Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Regesten der Landgrafen von Hessen

1354 Januar 3

Eingreifen Karls IV. in den Mainzer Bistumsstreit

Regest-Nr. 1174

Überlieferung | Regest | Originaltext | Nachweise | Textgrundlage | Zitierweise
Überlieferung
Ausfertigung: Pergament Landeshauptarchiv Koblenz, Best. 3, Nr. 55.
Abschriften: Staatsarchiv Würzburg, Mainzer Ingrossaturbuch 4, fol. 83, daraus (15. Jahrhundert) 3 f. 65v.
Drucke: Gudenus, Codex diplomaticus 3, 365 (aus der Kopie, mit angedeuteten Auslassungen); Faksimile: Sybel, Kaiserurkunden 5, Tafel 7.
Regesten: Joannis, Rerum moguntiacarum 1. 669 Nr. 28; Scriba, Regesten Urkunden Hessen 3, 202, Nr. 3015; Weidenbach, Regesten Bingen, S. 29, Nr. 298; Schliephake, Geschichte von Nassau 4 4, S. 263 ff.; Regesta Imperii 8, Nr. 1711; Roth, Geschichtsquellen aus Nassau 1, 417, Nr. 44 (dazu 4, 78); Ferdinand, Falkenstein 20 f.; Codex diplomaticus Nassoicus 1, 278, Nr. 2688; Vigener, Falkenstein, S. 4 ff.; Regesten der Erzbischöfe von Mainz 2,1, Nr. 7, S. 3-5; Regesten der Erzbischöfe von Köln 6, Nr. 478; Urkundenregesten des Hofgerichts 6, S. 283-285 Nr. 466.
Regest
Mainz. - König Karl bekundet: Er ist wahrheitsgemäß davon unterrichtet worden (wanne wir in der worheit wol und kuntlich undirweisit sein), daß Heinrich von Virneburg, ehemals Erzbischof von Mainz, und das dortige Domkapitel den Mainzer Domkanoniker Kuno von Falkenstein und etliche andere Geistlicher und Laien zu Vormündern des Erzstifts gemacht und ihnen dessen Festen, Nutzungen und Güter überantwortet hatten. Die Burgmannen, Mannen, Bürger und Amtleute des Stifts hatten ihm Treue gelobt. Erzbischof Gerlach aber, den der päpstliche Stuhl mit dem Erzbistum providiert hatte, hatte nicht in die Gewere des Stifts kommen können. Darüber ist es zu schwerem Krieg gekommen, und der Schaden für Land und Leute müßte noch größer werden, wenn nicht der König mit seiner königlichen Gnade vorsorgen würde.
Deshalb hat er, um das Stift vor schwerem Schaden zu bewahren sowie dessen Städte und Festen aus der Hand der Vormünder zu bringen, die in der Vormundschaft große Kosten hatten und jetzt schadlos gehalten werden müssen, mit Rat der Kurfürsten (mit wolbedachtem mute, mit rechter wizzen und mit rate der (...)), der Erzbischöfe Balduin von Trier und Wilhelm von Köln sowie Pfalzgraf Ruprechts d.Ä., der Bischöfe Albrecht von Würzburg, Gerhard von Speyer und Johann von Straßburg, der Herzöge Rudolf von Österreich, Albrecht von Niederbayern, Heinrich von Sagan, Wladislaw von Teschen, der Grafen Wenzel von Luxemburg, Heinrich von Veldenz, Friedrich von Saarwerden, Johann von Katzenelnbogen, Emich von Leiningen, Siegfried von Wittgenstein, Ludwig von Oettingen, Ulrich von Helfenstein, des Deutschmeisters Wolfram von Nellenburg, des Johannitermeisters in Deutschland Herdegen (von Rechberg), des böhmischen Komturs Rudolf von Homburg, des Würzburger Dompropsts Heinrich, Ludmanns von Lichtenberg, des Lutz und des Gerlach von Hohenlohe, des Ulrich von Hanau, des Gottfried von Brauneck und anderer Getreuen zwischen Erzbischof Gerlach einerseits und Kuno von Falkenstein samt den anderen Vormündern andererseits die folgende Sühne errichtet (die nachgeschriben sune und berichtunge geteidinget und gemachet in allir der mazze, als hernach begriffen ist):
Der Erzbischof soll Kuno zur Entledigung der Vormundschaft 40000 Goldgulden Frankfurter Währung zahlen und zur Sicherheit die Burg Klopp, die Stadt Bingen, Burg und Zoll Ehrenfels, die Burgen Reichenstein, Fürsteneck und Heimburg mit allen Burgmannen und Dörfern von Bingen bis Niederheimbach, auf der anderen Rheinseite in angegebener Ausdehnung die Burgen Ehrenfels, Assmannshausen, Lorch und Lorchhausen mit allen Nutzungen verpfänden, wobei die Gülten und Nutzungen nicht von der Pfandsumme abgezogen werden sollen. Wenn Kuno ein Erzbistum erhält, sollen die Pfandschaften wieder zurückfallen. Gerlach kann die Pfandschaft jederzeit mit vierwöchiger Kündigungsfrist aufkündigen. Erzbischof Gerlach soll seine Burg Ehrenfels ganz und die Hälfte des