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Regesten der Landgrafen von Hessen

1349 März 31

Brief König Karls an die mit dem Erzstift Mainz Verbundenen

Regest-Nr. 10827

Überlieferung | Regest | Originaltext | Nachweise | Textgrundlage | Zitierweise
Überlieferung
Ausfertigung: Landeshauptarchiv Magdeburg, Erfurt VII, 19.
Abschriften: Landeshauptarchiv Magdeburg, Erfurt III, 12 Nr. 18; Stadtarchiv Erfurt. Pergament, an Pergamentstreifen anhängendes Majestätssiegel.
Drucke: Senckenberg, Selecta iuris 2, S. 168; Urkundenbuch der Stadt Erfurt 2, S. 245 Nr. 304.
Regesten: Regesten der Pfalzgrafen am Rhein 1, S. 441 Nr. 2337; Scriba, Regesten Urkunden Hessen 2, S. 195 Nr. 2925; Regesta Imperii 8, Nr. 905; Regesten der Erzbischöfe von Mainz 1,2, S. 685 Nr. 6253; Urkundenregesten des Hofgerichts 6, S. 64 f. Nr. 92.
Regest
Speyer. - König Karl teilt allen Fürsten, Grafen, Freien, Herren, Geistlichen, Rittern, Knechten, Städten, Bürgern und namentlich allen denen, die dem Erzstift Mainz verbunden sind, mit, daß am Sonntag vor Palmen (= März 29) die Kurfürsten Erzbischof Baldewin von Trier (uns l. vetter), Pfalzgraf Rudolf (uns. l. Schweher), Bischof Gerhard von Speyer, Landgraf Heinrich von Hessen (uns. l. Neffe u. Fürst), Herzog Friedrich von Teck; die Grafen Eberhat zu Württemberg (Wirtem-), Friedrich zu Öttingen, Landgraf im Elsaß; Heinrich zu Hohnstein (Hohen-), Herr zu Sondershausen (Sundershusen); die Vettern Emicho und Emicho, Grafen zu Leiningen; und viele andere Grafen, Herren, Freie, Pfaffen, Ritter, Knechte und Bürger der freien Städte auf seine Frage erklärt haben, daß die einem vom Papst mit redlichen Sachen abgesetzten Erzbischöfe oder Bischöfe geleistete Eide ungültig seien und alle Untertanen dem gehorsam sein sollen, der danach von Gnaden des apostolischen Stuhles eingesetzt wurde. Er fordert demnach die Mainzer auf, den Erzbischof Gerlach (uns. l. Fürsten u. Neffen), ihrem rechten Herrn, gehorsam zu sein, da er ihnen auf rechtmäßige Weise an Stelle des vom römischen Stuhl durch s. schulde willen u. uffenbare missetat entsetzen Heinrich von Virneburg als Erzbischof gegeben ist. U. bedenket sunderlichen, was notzes, eren u. seligkeit uns u.d. riche, uch u. alle dem land davon uffstehen muge.
Geg. Spire an dem nehesten dinstage vor dem Palmtage i. d. 3. j. u. r..
Originaltext
Wir Karll von Gots gnaden romscher kunig, zu allen ziten merer des riches und kunig zu Beheim, tunt kunt allen fursten, graven fryen herren, paffen, rittern, knehten, stetten, burgern und bi namen allen den, die dem stift zu Mentze verbunden sin, unsern und des heylgen romschen riches lieben getruwen unser hulde und alles gut. Wir tun zewissen uwern truwen, das wir mit wolbedahtem mute an deme nehesten sunnentage vor palmen gefraget haben sunderlich und mit namen den erwirdigen Baldewin, ertzbischof zu Triere, unsern lieben vetter, den hochgebornen Rudolph paltitzgraven bi Ryne, hertzogen in Peyern, unsern lieben sweher, kurfursten, und den erwirdigen Gerhart, bischof zu Spir, den hochgebornen Henrich lantgraven zu Hessen, unsern lieben nefen und fursten, die edeln Friderich hertzogen zu Tecke, Eberhart graven zu Wirtenberg, Friderich graven zu Otingen, lantgraven in Alsas, Heinrich graven zu Hohenstein, herren zu Sundershusen, Emichin und Emichin gevettern, graven zu Leiningen, und ander vil graven, fryen herren, paffen, ritter, knehte und burger der fryen stette, unser und des heylgen romschen riches getruwen, die do selbest gegenwertig waren, obe unser geistlicher vater der pabst von maht und gewalt des romschen stuls einen ertzbischof oder einen bischof und sine schult und missetat abegesetzen mag, und wanne er entsatzt wirt, obe after daz furbas iemant demselben entsasten mit huldunge, eyde oder gelubde verbunden oder plihtig sy, vor einen ertzbischof oder fur einen bischof darnach zehaldene. Des sprachen wir des ersten bi unsern kuniglichen eren und mit dem eyde, des wir dem riche verbunden sint, und darnach die vorgenanten kurfursten, fursten, graven, fryen herren, paffen, ritter, knehte und burger, die da genwertig waren, mit geswornem eyde, des sy uns und dem riche plihtig sin, und antwirten uns mit bedahtem mute in solcher wise, alse hernach geschriben stet. Wenne ein ertzbischof oder ein bischof mit redelichen sachen von dem bebstlichen stule entsatzet wirt und darzu unser heyliger vater der babst alle gude lute, die mit eyde und mit hulde dem entsasten bischove verbunden waren, irs eydes, huldunge und gelubede mit sinen verbulleten briefen ledig gesaget hat, das ime darnach niemant huldunge oder eyde verbunden sy, oder nieman plihtig si, in furbas mer fur einen ertzbischof oder einen bischof zehaldene, wan das allermenglich, die vormals gewesen sint sin undertan, dem, der da von gnaden des bebstlichen stuels darnach gegeben unde gesezet wirt, gehorsam und undertenig sin sullen, und denselben und nieman anders vor einen ertzbischof oder einen bischof und iren rehten herren haben und halden sullen. Auch war das gesprochen, das man dicke gesehen und gefreischet hette zu andern ziten, das etzwie fil ertzbischove und bischove, und mit namen zu Mentze, zu Triere, zu Collne, zu Ludiche und anderswa an vil steten von dem babste entsatzet sint und andere an ire stat von dem bebstlichen stule dar gegeben sint, datz man den gehorsam waz und nit dem, der da entsezet waz. Darumbe biden wir alle unser und des riches getruwen und mit namen alle die, die dem stifte zu Mencze verbunden sint oder zugehorent, datz sy anesehen wollen daz reht und den gemeinen nutz der lande, wand fride, gnade und selikeit davon gestercket wirt, sunderlichen wan si daz mit eren und selikeit davon gestercket wirt, sunderlichen wan si daz mit eren und bescheidenheit tun mogen und auch von rehtes wegen tun sullen, alse daz redelichen usgetragen ist und mit dem rehten derlanget, alse vorgeschriben stat, daz si enphahen wollen ane furzog fur einen ertzbischof den erwirdigen Gerlach, ertzbischof zu Mencze, iren rehten herren, unsern lieben nefen und fursten, und ime gehorsam, getruwe und undertenig sin wollet und gegen ime mit hulden, mit sweren und allen andern sachen tun wollet, als sy eime ertzebischove zu Mencze und irme rehten herren billichen und zu rehte ze tunde plihtig sint, wanne er rehte und redeliche an Heinriches stat zu Virneburg, der von dem stul zu Rome durch siner schulde willen und offenbare missetat entsatzet ist, uch zu eime ertzbischove und rehten herren gesatzet und gegeben ist, und bedenket sunderliche, waz nutzes, eren und selikeit uns und dem riche, in und der cristenheit davon one zwifel ufersten und komen mag. Gegeben zu Spre an dem nehesten dinstag vor dem palmtage in dem dritten iare unserer riche.

Sprache des Originaltextes

deutsch

Nachweise

Weitere Personen

Karl IV., Kaiser · Trier, Erzbischöfe, Balduin von Luxemburg · Pfalz, Kurfürsten, Rudolf II., der Blinde · Speyer, Bischöfe, Gerhard von Ehrenberg · Hessen, Landgrafen, Heinrich II. · Teck, Herzöge, Friedrich · Württemberg, Grafen, Eberhard II. · Öttingen, Grafen, Friedrich II. · Hohnstein, Grafen, Heinrich [III.] · Leiningen, Grafen, Emich V. · Leiningen, Grafen, Emich VI. · Mainz, Erzbischöfe, Heinrich III. von Virneburg · Mainz, Erzbischöfe, Gerlach von Nassau

Weitere Orte

Speyer · Mainz, Erzstift · Trier, Erzbischöfe · Pfalz, Kurfürsten · Speyer, Bischöfe · Württemberg, Grafen · Elsaß, Landgrafen · Sondershausen, Herren · Leiningen, Grafen · Mainz, Erzbischöfe

Sachbegriffe

Könige · Städte · Kurfürsten · Eide, Entbinden von · Erzbischöfe · Bischöfe · Pfalzgrafen · Kurfürsten · Herzöge · Grafen · Vettern · Pfaffen · Ritter · Knechte · Bürger · Rechtsfragen, Klären von

Textgrundlage

Stückangaben, Regest

Reg. Erzb. Mainz 1.2

Original

UB Erfurt 2

Zitierweise
Landgrafen-Regesten online Nr. 10827 <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/lgr/id/10827> (Stand: 25.05.2019)
 
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