe ein meil wegs nahe umb Cassel heußlichen zu wohnen nidertun und sein handwerk daselbst treiben, es geschehe dan mit der handwerke willen oder habe deßen von unß erlaubnus bey pöen funf gulden Casselischer wehrung unß, unser stadt und dem handwerk zu entrichten wie obgemelt.
4. Da auch ein meister einen kauf thete der zu seinem handwerk gehoret welcherley daß were und kombt einer seiner mitbruder ehir dan er daß werk bezalet hat, der deß werks auch bedarf, dem soll er dan ein teil lassen umb denselben pfennig wie er daß gedingt hat. Kemen aber zwen, drey oder mehr von seinem handwerk, denen soll er den kauf halb lassen umb denselben pfennig als er den gekauft hat und uber die helfte soll inen niemand dringen. Und wer daß nicht tete und verbruche, der soll solches verbußen mit einem pfunde geldes, die unß, unser stadt Cassel und dem handwerk gefallen sollen wie obstehet.
5. Fortmehr wer einen schmidegast oder einen gewerbsman [hette] dem er ein zeitlang gearbeitet hette und der gast von ime ziehen wollte, ehir dan er abbezalet hette, so soll ime niemands arbeiten von seiner [!] werkgenoßen soferne es dem meister angetzeigt und verboten wird von iren meistern, die sie zu der zeit haben werden, als dicke des noth ist, er sey dan vor gutlich bezalet. Und wer dem gast daruber arbeitet, der soll daß verbußen mit einem pfund geldes unß, gemeiner stad und dem handwerk uff maß als vor geschrieben ist zu bezalen.
6. Auch soll kein meister jemants gestatten eigen werk in seinem hauße zu machen, es sey dan ein solcher zuvor in irer bruderschaft und innunge. Und welch meister es daruber tete, der soll daß verbußen mit sechs albus, welche geteilt werden sollen wie oft gemelt.
7. Da auch ein meister einen lehrknecht oder jungen annehmen wolte [!], derselbe soll zu stund geben ein pfund wachß oder vier albus darvor in gottescasten und den meistern einen gulden zu vertrinken. Were es aber sach, daß solcher der lehrknecht oder junge nicht vermöchte, so sollen es die geben ohne wiederrede, die sie zu inen annehmen.
8. Und soll kein meister dem andern seinen knecht abtringen, sein zeit sey dan umb, als er den gedinget hat. Und wer daß daruber tete, so soll der erste der den knecht gedinget hat dem andern verbieten. Helt er inen daruber, soll er daß verbußen mit sechzehen albus, welche geteilet werden sollen als vor geschrieben stehet.
9. Man soll auch alle jahr auf sanct Nicolaustag neue meister kießen, welches von niemands wiedersprochen oder mit einem pfund geldes unß, unser stadt und dem handwerk zu erlegen als obstehet verbußet werden soll.
10. Wer auch in der bruderschaft und innunge ist und von Cassel in ein ander schloß oder dorf daß in unsem furstentumb nicht gelegen were zuege, der solt sein innunge verloren haben. Zuege er aber in ein unser schlosser oder dorf in unserm furstentumb, daß soll ime an seiner innunge keinen schaden bringen, als ferne er seine bruderschaft alle jahr loße wie gewonlich ist und dem handwerk sechs pfennig uff s. Niclaustag zu urkund reiche.
11. Es sollen auch die meister allen gehorsamb, so wieder unß, unser furstentumb und unser stadt Cassel nicht ist, [halten] den meistern die da gekoren werden, als wan sie beyeinander sein und iren knecht nach den andern meistern senden von dem handwerk, da sollen die zu stund kommen. Und wer daß nicht tete und daß gebot versesse, der soll geben sechs pfennige in gotteskasten als dicke daß geschehe.
12. Were es auch daß die meister fragten, ob jemants etwaß wissentlich were daß der bruderschaft genutzen oder geschaden konne, und verschwiege einer solches, der solte solchs verrbußen mit einem pfund geldes unß, unser stadt und dem handwerk wie oft gemelt zu entrichten.
13. Es sollen auch diese bruderschaft und innunge alle ire söhne die ehekinder sein zumal zu gebrauchen haben gleicher weiße wie sie und stadtrecht darvon tun.
14. Nehme auch einer wer der were, soferne er ehlich geboren und sein handwerk gelernet hette, eines meisters dochter von dem handwerk und wollte sich desselben gebrauchen, der soll die bruderschaft halb keufen als vor geschrieben stehet und daß ander teil von der dochter haben.
15. Stu[r]be auch der meister einer und nehme seine frau einen andern man, der die handwerk uben wolte und in der innunge nicht were, der soll die bruderschaft auch halb keufen als vor geschrieben stehet und daß ander teil soll er haben von der frauen.
16. Es soll auch kein meister von dem handwerk gestolen oder geraubt gut welcherley daß ist keufen. Wer es aber tete mit wissen, der soll solches verbußen mit einem pfund geldes unß, unser stadt Cassel und dem handwerk einem iglichem zu seinem anteil als obstehet zu fallen. Keufte ers aber wissentlich [oder unwissentlich] und kemen die der es geweßen were, dem soll es ohne entgeld widergegeben werden.
17. Waß sie auch die meister guter gewonheit und gebot under einander machen oder satzen, die wieder unß und unser stadt Cassel nicht sein, die sollen sie under einander halten. Und welcher sich darwieder setzet, der soll daß verbußen mit solcher buß als sie darauf setzen, welche buß unß, unser stadt Cassel und dem handwerk gefallen soll als obstehet und soll da einer unser beampten wer der wer inen helfen pfanden vor die bueß deß rats zu Cassel.
18. Doch behalten wir unß und unsern erben bevor, diese innunge nach unserm gefallen zu mindern und zu mehren, auch gentzlich abzuschaffen.
Deß zu urkunde haben wir unß mit eigen handen underschrieben und unser furstlich secret insiegel hiran hängen und geben lassen den sechzehenten monatstag Januarii anno Domini millesimo quingentesimo nonagesimo quarto.
Moritz l. zu. Hessen sst.
Henrich Hundt d. cantzler vt.

Sprache des Originaltextes

deutsch

Nachweise

Aussteller

Hessen, Landgrafen, Moritz

Empfänger

Kassel, Schmiede

Siegler

Hessen, Landgrafen, Moritz

Weitere Personen

Hund, Heinrich

Weitere Orte

Kassel (Stadt Kassel)

Sachbegriffe

Handwerker, Schmiede · Handwerker, Hufschmiede · Handwerker, Schlosser · Handwerker, Messerschmiede · Handwerker, Büchsenschmiede · Handwerker, Kannengießer · Handwerker, Uhrmacher · Handwerker, Kupferschläger · Zunftordnungen, Bestätigen von · Bürger · Zünfte, Aufnahme in · Währungen, Rheinische Gulden · Zunftmeister · Almosenkasten · Märkte · Schultheiße · Handwerker, dörfliche · Handwerker, Lehrlinge · Zünfte, Residenzpflicht der Meister · Hehlerei · Beamte · Kanzler

Textgrundlage

Stückangaben, Regest

Eckhardt, Stadtrechtsquellen Kassel

Original

Eckhardt, Stadtrechtsquellen Kassel

Zitierweise
Landgrafen-Regesten online Nr. 16651 <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/lgr/id/16651> (Stand: 02.06.2020)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde