Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Regesten der Landgrafen von Hessen

1487 Februar 11

Brief an den kulmbachischen Gesandten Johann Pfotel

Regest-Nr. 10315

Überlieferung | Regest | Originaltext | Nachweise | Textgrundlage | Zitierweise
Überlieferung
Abschriften: Staatsarchiv Würzburg, Würzburger Standbuch 1100, fol. 109a.
Regesten: Deutsche Reichstagsakten Mittlere Reihe 2, S. 145 f. Nr. 28.
Regest
Kulmbach. - Die Markgrafen Friedrich und Sigmund von Ansbach-Kulmbach an Dr. Johann Pfotel, ihren Gesandten am kaiserlichen Hof: antworten auf dessen Schreiben (von Februar 5), die darin mitgeteilte Handlung und den Abschied des Speyrer Tages müßten sie akzeptieren. Würden sie vom Kaiser zum Reichstag nach Nürnberg geladen, wollten sie sich gehorsam zeigen. Derzeit sei allerdings davon auszugehen, daß das geplante Treffen der Fürsten von Sachsen, Brandenburg und Hessen in Naumburg (wegen der Verlängerung der Erbeinung) tatsächlich stattfinden werde.
Den von ihm gemeldeten Zug Herzog Georgs von Bayern zum Stefansberg (Schreiben von Januar 31) könnten sie keinesfalls hinnehmen. Sie hätten deshalb - wie er den beiliegenden Instruktionen entnehmen könne - Gesandte zu Pfalzgraf Philipp (1) und Herzog Albrecht von Bayern (2) geschickt. Er selbst möge in dieser Sache gemäß beiliegender Kredenz und Instruktion bei Erzbischof Bertold von Mainz vorstellig werden.
Kulmbach, suntag nach Appolonie.
(1) Zu diesem wurde Konrad von Berlichingen beordert mit der Weisung, die Entschlossenheit der Markgrafen zu bekunden, die ihnen als Amtleute, Räte und Diener verbundenen Herren von Schwarzenberg in ihren vom Kaiser anerkannten Rechten gegen die Herren von Thüringen zu unterstützen. Da jedoch Herzog Georg von Bayern beabsichtige, seinerseits mit Waffengewalt gegen die Herren von Schwarzenberg vorzugehen, bestehe die Gefahr, daß es zu einem großen Aufruhr im Reich komme. Pfalzgraf Philipp möge dies bei Herzog Georg zu verhindern suchen, insbesondere aber sich nicht gegen die Markgrafen stellen. Es sehe uns auch ane nach gestalt der lauft im römischen Reich, dem allenthalben zugesetzt wird, merklichen abbruch zu ton, nit allein von den unglaubigen, sunder auch von den anstossenden Königreichen und gewelten Frankreich, Hispanien, Ungern, die auch sunderlich darnach arbaiten, die ere und wird des römischen Reichs, die durch aller unser fordern mit verswendung ihres pluts, leib und guts an diese nation bracht sein, der nation und uns allen zu entziehen, das erlicher, nützlicher und pesser were, dogegen sich mit der gegenwere zu schicken, dann in uns selbs mit heymischen kriegen, die vil mechtiger gewelt zurstort haben, widerwertiglich zu handeln. Das lassen wir anregen im pesten, wiewol wir ungezweivelt sein, sein lieb wiß die ding hoher und paß zu bedenken, dann wir anzaigen konnen (Staatsarchiv Würzburg, Würzburger Standbuch 1100, fol. 104a). - Februar 27 (dinstag nach dem suntag estomichi) teilte Konrad von Berlichingen den Markgrafen aus Schrotzberg mit, als er Februar 19 (montag nach Valentini) nach Heidelberg gekommen sei, habe sich der Pfalzgraf beim Erzbischof von Köln und beim Landgrafen von Hessen in Oberwesel aufgehalten. Februar 23 (Freitag St. Mathiasabent) habe er ihn schließlich in Worms getroffen und gemäß seiner Instruktion gebeten zu verhindern, daß sich Herzog Georg von Bayern wegen des Schlosses Stefansberg gegen die Markgrafen wende. Pfalzgraf Philipp habe hierauf erwidert, er wisse weder etwas von dieser Sache noch sei er von Herzog Georg um Hilfe ersucht worden. Beim bevorstehenden Treffen mit den Herzögen Albrecht und Georg von Bayern in Innsbruck würden jedoch die pfalzgräflichen Räte Verhandlungen im Sinne der Markgrafen führen. Keinesfalls werde er sich gegen die Markgrafen stellen. Nachschrift: Auch laß ich eur Gn. wissen, das unser H. Ks. nechst dornstag darnach (Februar 22) zu Speier gewesen, und der Pruschenk ist vast krank. An den will er nit ziehen, doch ist man sein diese wuchen zu Wimpfen und Hailprun wartend. Datum ut supra (Staatsarchiv Würzburg, Würzburger Standbuch 1100, fol. 107a-108a).
(2) In ganz ähnlicher Weise wurde Ludwig von Eyb d.Ä. beauftragt, Herzog Albrecht zu bitten, er möge Herzog Georg von seinem Vorhaben abbringen. Sollte es dennoch zum bewaffneten Konflikt kommen, so erwarteten die Markgrafen von Herzog Albrecht, daß er sie gemäß ihrer Einung unterstütze (Staatsarchiv Würzburg, Würzburger Standbuch 1100, fol. 105b-106a).
Nachweise

Weitere Personen

Ansbach-Kulmbach, Markgrafen, Friedrich · Ansbach-Kulmbach, Markgrafen, Sigmund · Pfotel, Johann · Bayern-Landshut, Herzöge, Georg der Reiche · Pfalz, Kurfürsten, Philipp der Aufrichtige · Bayern, Herzöge, Albrecht IV., der Weise · Mainz, Erzbischöfe, Berthold von Henneberg · Berlichingen, Konrad von · Köln, Erzbischöfe, Hermann IV. von Hessen · Hessen, Landgrafen, Wilhelm III. · Eyb, Ludwig von

Weitere Orte

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Sachbegriffe

Markgrafen · Doktoren · Gesandte · Hofhaltungen, kaiserliche · Reichstage, anberaumte · Kriegszüge · Kurfürsten · Pfalzgrafen · Kriege, Verhindern von · Königreiche

Textgrundlage

Stückangaben, Regest

RTA MR 2

Zitierweise
Landgrafen-Regesten online Nr. 10315 <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/lgr/id/10315> (Stand: 31.10.2020)
 
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