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Eröffnung des 39. Kommunallandtages des Regierungsbezirkes Wiesbaden, 5. April 1905

In Wiesbaden wird um 12 Uhr im Saal der Königlichen Regierung der 39. Kommunallandtag des Regierungsbezirks Wiesbaden durch eine Ansprache des stellvertretenden Königlichen Landtagskommissars, dem Regierungspräsidenten Wilhelm Hengstenberg (1853–1927) eröffnet:

Geehrte Herren!
Die diesjährige Tagung des Kommunallandtages des Regierungsbezirks Wiesbaden, dessen Einberufung auf den heutigen Tag des Königs Majestät zu genehmigen geruht haben, bedeutet zugleich den Beginn einer neuen Wahlperiode. Es gereicht mir zur besonderen Freude, sowohl die zahlreichen Mitglieder des Kommunallandtages, welche erneut in die Vertretung ihres Heimatsbezirks gewählt worden sind, als auch diejenigen Herren Abgeordneten, welche neu in die Versammlung eintreten, namens der Staatsregierung an dieser Stelle zu begrüßen. Mit unserm geliebten Herrscherhause und dem gesamten deutschen Volk haben die Einwohner unseres Bezirkes innige Freude über die Verlobung Seiner Kaiserlichen und Königlichen Hoheit des Kronprinzen mit einer Tochter aus deutschem Fürstengeschlecht empfunden und sie vereinigen sich anläßlich der bevorstehenden Vermählung zu dem herzlichen und ehrerbietigen Wunsche, daß dieser Bund dem hohen Brautpaar und dem Vaterlande zum Glück und Segen gereichen mögen.1 Die Königliche Staatsregierung hat Ihnen für die gegenwärtige Tagung Vorlagen nicht zu machen. Dafür bieten Ihnen die Vorlagen für die eigene Verwaltung um so reichhaltigeren Arbeitsstoff. Mit Befriedigung werden Sie von der umfassenden Arbeit, welche im vergangenen Jahr auf den verschiedensten Gebieten der Wohlfahrtspflege geleistet und von den günstigen Ergebnissen, welche durch die der Bezirksverwaltung unterstehenden ständischen Institute erzielt worden sind, Kenntnis nehmen und aus dem Ihnen von dem Landesausschuß vorgelegten Hauptvoranschlag für das Jahr 1905, dessen Beratung in den bevorstehenden Verhandlungen Ihr Interesse in erster Linie beanspruchen wird, werden Sie ersehen, daß ungeachtet der Befriedigung mehrfach erhöhter Anforderungen die Beibehaltung des bisherigen Abgabesatzes sich ermöglichen lassen wird. Die von Ihnen erbetenen Zuschüsse zur Geländestellung für zwei Nebenbahnen werden im Falle ihrer Bewilligung zur weiteren Förderung des Verkehrs in dem nördlichsten Teil des Bezirks und damit zur Hebung des Wohlstandes desselben beitragen. Die bereits in der vorjährigen Tagung anerkannte Notwendigkeit der Erweiterung der zur Unterbringung Geisteskranker dienenden baulichen Einrichtungen wird erneut den Gegenstand sorgfältiger Erwägungen zu bilden haben. Der Förderung der Irrenpflege dient ferner eine Vorlage, die in Form einer neuen Besoldungsordnung die Gewinnung und Erhaltung eines tüchtigen Aerzte- und Beamten-Personals zu sichern bezweckt. Eine erhöhte Fürsorge für verschiedene andere Klassen von Beamten und Angestellten des Bezirks erstreben einige weitere Vorlagen, die Ihrer wohlwollenden Prüfung unterliegen werden. Infolge des demnächstigen Ablaufs der Amtsperiode des derzeitigen Herrn Landeshauptmanns wird der Landtag ferner eine für die Verwaltung des Bezirks besonders bedeutsame Wahl zu vollziehen haben. Diese und die sonstigen Ihrer Beratung und Beschlußfassung harrenden Vorlagen, von denen ich diejenige über die Errichtung einer Stiftung aus Anlaß der im Februar 1906 bevorstehenden Silberhochzeit Ihrer Majestäten des Kaisers und der Kaiserin noch hervorhebe, zu der Ihre freudige Zustimmung erhofft werden darf, werden Sie mit gewohnter Sachkunde und Sorgfalt prüfen und erledigen. In der Zuversicht, daß Ihre Entschließungen Ihrem Heimatsbezirk zum Segen gereichen werden, erkläre ich im Allerhöchsten Auftrage den 39. Kommunallandtag des Regierungsbezirks Wiesbaden für eröffnet.
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Als Alterspräsident der Versammlung wirkt der 84-jährige Geheime Justizrat Hilf aus Limburg. Ihm zur Seite stehen als Schriftführer die beiden jüngsten Mitglieder des diesjährigen Kommunallandtages, der 39-jährige Direktor Hubert Hesse aus Frankfurt am Main und der 36-jährige Oberbürgermeister von Bad Homburg Dr. Ernst Ritter von Marx. Zum Vorsitzenden des Kommunallandtages wird in derselben Sitzung erneut Dr. Adolf Humser aus Frankfurt am Main gewählt, zu dessen Stellvertreter – nachdem der langjährige stellvertretende Vorsitzende Dr. Karl von Ibell aus Wiesbaden »wegen einer kaum überstandenen Krankheit und Ueberhäufung mit Berufsgeschäften«3 auf eine Wiederwahl verzichtet hatte – der Rechtsanwalt und Justizrat Dr. Alexander Alberti aus Wiesbaden. Dr. Karl Flesch aus Frankfurt am Main und Rudolf Vogt aus Biebrich werden als Schriftführer gewählt.4