ganzen Zolls daselbst samt allem Zubehör in der Mark oder im Burgfrieden dem Kuno für die Dienste, die er in der Vormundschaft dem Erzstift geleistet hatte, unter seinem und des Kapitels Siegel auf Lebzeit verschreiben. Wenn Kuno mit Förderung des Königs, des Erzbischofs oder anderer Freunde die Mainzer Propstei gewinnt und in Gewere kommt, oder wenn er ein Erzbistum oder Bistum erhält, so fällt diese Pfandschaft ebenfalls an das Erzstift zurück. Die Propstei zu St. Viktor in Mainz soll dem dortigen Propst Niklaus, dem sie der Papst gegeben hatte, bleiben; er soll auf alle Ansprüche gegen die, die ihn daran gehindert haben, besonders Kuno, urkundlich verzichten. Der Erzbischof soll dafür sorgen, daß Kuno und alle Personen auf Verlangen unverzüglich absolviert werden und alle Urteile, Strafen und Irregularitätserklärungen aufgehoben werden, denen Kuno und alle, die bei Heinrich von Virneburg und Kuno verblieben waren, wegen des Krieges seit der Providierung Gerlachs und auch wegen der Dompropstei verfallen sind. Kuno soll Wein, Frucht und Geschütze, die er in den dem Erzbischof auszuliefernden Schlössern und Dörfern von des Erzbistums wegen innehat, dem Erzbischof ausantworten, ebenso wie alle Urkunden, Register und Kopien, die den Erzbischof angehen. Dagegen behält Kuno die Fahrhabe in den versetzten Dörfern und Schlössern. Die Fahrhabe des Burggrafen von Starkenburg soll diesem bleiben, ebenso wie die des Kellers von Amöneburg. Kuno soll dafür sorgen, daß Infel, Stab, Paramente und Reliquien, die die Erzbischöfe bisher hatten, dem Erzbischof übergeben werden, soweit sie ohne Geld und Gewalt zu haben sind. Der Erzbischof soll Kuno in den Pfandgütern schützen wie andere Güter und Leute des Stifts. Die von Bingen, Heimbach, Lorch und Assmannshausen und den anderen Dörfern dort sollen dem Rheingau und der Rheingau ihnen in Not helfen, wie es herkömmlich ist. Der Erzbischof soll Land und Leuten, besonders dem Rheingau, die hergebrachten Rechte bestätigen; ebenso Kuno den Leuten seiner Pfandgüter. Der Erzbischof soll das Stift nicht eingliedern. Er soll dem von Falkenstein verbriefen, daß er alle Schulden, die für das Stift eingegangen worden sind, bezahlen will. Er soll dem (Konrad) von Kirkel geben, was diesem die Vormünder laut ihrer Briefe schulden. Gegen den Kuno, seine und Heinrich Anhänger soll keine Ansprüche mehr aus den Kriegsschäden erhoben werden. Der Erzbischof soll den Frieden mit dem Landgrafen von Hessen, die Sühne mit dem Markgrafen von Meißen und die mit der Stadt Mainz einhalten. Erhebt jemand von dem Kriege her Ansprüche an Kuno oder sein Gut, so soll der Erzbischof den Kuno verantworten. Die beiderseitigen Gefangenen sollen gegen Urfehdeleistung frei sein. Der Erzbischof und das Kapitel, Gerlach, der Vater, und Adolf und Johann, die Brüder des Erzbischofs, die Grafen von Nassau, sowie Kuno von Falkenstein sollen ihre Briefe über diese Sühne besiegeln und halten, wie sie es beiderseits vor dem König, vielen Fürsten, Grafen, Freien und Herren an diesem Tag auf dem Feld beim Kloster St. Alban vor Mainz beschworen haben. Wenn die Sühne besiegelt und beschworen und Kuno in seine Pfandschaft gesetzt ist, sollen er und seine Mitvormünder alle Festen, Schlösser, Land und Leute dem Erzbischof geben und, wenn nötig, den Amtleuten Gehorsam gegen den eRzbischof befehlen. Doch soll Kuno Faitzberg, das ihm schon früher zugeteilt war, zeitlebens behalten. Die Leute in den Pfandgütern Kunos sollen dem Erzbischof als ihrem rechten Herrn, dem Kuno in pfandsweise huldigen. Der Erzbischof, sein Vater Gerlach, seine Brüder Adolf und Johann für ihre Seite, Kuno für die seine verzeihen vor dem König und den obengenannten Herren alles, was zwischen beiden geschehen ist.
Siegelankündigung: Königliches Siegel.
Der gegebin ist zu Meincz von handen des erwirdigen Johansen bischofs zu Luthomu^eschil, unsirs kunglichis hoves canczler, von wegen des erwirdigen Gerlachs erczbischofs zu Meincz, des heiligin reichs erczcanzlers in Dutschin landen, 1354 des nechstin freytags nach dem Iarstag
Nachweise

