Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Regesten der Landgrafen von Hessen

1355 Februar 27

Bündnis zwischen Mainz und dem Pfalzgrafen

Regest-Nr. 13534

Überlieferung | Regest | Originaltext | Nachweise | Textgrundlage | Zitierweise
Überlieferung
Ausfertigung: Hauptstaatsarchiv München, Mainz, 2. Nachtrag, fasc. 8.
Stückbeschreibung: Pergament.
Siegel: Siegel fehlt.
Regesten: Regesten der Erzbischöfe von Mainz 2,1, S. 76 Nr. 295.
Regest
Wiesbaden. - Pfalzgraf Ruprecht d.Ä. bekundet, daß er und Erzbischof Gerlach von Mainz sich zu Nutz und Frieden des Landes in folgender Weise vereint und verbunden haben: 1. Sie wollen die Straßen zu Wasser und zu Lande schützen, soweit ihre Geleite und Gebiete gehen. - 2. Wird einer "verbaut", überfallen oder belagert, so hilft der andere. - 3. Wenn zwischen ihnen, ihren Mannen, Burgmannen und Untertanen Streitigkeiten entstehen jenseits des Maines an der Bergstraße (berstrazen), auf dem Odenwalde oder in der Nähe dort, wo ihre Lande zusammenliegen, so entscheiden als von ihnen gemeinsam gekorne Ratleute: Konrad Rüdt (Rude), Burggraf zu Starkenburg, Heinrich von Erligheim (Erlekeim), Vitztum zu Heidelberg, (oder deren Amtsnachfolger) und Konrad Groschlag (Graslocke) von Cronberg. Diese drei sollen binnen acht Tagen in die mainzische Stadt Heppenheim, wenn der Erzbischof, und in die pfälzische Stadt Weinheim, wenn der Pfalzgraf mahnt, einreiten und binnen vierzehen Tagen entscheiden. Untertanen, die einen solchen Rechtspruch nicht halten wollen, sollen sie gemeinsam dazu zwingen. Für Streitigkeiten auf der Seite des Rheines, wo Mainz, und der wo Kastel (C-) liegt, sind Ratleute: Ulrich von Cronberg, Vitztum im Rheingau, Werner Knebil, Burggraf zu Stahleck (Stalecke), (oder deren Amtsnachfolger) und Ritter Heinrich Scheczeln; diese entscheiden in Rüdesheim, wenn der Erzbischof, in Bacharach, wenn der Pfalzgraf klagt. - 4. Wenn jemand einen von ihnen mit Raub oder Brand heimsucht, sollen des anderen Amtleute das mit aller ihrer Macht wehren helfen. - 5. Keiner von ihnen soll einem schädlichen Mann Geleite oder Sicherheit geben, es sei denn in Schuldsachen. - 6. Auf Mahnung des einen soll der andere binnen vierzehen Tagen auf seine Kosten mit 40 Behelmten helfen vier Meilen weit von seinem nach der Richtung, wo der andere der Hilfe bedarf, zu äußerst liegenden (endelsten) Schlosse; nach Hessen und Thüringerland, Sachsen und Baierland sind sie nicht zur Hilfeleistung verpflichtet. Der Unterstützte soll des anderen Dienern, wenn sie dessen Land verlassen, Kost geben. - 8. Gemeinsam eroberte Städte oder Burgen fallen, wenn sie von einem der beiden zu Lehen rühren, diesem zu, sonst wollen sie sie gemeinsam besetzen oder brechen. Gefangene und reisige Habe sollen nach Mannzahl der Leute geteilt werden, gefangene Hauptmänner dem Kriegführenden zufallen. - 9. Sie versprechen einander, daß keiner des anderen Mannen, Burgmannen oder Diener zu sich nehmen, empfangen oder verantworten wird wider den anderen mit Krieg oder zum Kriege. - Der Erzbischof nimmt aus: den Stuhl von Rom, das römische Reich, seinen Vater (Gerlach) und seine Brüder Adolf und Johann, Grafen von Nassau, die Erzbischöfe Wilhelm von Köln und Boemund von Trier, alle seine Sufragane, die ihm ihre rechtliche Vertretung überlassen, die Landgrafen Heinrich und Otto von Hessen, die Brüder Friedrich und Balthasar, Markgrafen von Meißen, die Grafen Johann von Ziegenhain (Cygen-), Otto von Waldeck, Walram von Sponheim; Ulrich, Herrn zu Hanau (Hayn-), seinen Schwager, gemäß dem alten Bündnis, den Landfrieden in der Wetterau (Wedireybe) und seine Mannen und Burgmannen, die ihm ihre rechtliche Vertretung überlassen.

Wortlaut der Datierung

G. zu Wisebaden uf den fritag vor dem suntage nehest den man nennet Reminiscere 1355.

Nachweise

Ausstellungsort

Wiesbaden

Aussteller

Pfalz, Kurfürsten, Ruprecht I., der Rote

Empfänger

Mainz, Erzbischöfe, Gerlach von Nassau

Weitere Personen

Rüdt, Konrad, Burggraf in Starkenburg · Erligheim, Heinrich von, Vitztum in Heidelberg · Kronberg, Konrad Groschlag von · Kronberg, Ulrich von · Knebil, Werner, Burggraf in Stahleck · Scheczeln, Heinrich, Ritter · Nassau-Weilburg, Grafen, Gerlach I. · Nassau-Weilburg-Saarbrücken, Grafen, Johann I. · Nassau-Wiesbaden-Idstein, Grafen, Adolf I. · Köln, Erzbischöfe, Wilhelm von Gennep · Trier, Erzbischöfe, Boemund II. von Saarbrücken · Hessen, Landgrafen, Heinrich II. · Hessen, Landgrafen, Otto der Schütz · Meißen, Markgrafen, Friedrich III. der Strenge · Thüringen, Landgrafen, Balthasar · Ziegenhain, Grafen, Johann I. · Waldeck, Grafen, Otto II. · Sponheim-Kastellaun, Grafen, Walram · Hanau, Herren, Ulrich IV.

Weitere Orte

Mainz, Erzbischöfe, Pfalz, Kurfürsten · Bergstraße · Main · Odenwald · Starkenburg, Burggrafen · Heidelberg, Vitztume · Heppenheim · Weinheim · Kastel · Rheingau, Vitztume · Stahleck, Burggrafen · Rüdesheim · Bacharach (Lkr. Mainz-Bingen/Rheinland-Pfalz) · Thüringen · Bayern · Sachsen · Rom · Köln, Erzbischöfe · Trier, Erzbischöfe · Nassau, Grafen · Ziegenhain, Grafen · Meißen, Markgrafen · Waldeck, Grafen · Sponheim, Grafen · Hanau, Herren · Wetterau

Sachbegriffe

Erzbischöfe · Pfalzgrafen · Bündnisse · Bündnisse, Ausnahme von · Straßen, Sicherheit auf · Wasserstraßen · Straßen, Wasser- · Burgmannen · Streitigkeiten, Vermitteln in · Burggrafen · Vitztume · Amtsnachfolger · Ratleute · Schiedsrichter · Ritter · Brandschatzungen · Raubüberfälle · Amtleute · Hilfe, militärische · Gefangene · Beute, Aufteilen der · Habe, reisige · Grafen · Markgrafen

Textgrundlage

Stückangaben, Regest

Reg. Erzb. Mainz 2.1

Zitierweise
Landgrafen-Regesten online Nr. 13534 <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/lgr/id/13534> (Stand: 10.05.2021)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde