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Wahlen zum 9. Hessischen Landtag, 8. Oktober 1978

Bei den Wahlen zum 9. Hessischen Landtag wird die Koalitionsregierung aus SPD und FDP bestätigt. Der CDU gelingt es nicht, ihr bei der Landtagswahl 1974 erzieltes Rekordergebnis (47,3 Prozent) zu wiederholen. Dennoch erzielt sie mit einem Stimmenanteil von 46,0 Prozent (53 Sitze im Hessischen Landtag) das beste Ergebnis. Dahinter folgen die SPD mit 44,3 Prozent (50 Sitze) und die FDP mit 6,6 Prozent (sieben Sitze). Alle übrigen Parteien scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde.

Der Stabilisierung der in der Wählergunst seit Ende der 1960er Jahre aufgestiegenen CDU auf hohem Niveau hatte sich bereits 1976 deutlich abgezeichnet. Der amtierende SPD-Ministerpräsident Albert Osswald (1919–1996) war aufgrund ruinöser Beteiligungsgeschäfte der Hessischen Landesbank (»Helaba-Skandal«) und eines ausgesprochen knappen Wahlsiegs am Abend der am 3. Oktober durchgeführten Bundestagswahl von seinem Amt zurückgetreten.

Auch bei den Kommunalwahlen am 20. März 1977 war die Union nach jahrzehntelanger Dominanz der Sozialdemokraten (»rotes Hessen«) sowohl auf der Kreis- als auch auf der Gemeindeebene als stärkste Kraft hervorgegangen. Bestimmende Themen der politischen Diskussion waren bei beiden Wahlen neben dem »roten Filz«, das heißt der aus der lang andauernden SPD-Vorherrschaft resultierenden Ämterpatronage und anderen Verfehlungen, die sich mit der Verstrickung Osswalds in den Skandal um die Hessischen Landesbank am deutlichsten zeigte, noch die gescheiterte Gebietsreform und die Schulpolitik gewesen. Alle diese Punkte wurden im Vorfeld der Landtagswahl erneut zu wahlentscheidenden Einflussgrößen.

Der CDU war es unter ihrem seit 1967 amtierenden Parteivorsitzenden und Spitzenkandidaten Alfred Dregger (1920–2002) innerhalb weniger Jahre gelungen, die in den 1950er und 1960er Jahren überdeutliche Vormachtstellung der Sozialdemokratie zu brechen. Hatte die Union bei den Landtagswahlen in den Jahren 1958 (32 Prozent der Stimmen), 1962 (28,8 Prozent) und 1966 (26,4 Prozent, unmittelbar vor Dreggers Nominierung zum Parteivorsitzenden) jeweils mehr oder weniger deutliche Verluste hinnehmen müssen, so vergrößerte sich die Zustimmung der Wählerinnen und Wähler bei den Wahlen zum Hessischen Landtag in den Jahren 1970 (39,7 Prozent) und 1974 (47,3 Prozent) sprunghaft.

Wahlanalyse1

Wahlbeteiligung

Die Wahlbeteiligung liegt insgesamt bei 87,7 Prozent und damit fast drei Prozentpunkte höher als bei der letzten Wahl. Die niedrigsten Werte werden in den Frankfurter Wahlkreise 32-36 und 39 sowie allen drei Wiesbadener Wahlkreisen (26-28) mit Werten zwischen 80,0 und 83,4 Prozent erzielt. Spitzenreiter ist, wie schon vier Jahre zuvor, der Wahlkreis 2/Kassel-Land-Südost mit 93,1 Prozent.

Auf Ebene der Gemeinden wird mit 90,6 Prozent in Hosenfeld das höchste Ergebnis erzielt, während Königsstein im Taunus mit 71,9 Prozent das Schlusslicht bildet.

Wahlergebnis der SPD

Die SPD schneidet den Wahlkreisen 2/Kassel-Land-Südost und 5/Kassel-Stadt II, ihren klassischen Hochburgen, mit 59,0 und 57,5 Prozent an besten ab. In beiden städtischen Wahlkreisen Kassels zusammen erreichen sie mit 56,6 Prozent ihr bestes Großstadtergebnis. Ihr niedrigstes Ergebnis erzielt sie mit 25,5 Prozent im Wahlkreis 14/Fulda-Mitte. Ihr schlechtestes Großstadtergebnis landen sie in Offenbach, wo sie nur 41,0 Prozent der Wähler für sich gewinnen können.

In den Gemeinden Nieste und Söhrewald (Beide Landkreis Kassel) erzielen die Sozialdemokraten mit 70,6 und 70,5 Prozent ihre Höchstwerte. Den geringsten Stimmanteil erreichen sie mit 10,1 Prozent in Nüsttal (Vogelsbergkreis) erreicht.

Wahlergebnis der CDU

Die Christdemokraten erzielen wie gewohnt ihr mit Abstand bestes Ergebnis mit 68,3 Prozent im Wahlkreis 14/Fulda-Mitte.Ihre Schlechtesten erreichen sie mit 33,4 und 34,2 Prozent in den Wahlkreisen 2/Kassel-Land-Südost und 5/Kassel-Stadt II.

In den Großstädten erhalten sie mit 48,7 Prozent in Offenbach ihren höchsten und mit 36,1 Prozent in Kassel ihren niedrigsten Stimmanteil.

Ihre Bestwerte auf Gemeindeebene erreicht die Partei erwartungsgemäß im Landkreis Fulda: Poppenhausen (Wasserkuppe) 86,5 Prozent, Hosenfeld 84,9 Prozent und Nüsttal 84,4 Prozent. In den SPD-Hochburgen Nieste und Söhrenwald können sie dagegen nur Stimmanteile von 23,6 und 24,0 Prozent verbuchen.

Wahlergebnis der FDP

Die FDP ist auch bei dieser Wahl eine Partei, die ihr Wähler vor allem in den Ballungsräumen gewinnt. Bestwerte auf Wahlkreisebene erreichen sie mit 10,2 Prozent im Wahlkreis 26/Wiesbaden I mit 10,2 sowie im Wahlkreis 30/Main-Taunus-Kreis-Nord mit 10,0 Prozent. Am schlechtesten schneiden sie dagegen mit 3,7 bzw. 4,4 Prozent in den Wahlkreisen 22/Limburg-Weilburg-West und 14/Fulda-Mitte ab.

Auf der Ebene der Städte erzielen sie in Darmstadt (8,9 Prozent), Wiesbaden (8,6 Prozent) und Frankfurt (8,2 Prozent) überdurchschnittliche Ergebnisse, während sie in Kassel nur 5,3 Prozent der gültigen Stimmen erhalten.

Auf Gemeindeebene liegen die Hochburgen der Freien Demokraten weiterhin im Nordwesten, so können sie in den waldeck-frankenbergischen Gemeinden Diemelsee (15,0 Prozent), Frankenau (13,7 Prozent) und Vöhl (12,4 Prozent) ihre Höchstwerte erzielen. Den geringsten Stimmanteil mussten sie dagegen in der Gemeinde Hesseneck (Odenwaldkreis, 0,1 Prozent) hinnehmen, wo von 524 Wählern nur fünf der Partei ihre Stimme gaben.
(KU/TKi)


  1. Erarbeitet auf Grundlage von Informationen des Hessischen Statistischen Landesamtes.
Belege
Weiterführende Informationen
  • HeBIS [Statistisches Amt und Wahlamt (hrsg. Körperschaft)]: Wahl zum Hessischen Landtag am 8. Oktober 1978 in Frankfurt am Main: vorl. Ergebnisse (Frankfurter statistische Berichte, Sonderausgabe), Frankfurt am Main 1978
  • HeBIS Gerd Hassler, Die Landtagswahl am 8. Oktober 1978. Endgültige Ergebnisse, in: Hessisches Statistisches Landesamt Wiesbaden (hrsg. Körperschaft): Staat und Wirtschaft in Hessen: Berichte und Informationen aus der Landesstatistik 33 (1978), H. 10, S. 232-236
  • HeBIS Alfred Behr [u.a.], Wahlatlas Hessen. 1946 bis 1985; mit Tab., Braunschweig 1986
  • wahl.tagesschau.de: Landtagswahl Hessen 1978 (eingesehen am 28.2.2018)
Hebis-Klassifikation
406330 ,Landtagswahl · 406310 ,Wahl
Hebis-Schlagwort
Hessen ; Wahlstatistik
Empfohlene Zitierweise
„Wahlen zum 9. Hessischen Landtag, 8. Oktober 1978“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edb/id/1406> (Stand: 8.10.2019)
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