Weitere Personen

Karl IV., Kaiser · Mainz, Erzbischöfe, Heinrich III. von Virneburg · Trier, Erzbischöfe, Kuno II. von Falkenstein · Mainz, Erzbischöfe, Gerlach von Nassau · Hessen, Landgrafen, Heinrich II. · Meißen, Markgrafen, Friedrich III. der Strenge · Trier, Erzbischöfe, Balduin von Luxemburg · Köln, Erzbischöfe, Wilhelm von Gennep · Pfalz, Kurfürsten, Ruprecht I., der Rote · Würzburg, Bischöfe, Albrecht II. von Hohenlohe · Speyer, Bischöfe, Gerhard von Ehrenberg · Straßburg, Bischöfe, Johann II. von Lichtenberg · Österreich, Herzöge, Rudolf IV. · Bayern-Straubing, Herzöge, Albrecht I. · Sagan, Heinrich von · Schlesien in Teschen, Herzöge, Wladislaw · Luxemburg, Grafen, Wenzel · Veldenz-Geroldseck, Grafen, Heinrich II. · Saarwerden, Grafen, Friedrich · Katzenelnbogen, Grafen, Johann II. · Leiningen, Grafen, Emich V. · Wittgenstein, Grafen, Siegfried II. · Öttingen, Grafen, Ludwig XI. · Helfenstein, Grafen, Ulrich V. der Ältere · Nellenburg, Wolfram von, Deutschmeister · Rechberg, Herdegen von, Johannitermeister in Deutschland · Homburg, Rudolf von, böhmischer Komtur · Würzburg, Dompröpste, Heinrich · Lichtenberg, Ludmann von · Hohenlohe, Grafen, Ludwig · Hohenlohe, Grafen, Gerlach · Hanau, Herren, Ulrich III. · Brauneck, Gottfried von

Weitere Orte

Mainz, Domkapitel · Mainz, Erzstift, Vormünder · Mainz, Erzstift, Burgen · Mainz, Stadt · Meißen, Markgrafen · Trier, Erzbischöfe · Köln, Erzbischöfe · Speyer, Bischöfe · Würzburg, Bischöfe · Österreich, Herzöge · Katzenelnbogen, Grafen · Frankfurt, Währung · Klopp, Burg · Bingen · Ehrenfels, Zoll · Ehrenfels, Burg · Reichenstein, Burg · Fürsteneck, Burg · Heimburg, Burg · Niederheimbach · Assmannshausen (Gem. Rüdesheim am Rhein) · Lorch · Lorchhausen · Rheingau

Sachbegriffe

Burgen · Kriege · Land und Leute · Kurfürsten · Sühne · Städte · Pfandschaften · Vormünder · Herzöge · Erzbischöfe · Urfehden · Stifte

Textgrundlage

Stückangaben, Regest

Reg. Erzb. Mainz

Zitierweise
Landgrafen-Regesten online Nr. 1174 <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/lgr/id/1174> (Stand: 22.09.2019)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde