Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Regesten der Landgrafen von Hessen

1393 Februar 7

Landfriedensbündnis zwischen Mainz, Hessen, Paderborn, Braunschweig, Thüringen

Regest-Nr. 11415

Überlieferung | Regest | Originaltext | Nachweise | Textgrundlage | Zitierweise
Überlieferung
Ausfertigung: A: Hauptstaatsarchiv Dresden, Nr. 4817;
B: Staatsarchiv Marburg, Verträge mit Mainz;
C: Staatsarchiv Marburg, Urk. 1, Nr. 3989 ⟨Altsignatur: Staatsarchiv Marburg, Samtarchiv, Schublade 63, Nr. 13 VCC⟩;
D: Hauptstaatsarchiv Hannover, Cal. Or. Anh. Des. 3 Schr. VIII Cap. 8 no. 13.
Stückbeschreibung: Alle Pergament.
Siegel: A und B: die 5 Siegel an Pergamentstreifen; C: von den 5 Siegeln an Pergamentstreifen fehlt das Ottos von Braunschweig; D: die Siegel an Pergamentstreifen abgefallen.
Abschriften: Stadtarchiv Frankfurt, Copialbuch 13, fol. 17, gleichzeitig; Staatsarchiv Münster, Depos. der Stadt Minden Nr. 170, gleichzeitig (niederdeutsch).
Drucke: v. Ledebur, Leopold, in: Allgem. Archiv für die Geschichtskunde des Preußischen Staates 6, 1831, S. 323; Urkundenbuch der Herzöge von Braunschweig 7, S. 144-148 Nr. 126; Urkunden der Markgrafen von Meissen Abt. B 1, S. 350-355 Nr. 470.
Regesten: Urkundenbuch der Herzöge von Braunschweig 7, S. 144-145 Nr. 126; Urkunden der Markgrafen von Meissen Abt. B 1, S. 350 Nr. 470; Demandt, Quellen Fritzlar, S. 481 f. Nr. 337.
Regest
Erzbischof Konrad von Mainz, Ruprecht von dem Berg erwählter Bischof von Paderborn, Landgraf Balthasar [von Thüringen], Herzog Otto von Braunschweig und Landgraf Hermann II. von Hessen schließen ein Landfriedensbündnis auf 12 Jahre.

Wortlaut der Datierung

der gegebin ist nach Cristi geburte driczen hundert und in dem dry unde nunczigesten iare des fritages nach sante Dorothee tage der heilgen iungfrouwen.

Originaltext
Wir von gotis gnaden Conrad dez heiligen stules czu Mencz erczbyschoff dez heilgen Romischen riches erczcanczler in Duczschen landen, Ruprecht von dem Berge erweltir bischoff czu Padelborne, Balthazar lantgrave czu Duringen und marcgrave czu Mißen, Otte herczoge czu Brunswig herczogen Ernstes son seligen unde Herman lantgrave czu Hessen bekennen uffentlichen vor uns, unsir nachkumen unde erbin in desim brife vor allen den, die yn sehen, horen adir lesen, daz wir umbe woltad und ehaftige nod, dem heilgen Romschen riche czu eren unde ouch umbe nuczis willen unsir allir lande unde lute, unsir manne, burgmanne und undirsazzen eintrechtiglichen ubirkumen und czu rate wurden sint eynes lantfrides in der mazze, als hirnach geschriben. (1) Also daz nach datum diz brifes alle kirchen und kirchove, die gewihit sint und da man messe phligit czu haldene, unde waz doruf und inne ist, sichir sin sulle an geverde, uzgenomen reysige habe, (2) Ouch sullen alle Phaffen und geistliche lute, die sich phefflichen und geistlichen halden, und alle pilgerimen, die yres pherreris vorsigilten brif haben, yres libes und gutis felig und sichir sin uf der strazzen an geverde. Ouch sullen alle clostere mit allen guten, dy dorynne sint und doruz und doryn gehen, die yr eygen sint, an geverde velig sin. (3) Vortmer so sal der phlug und die eeyden mit den pherden adeir ochsin und mit zcwen luten czu igzlichem phluge und zcwen luten zcu den eyden felig sin, dy will sie den ackir buwen und erbeiten, und uff dem wege dorczu und dorvon ane argelist. (4) Ouch sullen alle kouflute, yr lib und gud sichir sin und wandirn uf der strazze, daz rechte koufloute sin, die ubir land wandern und yres herren besigilte brive haben adir des herren amptmannes, undir dem sie gesezzin sint, und iren czol und geleite gebin. (5) Wer ouch mit dem andern gutlichen gelebit hat, der ensal nicht zcu ym griffen nach keinen schaden tun, er enwerde denne vor sin vigind mit sime uffen brife von eyner sunne czu der andern, also daz eyn tag und eyn nacht vor vorgangen sie, an geverde. (6) were ouch sache, daz uns ymans von fursten, graven, herren, rittern, knechten und steten, die by uns und umbe uns gesezzen sint, ducht nucz und gud sin, den adir dy muchten wir semptlichen adir unsir igzlichir besundern czu uns nehmen und lazzen sie disen friden ouch in truwen globen und zcu den heilgen sweren in alle der mazze czu haldene, als disir brif inheldit und begriffen had. (7) Were abir, daz eyn furste, der von uns vorgnanten fursten allen adir unsir eyme ingenomen wurde, der sulde dez sinen uffen besigilten brif gebin, darynne er disen fride czu haldene globete und swure czu den heilgen, unde wanne daz geschen were, so solden wir zcu ym und he zcu uns vorbunden sin und diz frides gebruchen nach inhald dises brifes, und wilchir unsir den also ingnomen hette, der solde daz unsir vorgnanten fursten lantrichtern allen wizzintlich tun. (8) Doch so sal unser keyner dez andern slozze adir stete in desin lantfride nehmen. (9) Were abir sache, daz ymand so ubil tete, der disen fride mit vorsaczce vorbreche, dem adir den sal man von stund mit der tad in dez richs und dez landes, da daz geschen ist, achtfeme tun und ouch rechtloz und von allem rechten ubirwunnen syn heimelichen und uffentlichen, und den mag man frydelich sin, und dem adir den, die den angriffen wolden, sal allirmenniglich helfen, der daby ist adir dorczu geheischen wird, by dez richs adir dez kunigs banne. (10) Hette der ouch lehen adir gud von herren adir von ymande, daz sal vorfallen sin an syne erbin adir uffe die, an die ez von rechte vallen sal. (11) were ouch, daz den adir dy ymand mit vorsaczce husete, hovete adir keynerleyge furdernisse tede, der adir die sullen ouch in allen rechten ubirwunnen sin als der handtetig man. (12) Ouch sal nymand eygen ryte nach rouberige haben, dy zcu dem wopin nicht geborn syn; tete ez ymand dorubir, der sulde vorwunen sin in allen rechten heymelichen und uffenbar. (13) Wer ez ouch, daz wir fursten, graven adir herren uzczogen adir zcu veilde lygen und daz von uns adir den unsern disir fride vorbrochen wurde mit vorsaczce, wer daz tede, der mit uns were, muchte man den gehaben, dem sulde man sin recht tun. Wanne wir abir von dem czoge widir heim quemen, so sulden wir bynnen dem nesten manden daz richten und widirtun mit fruntschaft adir mit rechte, uzgenomen hals und hand. (14) Wer ez ouch, daz disen fride andirs ymand vorbreche ane vorsacz, daz er war machen wolde uff den heilgen, daz er daz an vorsacz und an geverde getan hette, der sal daz widirtun mit fruntschaft adir mit rechte, alse vor geschriben sted, wanne er dorumb angesprochen adir gemand wirt, bynnen den nesten virczen tagen, dy nest volgen der ansprache, ane vorczog; tede er dez nicht, waz danne der cleger mit czwen unberuchtigedin bydirven mannen mit den heilgen behilden, daz solde ym der handtetiger widirgebin und geilden. (15) Wer ez ouch, daz ymand geschuldigit wurde umbe daz, daz er disen fride solde vorbrochen haben, und sin unschuld dorvor bute adir sich dez entschuldigen wolde, der solde czwene unvorlegetir bydirver manne, die den fride gesworn haben, zcu ym nehmen, dy mit ym czu den heilgen sweren sulden, daz er der tad unschuldig were. (16) Were ouch, daz eyn stad, rad und gemeynde geladen wurden, dy solde der burgermeistir mit zcwen unvorlegeten bydirven mannen zu dem rate derselben stad, dy disen fride gesworn hetten, vorantwurten in derselbin wise mit yren eyden. (17) Wurden ouch eyn burger adir mer besundern zu eyner stad geladen, der adir die sulden zcwene unvorlegetir bydirver manne der stad, da sie inne gesezzen weren yrer miteburger, zcu yn nehmen, dy ouch disen fride gesworn hetten, dmaite sie sich mit yren eyden entschuldigen solden, als vor geschriben sted. Teten sy dez nicht, were denne der cleger eyn gud man adir eyn reisinger, der sulde zcu yn haben czwene manne; were ez abir eyn rad und gemeynde eyner stad, so solde der burgermeister mit zcwen erbern mannen uz dem rate, were ez abir eyner adir mer burgere uz eyner stad, der ader die sulden igzlichir zcwene erber manne syner miteburgere uz der stad, da her inne gesezzen were, zcu ym haben, die alle unvorlegete lute sin sullen, und waz ir igzlichir selbdritte behilde, alse vor sted geschriben, daz solde ym der handtetiger geilden und beczalen bynnen virczen tagen darnach. Und wilche so geladen wurden, die yr unschuld tun wolden, waz kuntschaft die mit yn furten dorczu bedorften ane geverde, die sulden zu und heim velig sin dry tage vor unde dry tage nach, sy wurden erwunnen adir nicht, und dieselbin sullen ouch velicheit widirumbe haldin ane argelist. (18) Ouch sal unsir igzlicher eynen richter ubir disen fride in sime lande haben, der ensal ouch andirs nicht richten, denne als disir brif uzwisit, und sal daz der richter ouch globin und sweren zcu haldene; gesche ez dorubir, so sal daz keime macht haben. 819) Geburte sichs ouch, daz man ymandes laden wolde, den solde man an daz neste lantgerichte laden, da die geschichte geschen weren, und andirs nergen; wurde abir eyner uff zcwey ende geladen zcu eyner czit, der adir dy sulden nicht antwerten denne an dem eynde, da sie erst hin geheischet und geladen wurden und die yn nest gelegen weren, als vore ist gerurt. (20) Were ez ouch, daz unsir vorgenanten fursten, die iczund in desim lantfride sin adir nach dorin kumen, eyner adir mer geladen wurden, der adir die mugen eynen yrre manne adir amptmanne, der eyn bydirver man und zcu den wopin geborn sie, an sine stad sendin, der volmechtig sie vor yn czu antwurtene und czu tuhene, als hyvor geschriben sted. (21) Ouch endarf der egenante richter nymandes richten, er enhabe disen fride in truwen globit und czu den heilgen gesworn zcu halden in der mazze, als wir die vorgnanten fursten daz getan haben, ehe der cziit, daz die geschichte geschen sie, da er den andern umbe beclagin will adir beclagen wirdit, uzgescheidin phaffen und geistliche lute, koufmanne, kouflute und pilgerime zu dez riches adir zu andirre herren landen, die undir uns nicht siczcen, die sullen dises frides gebruchen und sichir sin uff unsern strazzen, als disir brif uzwisit. (22) Were ouch ymand, der disis frides gebruchen wolde, der sal daz bewisen mit dem richtere ader mit dem amptmanne, da er undir gesezzen ist, adir mit dem burgermeister in der stad, da er ynne gesezzen ist, daz er disin fride in truwen globit und zcu den heilgen gesworn habe czu haldene ehe der cziit, daz die geschicht geschen ist, da man yn umbe richten sal. (23) Ouch wen man von disis frides und gerichtes wegen vorboten will, dem sal man die sache virczen tage vore vorkundigen, da man yn umbe vorbotit, unde sal ouch der und der cleger und wer mit yn ritit, der sie dorczu bedorfen, an geverede velig sin uff der stete, da sie hin werden vorbotit und widir von der stete dry tage vor und dry tage nach vor allen den, die in desim fride begriffen sin, er wurde erwunnen adir nicht. (24) Vortmer were ez, daz ymand vorwunnen wurde vor der vorgenanten unser richtere eyme, daz sal der, vor dem daz geschen ist, unvorczogelichen czu wizzen tun den andern unsern vorgenanten herren lantrichteren allen, die in desim fride gesezzen weren, und wir sulden getruwelichen ane vorczog dorczu tun unde dem fridebrecher volgen noch uzwisunge diz brifes. (25) Were ez ouch, daz uns vorgenanten herren nod were unsir frunde czusampne czu schickene von sachen wegen, die disen lantfride antreffen, wilchem undir uns herren dez nod were, dez lantrichter sulde unsir egenanten herren lantrichtere alle vorboten, daz sie gein Hovegeysmar in die stad kumen und da zcu ubirkumene, waz daz beste sie in den sachen zu tuhene, unde sal daz derselbe lantrichter den andern lantrichtern allen und ir igzlichem besundern vorkundigen dry wochen vore und sullen alle lantrichtere mit den yren und ouch mit den, der sie dorczu bedorfen, in den und ouch in alle nandern sachen, die disen lantfride antreffen, zu und heim velig sin, man orloyge ader nicht, an geverde. (26) were ez ouch, daz ymand vorwunnen wurde, der eygene sloz hette in unsern landen adir sloz gewettit hette dorynne ader darby adir wer den hovete oder husete, so solden wir, wilch unsir den andern dorczu heischet, unsir igzlicher eynen synen frund senden, die zcusampne riten zcu ubirkumen, waz daz beste were, daz man darkegen tun solde. Wurden abir die, die wir also zcu houffe senten nicht eintrechtig, wor denne der meiste teil undir yn hin bested, dem solden wir getruwlichen volgen. Were abir, daz sich die, die wir also senten, zcweigeten, daz ir glich vil were, die solden uff iren eyt eynen kysen; wo der hin vile, daby suld ez bliben. (27) Were ouch, daz ymand vorwunnen wurde, der der herren sloz in phandeswise inne hette, und gewunnen wir daz sloz, so solden wir dem, der daz inne gehat hette, sin geild angewunnen haben und dem herren syne erbeschaft nicht. (28) Ouch haben wir Conrad erczbyschoff vorgenant besprochen in desem fride den erwirtigin herren Friderich erczbyschof zcu Kolne, ab er dorynne sin wolde, daz er uns synen vorsigelten brif solde gebin, darynne er sich ouch vorschriben sulde gein uns fursten und uns ouch globen und sweren dysen fride czu haldene, unde er sulde denne uns fursten vorgenant, die in desim fride sint adir dy ernach doryn quemen, und wir yn widirmbe vorbunden sin mit desim fride, unde solden ouch der obgenante erczbyschoff von Kolne gancze macht haben alse wir nach inhaldunge dises brifes an geverde. (29) Disir lantfride und fride, als vor geschriben sted, sal angehen uff datum diz brifes unde vord weren und stehen zcwelf gancze iar, dy allirnest nach eynandir volgende sin. (30) Alle artickele und puncte disez brifes unde yr igzlichen besundern, als dy der allirdurchluchtigestir furste her Karl Romschir keysir seligir den herren unde dem lande zcu Westphalen vor cziten gegebin hatte, han wir egenante fursten unsir eyner dem andern liplichen mit ufgerecketen vingern czu den heilgen gesworn czu haldene. Waz abir artickele gelengit, gekorczit, vorandirt adir von nuwens zcugesaczt sin in desim brife, dy in dez egenanten unsers herren dez keysers seigen brife, dy er den herren und dem lande czu Westphalen vor cziten gegebin hatte, nicht stunden, sulche artikele haben wir obegenante fursten unsir eynen dem andern in guten truwen globit stete, veste und unvorbruchlich zcu haldene ane alle geverde unde ane argelist. Dez zcu orkunde hat unsir igzlicher syn eygen insigel wizzentlichen an disin brif lazzen hengen, der gegebin ist nach Cristi geburte driczen hundert und in dem dry unde nunczigesten iare des fritages nach sante Dorothee tage der heilgen iungfrouwen.

Sprache des Originaltextes

deutsch

Nachweise

Aussteller

Mainz, Erzbischöfe, Konrad II. von Weinsberg · Paderborn, Fürstbischöfe, Ruprecht von Berg · Thüringen, Landgrafen, Balthasar · Braunschweig-Göttingen, Herzöge, Otto der Quade · Hessen, Landgrafen, Hermann II.

Empfänger

Mainz, Erzbischöfe, Konrad II. von Weinsberg · Paderborn, Fürstbischöfe, Ruprecht von Berg · Thüringen, Landgrafen, Balthasar · Bra

Siegler

Mainz, Erzbischöfe, Konrad II. von Weinsberg · Paderborn, Fürstbischöfe, Ruprecht von Berg · Thüringen, Landgrafen, Balthasar · Braunschweig-Göttingen, Herzöge, Otto der Quade · Hessen, Landgrafen, Hermann II.

Weitere Personen

Braunschweig-Göttingen, Herzöge, Ernst I. · Karl IV., Kaiser · Köln, Erzbischöfe, Friedrich III. von Saarwerden

Weitere Orte

Mainz, Erzbischöfe · Paderborn, Bischöfe · Thüringen, Landgrafen · Meißen, Markgrafen · Braunschweig, Herzöge · Hofgeismar

Sachbegriffe

Erzbischöfe · Bischöfe · Fürstbischöfe · Markgrafen · Herzöge · Landfriedensbündnisse · Bündnisse, zeitlich befristete · Straßen, Sicherheit auf · Bauern, Sicherheit für · Pflüge · Pfluggespanne · Ochsen · Pferde · Kaufleute · Beglaubigungsschreiben · Amtleute · Ritter · Landrichter · Gerichte, Zuständigkeit von

Textgrundlage

Stückangaben, Regest

UB Markgrafen von Meißen 1

Original

UB Markgrafen von Meißen 1

Zitierweise
Landgrafen-Regesten online Nr. 11415 <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/lgr/id/11415> (Stand: 03.08.2020)
 
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