Der 39. Kommunallandtag des Regierungsbezirks Wiesbaden wird in insgesamt vier öffentlichen Sitzungen bis zum 14. April 1905 tagen.

Zusammensetzung des 39. Kommunallandtages

Abt, Ferdinand (1849–1933; Privatier und Stadtrat; Frankfurt am Main; Kreis Frankfurt am Main-Stadt)
Achenbach, Heinrich von (1863–1933; Landrat; Höchst am Main; Kreis Höchst)
Alberti, Dr. Alexander (1855–1929; Rechtsanwalt, Justizrat; Wiesbaden; Kreis Wiesbaden-Stadt)
Arnold, Johannes (1858–1927; Bürgermeister; Berghofen; Kreis Biedenkopf)
Arntz, Wilhelm (1861–1942; Rentner und Stadtrat; Wiesbaden; Kreis Wiesbaden-Stadt)
Beckmann, Dr. August (1852–1914; Landrat; Usingen; Kreis Usingen)
Berg, Ferdinand (1852–1924; Landrat; St. Goarshausen; Kreis St. Goarshausen)
Braunfels, Otto (1841–1917; Kommerzienrat und Stadtverordneter; Frankfurt am Main; Kreis Frankfurt am Main-Stadt)
Brüning, Dr. Gustav von (1864–1913; Fabrikdirektor und Kreisdeputierter; Höchst am Main; Kreis Höchst)
Büchting, Robert (1861–1925; Landrat; Marienberg; Oberwesterwaldkreis)
Duderstadt, Max (1861–1918; Landrat; Diez; Unterlahnkreis)
Eck, Adolf von (1860–1923; Rechtsanwalt und Stadtverordneter; Wiesbaden; Kreis Wiesbaden-Stadt)
Epstein, Christian (1834–1918; Bürgermeister; Nassau; Unterlahnkreis)
Faust, Adam 2r (1840–1908; Kreisdeputierter und Landwirt; Hofheim im Taunus; Kreis Höchst)
Fink, Philipp (1831–1913; Kreisdeputierter; Weyer; Oberlahnkreis)
Flesch, Dr. Karl (1853–1915; Stadtrat; Frankfurt am Main; Kreis Frankfurt am Main-Stadt)
Friedleben, Dr. Fritz (1853–1920; Justizrat; Frankfurt am Main; Kreis Frankfurt am Main-Stadt)
Funck, Karl (1852–1918; Kaufmann und Stadtverordneter; Frankfurt am Main; Kreis Frankfurt am Main-Stadt)
Geiger, Dr. Berthold (1847–1919; Rechtsanwalt, Justizrat; Frankfurt am Main; Kreis Frankfurt am Main-Stadt)
Groos, Philipp August (1845–1919; Bürgermeister; Offenbach; Dillkreis)
Grün, Carl (1851–1916; Grubenbesitzer; Dillenburg; Dillkreis)
Hartherz, Emanuel (1842–1915; Bildhauer und Stadtverordneter; Frankfurt am Main; Kreis Frankfurt am Main-Stadt)
Hartmann, Wilhelm (1848–1913; Bürgermeister; Hadamar; Kreis Limburg)
Hehner, Dr. Adolf (1858–1922; Rechtsanwalt und Stadtverordneter; Wiesbaden; Kreis Wiesbaden-Stadt)
Heimburg, Fritz von (1859–1935; Landrat; Biedenkopf; Kreis Biedenkopf)
Helff, Dr. Albert (1861–1945; Rechtsanwalt und Stadtverordneter; Frankfurt am Main; Kreis Frankfurt am Main-Stadt)
Hengsberger, Dr. Adalbert (1853–1923; Stadtrat; Frankfurt am Main; Kreis Frankfurt am Main-Stadt)
Herber, Franz (1846–1918; Gutsbesitzer; Eltville; Rheingaukreis)
Hertzberg, Günther von (1855–1937; Landrat; Wiesbaden; Kreis Wiesbaden-Land)
Hesse, Hubert (1826–1908; Direktor; Heddernheim; Kreis Frankfurt am Main-Land)
Heussenstamm, Dr. Karl (1835–1913; Bürgermeister a.D.; Frankfurt am Main; Kreis Frankfurt am Main-Stadt)
Hilf, Hubert (1820–1909; Geheimer Justizrat; Limburg; Kreis Limburg)
Himmerich, Franz (1849–1934; Kassierer; Herschbach; Unterwesterwaldkreis)
Höchst, Georg (1838–1908; Bürgermeister a.D.; Oberbrechen; Kreis Limburg)
Hummel, Hermann Joseph (1834–1921; Kommerzienrat; Hochheim; Kreis Wiesbaden-Land)
Humser, Dr. Gustav (1836–1918; Rechtsanwalt, Geheimer Justizrat und Stadtverordnetenvorsteher; Frankfurt am Main; Kreis Frankfurt am Main-Stadt)
Ibell, Dr. jur. Karl von (1847–1924; Oberbürgermeister; Wiesbaden; Kreis Wiesbaden-Land)
Jamin, Georg (1825–1909; Bürgermeister; Cronberg; Obertaunuskreis)
Köller, Lebrecht von (1861–1933; Landrat; Langenschwalbach; Untertaunuskreis)
Körner, Karl (1832–1914; Bürgermeister; Wehen; Untertaunuskreis)
Kröck, Wilhelm († 1914; Bürgermeister; Bettendorf; Kreis St. Goarshausen)
Ladenburg, Ernst (1854–1921; Kaufmann und Stadtverordneter; Frankfurt am Main; Kreis Frankfurt am Main-Stadt)
Lex, Adolf (geb. 1862; Landrat; Weilburg; Oberlahnkreis)
Marx, Dr. Ernst von (1869–1944; Oberbürgermeister; Homburg vor der Höhe; Obertaunuskreis)
Mergler, Wilhelm (1835–1909; Apotheker; Hachenburg; Oberwesterwaldkreis)
Metzler, Albert von (1839–1918; Bankier und Stadtrat; Frankfurt am Main; Kreis Frankfurt am Main-Stadt)
Rademacher, Leopold (1864–1935; Landrat; Westerburg; Kreis Westerburg)
Remy, Friedrich (1823–1906; Rentner; Selters; Unterwesterwaldkreis)
Sauerwein, Karl (1845–1916; Privatier und Stadtverordneter; Frankfurt am Main; Kreis Frankfurt am Main-Stadt)
Schmidt, Dr. Adolf (1858–1912; Landrat; Montabaur; Unterwesterwaldkreis)
Schmidt, Christian Sebastian (1851–1921; Fabrikbesitzer; Niederlahnstein; Kreis St. Goarshausen)
Schneider, Karl (1873–1946; Bürgermeister; Steinfischbach; Kreis Usingen)
Schön, Karl (1847–1934; Bürgermeister; Netzbach; Unterlahnkreis)
Seidel, Philipp August (1837–1907; Privatier und Stadtrat; Frankfurt am Main; Kreis Frankfurt am Main-Stadt)
Sturm, Eduard (1845–1920; Weinhändler; Rüdesheim; Rheingaukreis)
Theis, Adolf (1842–1924; Kaufmann; Gladenbach; Kreis Biedenkopf)
Varrentrapp, Dr. jur. Adolf (1844–1916; Bürgermeister; Frankfurt am Main; Kreis Frankfurt am Main-Stadt)
Vogt, Rudolf (1856–1926; Bürgermeister; Biebrich; Kreis Wiesbaden-Land)
Wedel, Georg (1845–1924; Kaufmann und Stadtverordneter; Frankfurt am Main; Kreis Frankfurt am Main)
Wollweber, Georg († 1917/18; Rentner; Rennerod; Kreis Westerburg)
Wussow, Waldemar von (1865–1938; Landrat; Dillenburg; Dillkreis)
Zimmermann, Dr. Oskar (1856–1917; Justizrat; Homburg vor der Höhe; Obertaunuskreis)
Zirndorfer, Dr. Paul (1859–1920; Rechtsanwalt und Stadtverordneter; Frankfurt am Main; Kreis Frankfurt am Main-Stadt)
(LV)


  1. Hengstenberg bezieht sich hier auf die Verbindung des deutschen Kronprinzen Wilhelm von Preußen (1882–1951) mit Cecilie zu Mecklenburg (1886–1954), die sich am 4. September 1904 im Jagdschloss Gelbensande in der Rostocker Heide verlobt hatten. Am 6. Juni 1905 fand die Eheschließung in Berlin statt. Die Hochzeit war eines der spektakulärsten Ereignisse des Jahres, das mit einem aufwendig geschmückten Festzug vom Brandenburger Tor entlang des Boulevards Unter den Linden bis zum Berliner Stadtschloss gefeiert wurde. Vgl. Wikipedia: Cecilie zu Mecklenburg (eingesehen am 30.7.2018) und Wikipedia: Wilhelm von Preußen (1882–1951) (eingesehen am 30.7.2018).
  2. Verhandlungen des 39. Kommunallandtags des Regierungsbezirks Wiesbaden vom 5. bis 14. April 1905, Wiesbaden [1905], S. 3 f.
  3. Ebd., S. 4.
  4. Vgl. ebd., S. 4.
Belege
Empfohlene Zitierweise
„Eröffnung des 39. Kommunallandtages des Regierungsbezirkes Wiesbaden, 5. April 1905“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edb/id/5415> (Stand: 10.11.2019)
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