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Regesten der Landgrafen von Hessen

1584 April 18

Bierordnung für Kassel

Regest-Nr. 16645

Überlieferung | Regest | Originaltext | Nachweise | Textgrundlage | Zitierweise
Überlieferung
Abschriften: Staatsarchiv Marburg, 17e Kassel, Nr. 2, 1586, Papier. Rubrum: Bier-Ordnng praesentatum den 3ten Januarii anno salutis 1586 in jegenwertigkeit schultheißen, neuen und alten burgermeisters Johann Metzgers, Jacoben Didamars, Merten Mullers und anderer mehr ratspersonen etc.; Staatsarchiv Marburg, 17f, Nr. 1790, 17. Jahrhundert, Papier.
Regest
Landgraf Wilhelm IV. von Hessen gibt der Stadt Kassel eine Bierordnung.

Wortlaut der Datierung

Signatum Caßel am 18ten Aprilis anno 84n.

Originaltext
Wir Wilhelm von Gottes gnaden landgrave zu Hessen, grave zu Catzenalnbogen, Dietz, Ziegenhain und Nidda etc., fugen hirmit unßern undertanen und lieben getreuen burgermeister unda rat sampt gantzer gemeinde alhier zu Caßel gnediglich zu wißen, nachdem uns zu mehr malen clag vorkommen, das in unser stadt Cassel gar schlechte und unduchtige bier, auch in geringer antzahl gebrauet werden, also das es zum ofter malen an bier gemanglet und man deßen zur notturft nit bekommen konnen, daher ervolgt das man teglich viel frembder als Bruehan, Mundisch, Geißmarisch und andere bier herein holen und zu feilem kauf umb ein groß geld an sich pringen mußen, welches sowohl mit gemeiner burgerschaft die sich des brauens nehren alß auch den armen haußleuten, taglohnern und andern die es umb den pfennig kaufen mußen garnit daran sondern zum hochsten nachteilig und beschwerlich ist. Damit man dann hinfurters in der stadt Cassel un[d] derselben zun ehren widerumb ein guten trunk biers vor frembde warders und ander leut bekommen und haben moge und sich das gemeine volk auch so viel mehr des weinzechens und daraus volgenden verderbens enthalten möge, so haben wir demnach diesse dinge in notturftige beratschlagung zihen, auch deßwegen burgermeister und rat sampt etzlichen der breuer alhier vorfordern, ihre clag und beschwerung, auch ratsames gutachten und bedenken hiruber anhören laßen, befinden demnach das es vornemlich an guter ordenung mangelt, indem einem jeden verstattet und zugelaßen wirdet nach seinem gefallen nit allein zu brauen, sondern auch das bier dick und dune zu machen wie es ime gefellig. Tun darumb dise eingerißene unordnung gentzlich und allerdings cassiren und abschaffen und herjegen statuiren und wollen, das der rat alhier zu Cassel zu bestimbter zeit jahrs ein- oder zweimal ihre gewisse löß- oder köhrtage wie in andern stedten geschicht anstellen und halten, also daß ein jeder breuer wiße, wan sein brautage sey, darmit er sich mit gersten und anderer zum brauen gehoriger notturft konne gefast machen. Wer nun also brauen will, der soll zu einem gebreu biers welches zehen fuder halten soll weniger nicht alß dreyßig virtel gersten Caßelisch maiß, mochten ungevehrlich sechsunddreyßig virtel maltz außpringen, nehmen, darauf auch die braumeister gelobt und geschworen sein, und von keinem an maltz weniger entpfangen noch auch mehr alß zehen fuder biers gießen bey ungnediger straf des staupbesens. Und weil dißer zeit die gersten wie auch sonderlich der hopfen in hohem kauf ist und darin sich alle jahr des einkaufs halber enderung zutregt, so sollen auch hinfuro alle jahr burgermeister und rat umb Allerheiligen mit unserm selbst oder unserer rete vorwißen verordnen und setzen, wie hoch man das bier jeder tzeit außschenken und verkeufen solle. Dießer zeit aber will uff ein gebraue bier von zehen fuder stark nachvolgender uncost laufen: Erstlich an gersten 30 virtel, mochten ungevehrlich 36 virtel maltz außpringen, jedes virtel pro 1½ taler thut 55 f. 10 albus; hopfen 5 viertel jedes 2 taler tute 12 f. 8 albus; holtz 2 f. 12 albus; geschoß der stadt 25 albus; pfannengeld 1 f.; braumeister 11 albus; fulger und schapfer 8 albus; vier brauknechten 1 f.; feurschorer 6½ albus; biertrager 1 f. 14 albus; fasse zubereiten 1 f.; hoffbier f4 f. 21 albus; accise vom fuder 1 f. thut 10 f.; vom brauhauße 1 f. Summa alles uncostens uff zehen fuder biers thut 92 f. 11½ albus. Kompt ein fuder uff 9 f. 6 albus 4 heller und die maß zu verschenken uff ungevehrlich 6 heller. Dafur soll es dis jahrs uber biß uff Weinachten schirstkunftig außgeschenkt und verkauft und auch dan widerumb nach dem einkauf der braufrucht und hopfen ider tzeit gesetzt und gegeben werden. Daß schenkbier soll im brauhauße verkauft und nicht in die keller ausserhalb dem so ein jeder zu seiner haußhaltunge bedarf oder behalten will, welches doch von einem gantzen gebreu mehr nit als vier zober sein sollen, getan werden, damit nit eins in daß ander gemenget und die gute bier umb eins geringen vorteils willen verfalschet und verderbet werden. Doch soll den breuern zugelaßen werden, ein nachgebreu von langwal oder junker ein pfan voll welches neun zober sein zu giessen, furters dasselbig zu verkeufen oder zu ihren haußhaltungen zu geprauchen, doch das sie darmit kein geferde oder betrug mit verfalschung des biers suchen, sondern daßelbig getrenk besonders in keller legen, also das man dasselbig nach außschenkung des biers im keller finden moge. Und darmit das bier so viel mehr gut gemacht und unverfalscht pleiben möge, so wollen wir, das ein jeder der da brauet und das bier zu feilem kauf auftun will, desselben seines gebraueten biers ein trunk uffs rathauß burgermeister und tranksteur einnahmern zu versuchen pringen. Werden sie dann befinden, das das bier nit dermaßen und also getan, daß es vor ein zimblich gut Caßelisch bier und vor 6 heller wert zu halten, so sollen sie es nach seiner wirde geringer zu setzen macht haben, sonderlich aber da sie befunden, das mit dem bier untreulich umbgangen und darin geplembert were, sollen sie dieselben nach gelegenheit der uberfahrung in gepurliche straf nehmen. Mit ausschenkung der biere soll die ordnunge gleich wie die breu geschehen sein gehalten und dahin gerichtet werden, das jeder tzeit in jeder baurschaft ein bier, tut in den vier baurschaften und also in der gantzen stadt zusammen vier bier geschenkt werden und sobald eins auß were, soll ein anders wider aufgetan werden. Kein breuer soll weder mit maßen oder mit faßen etwas auß der stadt verkeufen, es sey in dann zu schenken der wusch, halbe oder ein ander zeichen durch die einnehmer der tranksteur gegeben, deßgleichen soll keiner uber sechs faße dessen jedes zu neun zubern gerechnet uff die dorfer verkeufen, darmit das nit gar wie zun zeiten geschehen ist hinaus gefurt und alßdann in der stadt mangel befunden werde. Weil auch clage vorkompt, das an etlichen ortern im ampt als zu Niddernkauffungen, Crumbach und Volmershauß ein bier gebrauet werde, welches der stadt und den breuern alhir nachteilig ist, so sollen unsere beampten das brauen an denen ortern allerdings abschaffen und sowohl im gantzen ampt Cassel, darunder die vogtey Hasungen mitbegriffen ist, alß in der stadt kein ander als Casselisch bier verschenkt und getrunken werden. Und hirauf sollen unsere räte beneben schulthaissen und rentmeister, burgermeister und rat zusampt den einnehmern der tranksteur ein fleißigs uffsehens haben, damit dieser unserer ordenunge festiglich nachgesetzt und diejenigen so sich deren nit gemeß verhalten gepurlich gestraft werden, welche straf uns halb und die ander helfte gemeiner stadt volgen und unser anteil uns durch unsern rentmeister in seiner amptsrechnung under einem sondern titul verrechnet werden, zu sehen ob und wie diße unsere ordnng gehandhabt wird. Signatum Caßel am 18ten Aprilis anno 84n.

Sprache des Originaltextes

deutsch

Nachweise

Ausstellungsort

Kassel (Stadt Kassel)

Aussteller

Hessen, Landgrafen, Wilhelm IV.

Empfänger

Kassel, Stadt

Siegler

Hessen, Landgrafen, Wilhelm IV.

Weitere Orte

Niederkaufungen (Gem. Kaufungen/Lkr. Kassel) · Crumbach (Gem. Lohfelden/Lkr. Kassel) · Vollmarshausen (Gem. Lohfelden/Lkr. Kassel) · Kassel (Stadt Kassel), Amt

Sachbegriffe

Bürgermeister · Räte · Landesordnungen · Bierordnungen · Bier, Einfuhr von · Tagelöhner · Handwerker, Brauer · Gerste · Bierpreise · Maße, Kasseler · Malz · Braumeister · Hopfen · Abgaben, auf Bierbrauen · Brauhäuser · Braufrüchte · Abgaben, Tranksteuern · Rathäuser · Schanklizenzen · Dörfer · Beamte · Ämter · Schultheiße · Rentmeister · Steuereintreiber · Amtsrechnungen

Textgrundlage

Stückangaben, Regest

Eckhardt, Stadtrechtsquellen Kassel

Original

Eckhardt, Stadtrechtsquellen Kassel

Zitierweise
Landgrafen-Regesten online Nr. 16645 <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/lgr/id/16645> (Stand: 07.07.2020)
 
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