Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Eschersheim

Stadtteil
Gemarkung Frankfurt-Eschersheim, Gemeinde Frankfurt am Main, Stadt Frankfurt am Main 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf; Mühle

Lagebezug:

5 km nordwestlich von Frankfurt am Main

Lage und Verkehrslage:

Siedlung südöstlich der Nidda. Ältere Kirche mit Ortskern im Nordwesten an der Nidda, moderne Siedlungsentwicklung nach Südosten Richtung Frankfurt.

Bahnhof von 1877 - 1913 der Eisenbahnlinie Kassel – Frankfurt am Main ("Main-Weser-Bahn") (Inbetriebnahme der Strecke 10.5.1850), heute nur noch S-Bahn-Haltestelle.

Ersterwähnung:

1000

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • villa (1278)

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3475806, 5557969
UTM: 32 U 475741 5556186
WGS84: 50.15739154° N, 8.660391408° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

412000280

Frühere Ortskennziffer:

412000828

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 356, davon 269 Acker (= 75.56 %), 59 Wiesen (= 16.57 %), 0,2 Holzungen (= 0.00 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1632: 34 Haushaltungen
  • 1753: 34 Haushaltungen mit 179 Personen
  • 1812: 54 Feuerstellen, 349 Seelen
  • 1834: 458
  • 1840: 525
  • 1846: 578
  • 1852: 626
  • 1858: 649
  • 1864: 690
  • 1871: 794
  • 1875: 950
  • 1885: 989, davon 801 evangelisch (= 80.99 %), 180 katholisch (= 18.20 %), 0 Juden, 8 andere (= 0.81 %)
  • 1895: 1433
  • 1905: 2843

Diagramme:

Eschersheim: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1303: "Grafschaft" Bornheimer Berg (explizit belegt erst Mitte 15. Jh.)
  • 1736: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Grafschaft Hanau-Münzenberg, Amt Bornheimerberg
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Grafschaft Hanau-Münzenberg, Amt Bergen (Bornheimerberg)
  • 1803: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hanau, Amt Bergen
  • 1806/7-10: Kaiserreich Frankreich, Fürstentum Hanau, Amt Bergen (Militärverwaltung)
  • 1810-1813: Großherzogtum Frankfurt, Departement Hanau, Distrikt Bergen
  • 1816: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hanau, Amt Bergen
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Hanau, Kreis Hanau
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hanau
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Hanau, Landkreis Hanau
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hanau
  • 1886: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Frankfurt am Main
  • 1910: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Stadtkreis Frankfurt am Main
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Frankfurt am Main
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Frankfurt am Main
  • 1952: Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreisfreie Stadt Frankfurt am Main
  • 1968: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Frankfurt am Main

Altkreis:

Frankfurt am Main, Stadt

Gericht:

  • 1303: Reichsgericht Bornheimerberg
  • Nachweislich 1503 wurde im Dorf Eschersheim ein fuldisches Hof- oder Hubengericht, das sog. Cremser Gericht, gehegt (zum Umfang s. Mittelpunktfunktionen)
  • 1822: Justizamt Bergen
  • 1832: Justizamt Bockenheim
  • 1879: Amtsgericht Bockenheim
  • 1895: Amtsgericht Frankfurt am Main

Gemeindeentwicklung:

Am 1.4.1910 Eingliederung in den Stadtkreis Frankfurt am Main.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Um 1000 ist das Kloster Seligenstadt im Besitz von Einkünften aus Eschersheim. 1253 überlässt das Kloster dem Kloster Haina Güter zu Eschersheim samt dem Zehnten. 1292 befreite Abt Godefridus den Hof, der zum Abtsvermögen gehörte von allen an den Konvent zu zahlenden Zinsen. Die Vogtei des Klosters in Eschersheim-Ginheim befan sich im Besitz der Herren von Eppstein, Königstein, Münzenberg und Falkenstein.
  • 1267 übergeben Winther von Reifenberg und seine Frau Gertrud vor den Schöffen von Frankfurt dem Kloster Haina alle ihre Güter in Preungesheim und Eschersheim dem Kloster Haina. 1278 verkauft das Kloster Haina all seine dortigen Güter an das Kloster Arnsburg.
  • 1309 nehmen die Herren von Falkenstein von den Leuten in Eschersheim statt der Dienste künftig eine jährliche Geldzahlung. 1421 fallen Streurechte aus den falkensteinischen Besitzugen in Eschersheim an das Haus Eppstein.
  • 1467 setzte der Verkauf der Besitzungen des Klosters Seligenstadt in Eschersheim und Ginnheim an die Grafen von Hanau ein. 1476 veräußerte Abt Reinhard seine Rechte und Güter, wobei die Vogtei ausgenommen sein sollte und weiterhin Junker Philipp von Eppstein als Lehen zufallen sollte.
Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1275: Vicepleban
  • 1752-54: Emmauskirche
  • 1914: Josephskirche (kath.)

Patrozinien:

  • Petrus (1530)

Pfarrzugehörigkeit:

Filial war Ginnheim.

Patronat:

Das Patronatsrecht hat 1467 das Kloster Seligenstadt inne.

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Andreas Kappus ca. 1548

Reformierter Bekenntniswechsel

Neben der reformierten Gemeinde bestand eine lutherische.

Seit 1818 unierte Pfarrei.

Kirchliche Mittelbehörden:

Archidiakonat des Propstes von St. Peter in Mainz, Dekanat Eschborn

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Das fuldische Hofgericht ("Cremser Gericht") hatte seinen Schwerpunkt in Eschersheim und umfasste die Orte Ginnheim, Bonames, Ober-Erlenbach und (zeitweise?) Eckenheim.

Mühlen:

Um 1340 wird im Weistum eine Mühle erwähnt, die die Abtei Seligenstadt besaß.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Eschersheim, Stadt Frankfurt am Main“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/11719> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde