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Regesten der Landgrafen von Hessen

1410 September 30

Landgraf Hermann schlichtet zwischen den Karmelitern und der Stadt Kassel

Regest-Nr. 11335

Überlieferung | Regest | Originaltext | Nachweise | Textgrundlage | Zitierweise
Überlieferung
Ausfertigung: Stadtarchiv Kassel. Siegel 1 und 3 ab, Siegel 2 an Pergamentstreifen anhängend.
Drucke: Schultze, Klöster Stifter und Hospitäler, S. 629-631 Nr. 20.
Regesten: Schultze, Klöster Stifter und Hospitäler, S. 255 f. Nr. 658; Brunner, Urkunden des Stadtarchivs zu Cassel.
Regest
Hermann, Landgraf zu Hessen, vergleicht, von beiden Seiten angerufen, den Prior und Konvent des Karmeliterordens in Kassel (Cassil) einerseits und Bürgermeister, Rat, Handwerksmeister und Gemeinde zu Kassel andererseits: 1. Nachdem + Landgraf Heinrich, sein Vetter, das Haus und die Hofstatt + Kirchbergirs an der Ecke neben Heintz Tusenbachs Haus und darnach derselbe Landgraf Heinrich und sein Sohn Landgraf Otto das sogenannte Mokeshus, das die genannten Landgrafen gekauft hatten, dem genannten Konvente zum Seelgeräte gegeben und gefreit haben gemäß den Briefen, die die Brüder darüber besitzen, und nachdem darauf Rudolf von Bettenhausen, Bruder desselben Konventes, dem Kloster sein Haus beim Mokeshuse an dem orte uff eine syten, da man die cleyne gassen ingehit zu den brudern vor der prediger huse hene, und dem huse, daz itzund inne hat Heinrich Egkestein, begeyned uff die andern sieten zu einem ewigen Testamente vermacht hat und Landgraf Hermann dies Haus samt Hofstatt mit Willen der Stadt den Brüdern zu seinem Seelenheil gefreit hat (nachdem es den Brüdern auf ihr Erfordern von ihm und seinem Rate zugesprochen worden ist), bestimmt er nun, daß die Brüder die vorgenannten Häuser und Hofreiten und die dabei liegenden Kammern ohne Widerspruch von Seiten der Stadt Kassel ganz abbrechen und die Hofstätten zu einem Kirchhofe des Klosters herrichten und mit einer Mauer von eyme orte bis an den andern umfrieden dürfen, unter der Bedingung, daß sie inwendig oder auswendig darin nicht bauen, und es ein slecht fry kirchob bleibt. - 2. Bestimmt er, um für später Streit zu verhüten: Falls fortan den Brüdern ein Haus, Hof oder Erbe vermacht würde, das der Stadt Kassel geschoßpflichtig sei, so sollen die Brüder solches Gut innerhalb Jahresfrist verkaufen, andernfalls der Rat zu Kassel die Gift an sich nehmen oder verkaufen darf um eyn mugelich gelt, daz irer beider frunde mugelich duchte, so daß es im Geschosse bleibt, während der Prior und Konvent das Geld erhalten. - 3. Der Prior und Konvent sollen keinen Bruder aus der Stadt Kassel in den Orden aufnehmen ohne seiner Eltern willen, auch keine Personen, Frau oder Mann, aus Kassel zu bysessen ohne Wissen der Stadt bei sich aufnehmen.
Siegler: 1. der Landgraf zu Urkunde seiner Satzung und Entscheidung als uns die auch zugehorit nach urkunden und brieven der egen. unser stat Cassil, die wir von yn han, wie ader waz wir setzen ader entsetzen, daz sie daz halten und tun wullen, 2. Prior und Konvent mit dem Konventssiegel, 3. Bürgermeister, Schöffen und Rat mit dem Stadtsiegel.
Gegeben 1410, uff den nehsten dinstag nach St. Michels tage des h. ertzengils.
Originaltext
Wir Herman, von gots gnaden lantgrave zu Hessen, bekennen vor uns, unser erben und nachkomen der herschaft zu Hessen und tun kund uffinbar in und mit craft diess briefs alle nden, die diesen brief sehin ader horen lesen, in der sachen und zcweitracht zuschen den erbarn geistlichen prior und ganczen convent ordens unser lieben frauwen brudere von dem berge Carmeli, gelegen in unser stad zu Cassil, unsern lieben andechtigen uff ein syten und den ersamen burgermeister, rate, hantwergkismeistern und gantzer gemeynde daselbs zu Cassil, unserm lieben getruwen uff die andern syten, als sie der von beiden sieten mit guten willen zu uns gegangen und an uns gestalt han, wie wir sie darinn setzen ader machen, nach dem uns daz auch zugehorit, daz sie daz also halten, folgen und macht haben sulle. Und also han wir angesehin gotisforchte und betrachtet eyntracht, nutz, notfurfft und besserung aller unser aldern sele und aller der ienen, die ire almusen und testament darczu gegeben und vergifftiget han, als daz auch testament und selegeredde rured, und han si darinn gesatzit und betrachtet umbe zukunfftiges schadens willen nach rate unser getruwen und frunde in der maszen, als hernach geschriben sted. Zcum ersten. Als der erluchte hoichgeborn furste lantgrave Heinrich unser lieber fetter seliger daz hus und hobestete Kirchbergirs seligen, gelegen an der ecken beneben Heintzen Tusenbachs huse, und darnach derselbe unser lieber fetter seliger und lantgrave Otte, sin son, daz hus genand Mokesshus, daz dieselben unser festtern gekoufft han, den egenanten brudern und convent zu selegeredde gegeben han und yn die gefrihet und vergifftiget zu eyme rechten ewigen testament, alz daz dann ire brieve, die dy egenanten brudere daruber han, eigentlich unszwiesen, und als nu Rudolff von Bettenhusen, ire mitdebruder des egenanten ordens, den egenanten herren vergifftiget und zu eyme ewigen testament bescheiden hat sin hus gelegen aller nehst Mokeszhuse an dem orte uff eine syten, da man die cleyne gaszen ingehit zu den brudern vor der prediger huse hene und dem huse, daz iczund inne hat Heinrich Egkestein, begeynet uff die andern sieten, dasselbe hus und hobestete mit dem grunde wir lantgrave Herman vorgenant den egenaten brudern mit wissen und willen der egenanten unser stat und radis umbe gotis und trostunge willen unser und erben sele gefrihet han. Nach dem sie auch solich vorgenant hus vor uns und unsern rate erfordert han und yn von uns und unserm rate zugesprochen ist, han wir gesatzit, daz die egenanten brudere und convent alle dy vorgenannten huse und hobereide, als die gelegen und genand sin, und darczu die cammern, die daby und bynnen legen, gentzlich abebrechen sollen und mugen ane verdacht, hindernisz ader intrag der egenannten rats und stat zu Cassil, und sich alsdann der hobestete der vorgenanten huse und grundes gebruchen und zu eyme kirchobe machen ihres closters und mit eyner muren befridden von eyme orte bis an den andern nach aller ihres und des gotiszhuse nutz, notdurfft und bequemelichkeit, doch also, daz sie innewendig ader uszwendig darinne nicht buwen sundern eyn slecht fry kirchob blieben sal, als wir yn daz auch vor uns, alle unser erben und nachkomen und vor die egenanten unsern rat und ire nachkomen der egenanten stat zu Cassel erloubet und verhengit han, erlouben und verhengen yn auch daz in und mit craft diesis briefs zu ewigen zcyten zu haben und fry zu befridden und zu behalten aller stederechte ader anders, waz sie darinne angelangen muchte an alle geverde und an argelist. Zcu dem andern male. So setzen und betrachten wir furdern unwillen zu bewarende also, ab den egenanten brudern und convent zu Cassil nach grifft dieses brifs und satzunge eynich testament an huse, hobe ader erbe gesatzit ader vergifftiget wurde, daz in daz geschosz der egenanten stat Cassil gehorite, wilcherlei daz were, daz erbe ruren muchte, solich testament und selegeredde sulten die egenanten brudere ader ire nachkomen bynnen eyme jare verkouffen und sich der uszern anegeverde. Enteden sie des nicht, und der broch an yn were, so sulte eyn rat zu Cassil die gifft zu yn nehmen und kouffen ader verkouffen umbe eyn mugelich gelt, daz irer beider frunde mugelich duchte, also, daz es in dem geschosze blebe, und daz gelt alsdann eyme prior und convent verandelogen, der daz anlegen sulte nach ihres ordens und closters notdurfft anegeverde. Czu dem dritten und lehsten male ist beredt und han wir gesatzit, daz die egenanten brudere, prior und convent, keynen bruder usz der stat Cassil zu irem orden entphaen ader nehmen sullen an sines vater und muter wisszen und willen, sie ensollen auch keinen personen, frauwen ader man, usz der stat Cassil zu bysessen by sich zcihen ader nehmen ane der stat wissen und willen, als dyt allis die egenanten brudere, rat und stat gemeinlich gewilkorit, geredt und versprochen han stete und veste zu halten und dawidder nicht zu tunde in keinewiz geistlich ader werntlich. Und also han wir des zu urkund dieser selben unser satzunge und entscheidunge als uns die auch zugehorit nach urkunden und brieven der egenanten unser stat Cassil, die wir von yn han, wie ader waz wir setzen ader entsetzen, daz sie daz halten und tun wullen, unser ingesigel an diesen brief tun hencken. Des wir beide party, prior und gantze convent, burgermeister, scheffen, rat und gantz gemeinheid zu cassil bekennen, daz diese vorgeschriben satzunge und entscheidunge mit unser beider party wissen und willen gescheen und durchgangen ist, und woln und sollen wir und unser nachkomen die auch stete, vaste und unverbrochlich halten und keinerlei friheid dawidder gebruchen ader vornemen geistlichs ader werntlichs, heimlichs ader uffinbars gerichts ader rechtis, damitde wir hirwitder gesprechen ader getun muchten in keinewiz an alle geverde und an argelist. Und han des zu merer sicherheit wir prior und convent unser convent ingesigel und wir burgermeister, scheffen, rat und gantze gemeinheid unser stat ingesigel by des egenanten unsers gnedigen junghern ingesigel an diesen brief gehangen zu getzugnisse aller vorgeschriben sache, der gegeben ist nach gotis geburte virczehenhundert dar nach in dem zcehinden jare uff den nehsten dinstag nach sente Michels tage des heiligen erczengils.

Sprache des Originaltextes

deutsch

Nachweise

Weitere Personen

Hessen, Landgrafen, Hermann II. · Hessen, Landgrafen, Heinrich II. · Hessen, Landgrafen, Otto der Schütz · Tusenbach, Heintz, Hausbesitzer in Kassel · Bettenhausen, Rudolf von, Mönch in Kassel · Kirchberger, Hausbesitzer in Kassel · Eckstein, Heinrich, Hausbesitzer in Kassel

Weitere Orte

Kassel, Karmeliter · Kassel, Mokeshus · Kassel, Bürgermeister · Kassel

Sachbegriffe

Priore · Konvente · Besitzstreitigkeiten · Karmeliter · Mönche, Karmeliter · Bürgermeister · Schöffen · Handwerker · Häuser, Besitzabfolge · Seelstiftungen · Abgaben, Befreiung von · Klosterhöfe, städtische · Häuser, steuerpflichtige · Grundbesitz, klösterlicher · Streitigkeiten, Vermitteln in

Textgrundlage

Stückangaben, Regest

Schultze, Regesten Klöster Kassel

Original

Schultze, Regesten Klöster Kassel

Zitierweise
Landgrafen-Regesten online Nr. 11335 <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/lgr/id/11335> (Stand: 25.09.2020)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde