Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Preungesheim

Stadtteil · 140 m über NN
Gemarkung Frankfurt-Preungesheim, Gemeinde Frankfurt am Main, Stadt Frankfurt am Main 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Burg; Dorf

Lagebezug:

5 km nordöstlich von Frankfurt am Main

Lage und Verkehrslage:

Siedlung mit Kern im Winkel von Gießener- und Homburger Landstraße. Ortskirche in zentraler Lage, Villenviertel und moderne Siedlungsentwicklung in Richtung Stadtzentrum von Frankfurt am Main.

Ersterwähnung:

772

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • 772: Bruningesheimer marca
  • (780-817).: villa
  • 1254: villa

Burgen und Befestigungen:

  • Im Norden des Stadtteils im Bereich der Straße "Hinterm Bachberg" Reste einer ehemaligen Niederungsburg.

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3478290, 5557420
UTM: 32 U 478224 5555637
WGS84: 50.15255225° N, 8.695182326° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

412000300

Frühere Ortskennziffer:

412000830

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 368, davon 297 Acker (= 80.71 %), 37 Wiesen (= 10.05 %), 0 Holzungen

Einwohnerstatistik:

  • 1643: 36 Haushaltungen
  • 1651: 27 Haushaltungen
  • 1742: 40 Haushaltungen
  • 1753: 47 Haushaltungen
  • 1788: 237 Seelen
  • 1812: 67 Feuerstellen, 434 Seelen
  • 1834: 515 Einwohner
  • 1840: 544
  • 1846: 613
  • 1852: 662
  • 1858: 734
  • 1864: 808
  • 1871: 919
  • 1875: 1005
  • 1885: 1255, davon 1048 evangelisch (= 83.51 %), 207 katholisch (= 16.49 %)
  • 1895: 1941
  • 1905: 2546
  • 1910: 2643
  • 1925: 2990
  • 1933: 3399
  • 1939: 4241
  • 1946: 3946
  • 1950: 4355
  • 1956: 5687
  • 1961: 7270
  • 1966: 9398
  • 1970: 9252
  • 1980: 7904

Diagramme:

Preungesheim: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 772: Niddagau (in pago Nitachgouue inBruningesheimer marca)
  • 1303: "Grafschaft" Bornheimer Berg (explizit belegt erst Mitte 15. Jh.)
  • 1736: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Grafschaft Hanau-Münzenberg, Amt Bornheimerberg
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Grafschaft Hanau-Münzenberg, Amt Bergen (Bornheimerberg)
  • 1803: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hanau, Amt Bergen
  • 1806/7-10: Kaiserreich Frankreich, Fürstentum Hanau, Amt Bergen (Militärverwaltung)
  • 1810-1813: Großherzogtum Frankfurt, Departement Hanau, Distrikt Bergen
  • 1816: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hanau, Amt Bergen
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Hanau, Kreis Hanau
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hanau
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Hanau, Landkreis Hanau
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hanau
  • 1886: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Frankfurt am Main a.M
  • 1910: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Stadtkreis Frankfurt am Main
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Frankfurt am Main
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Frankfurt am Main
  • 1952: Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreisfreie Stadt Frankfurt am Main
  • 1968: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Frankfurt am Main

Altkreis:

Frankfurt am Main, Stadt

Gericht:

  • 1394 wird das Gericht als hanauisch bezeichnet.
  • 1822: Justizamt Bergen
  • 1867: Amtsgericht Bergen-Enkheim
  • 1886: Amtsgericht Bockenheim
  • 1895: Amtsgericht Frankfurt am Main

Herrschaft:

Seit 1320 verpfändet, gelangte das Gericht Bornheimerberg, zu dem Preungesheim gehörte, 1434 als Reichlehen an die Grafen (bis 1429: Herren) von Hanau, die hier die Landesherrschaft aufbauten. Die dem Grafen von Hanau zustehende Landesherrschaft ging 1736 durch Erbschaft an Hessen-Kassel über.

Gemeindeentwicklung:

Am 1.4.1910 zum Stadtkreis Frankfurt am Main.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 772 machte ein Huswert eine Schenkung an das Kloster Lorsch, im Jahr darauf desgleichen ein Ruthart und 831 ein Hartger. Im 9. Jahrhundert sind Einzelschenkungen an das Kloster Fulda überliefert. Nach 1120 ist ein Hof des Mainzer Altmünsterklosters in Preungesheim nachgewiesen, der vier Schilling Abgaben leistet.
  • 1222 schenkt Elisabeth, Witwe von Johann und Conrad, den Deutschordensbrüdern zu Sachsenhausen u.a. in Preungesheim vier Hufen, einen Hof und fünf Tagwerk Weinberge. 1275 besaß Werner von Falkenstein die Pfarrkirche zu Preungesheim und den dortigen Zehnten als Reichlehen, die er dem Deutschen Orden gegen die Kapelle in Rödelheim und den Neurodzehnt in Nieder-Wöllstadt tauschte. Die Kommende hatte umfangreichen Besitz in Preungesheim, den sie in der Folge konsequent zu erweitern versuchte.
  • 1254 verpfändet Ulrich von Münzenberg seinem Getreuen, dem Frankfurter Schultheisse Wolfram, seinen Hof in Preungesheim nebst zwei dazu gehörigen Mansen für 20 Mark. 1267 übergeben Winther von Reifenberg und seine Frau Gertrud vor den Schöffen zu Frankfurt dem Kloster Haina alle ihre Güter in Preungesheim und Eschersheim.
  • 1267 übergeben Winther von Reifenberg und seine Frau Gertrud vor den Schöffen von Frankfurt dem Kloster Haina alle ihre Güter in Preungesheim und Eschersheim dem Kloster Haina.
  • 1275 ist ein Hof des St. Bartholomäusstiftes Frankfurt mit 34 Morgen Land belegt.

Zehntverhältnisse:

1275 besaß Werner von Falkenstein die Pfarrkirche zu Preungesheim und den dortigen Zehnten als Reichlehen, die er dem Deutschen Orden gegen die Kapelle in Rödelheim und den Neurodzehnt in Nieder-Wöllstadt tauschte.

Das St. Bartholomäusstift in Frankfurt empfing hier 1275 den Zehnten von 64 Morgen.

1315 stellt das Bartholomäusstift zu Frankfurt wegen eines Streits zwischen Philipp d.Ä. von Falkenstein und dem Deutschen Orden die Zehntzugehörigkeit von Äckern in der Gemarkung Preungesheim und Eckenheim fest.

Ortsadel:

1194: Anselm und Berthold von Preungesheim

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Um 1215 Pfarrei
  • 1275: capelle, ecclesie
  • Pfarrkirche mit romanischem Chorturm. Umbauten 1716, 1744 und 1754
  • Seit 1963 existiert zudem die für die südlich gelegenen Siedlungen die Festeburggemeinde, die 1969 ein eigenes Kirchengebäude einweihen konnte.
  • 1959: Gründung der katholischen St. Christophorusgemeinde, denen Kirche 1962 eingeweiht werden konnte.

Patrozinien:

  • Gallus; Heilig Kreuz (1951)

Pfarrzugehörigkeit:

Zum Kirchspiel gehörten Berkersheim und Eckenheim.

Patronat:

Das Patronatsrecht war ursprünglich in Reichsbesitz, wurde als Lehen an die Herren von Falkenstein ausgetan und 1275 an die Deutschordenskommende gegen ein anderes Patronat eingetauscht. Die Kommende war seitdem Patronatsherr.

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Heinrich Simon gen. Fauerbach 1540-1550

Reformierter Bekenntniswechsel

Vor 1835 unierte Pfarrei.

Kirchliche Mittelbehörden:

Archidiakonat des Propstes von St. Peter in Mainz, Dekanat Eschborn

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Preungesheim ist überregional bekannt durch die Justizvollzugsanstalten Frankfurt I, III und IV. Der erste Bau einer Strafanstalt erfolgte bereits in den Jahren 1882 - 1887. Das Zuchthaus Preungesheim diente von 1933-1945 als Hinrichtungsstätte für politische Oppositionelle und während des Krieges zusätzlich für Partisanen. Hier ließ man eine Gedenkstätte mit Namentafeln und einem Mahnspruch von Ricarda Huch errichten.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Preungesheim, Stadt Frankfurt am Main“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/11732> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde