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Einweihung des Museumsneubaus in Wiesbaden, 1. Oktober 1915

Mit der Eröffnung der Gemäldegalerie der Residenzstadt wird der Neubau des Museums in Wiesbaden seiner Bestimmung übergeben. Das an der Ecke Wilhelmstraße/Rheinstraße gelegene, dreiflügelige Gebäude entstand nach Plänen des deutschen Architekten Theodor Fischer (1862–1938).
Ein vom Wiesbadener Kunstverein anlässlich der Eröffnung der Gemäldegalerie im Museumsneubau herausgegebenes provisorisches Werkverzeichnis verschafft einen Überblick über die ausgestellten Werke. Pläne, rechtzeitig einen wissenschaftlichen Katalog zu erarbeiten, wurden vom Ausbruch des Weltkriegs und dem überstürzten Umzug durchkreuzt. Das ebenfalls 1915 in den Neubau umgesiedelte Naturwissenschaftliche Museum und das Museum Nassauischer Altertümer, die in den beiden Seitenflügeln des Gebäudes untergebracht werden, öffnen ihre Tore für das Publikum erst zwei Jahre nach Kriegsende, am 15. Juli 1920.

Die Entstehung der Städtischen Museen im 19. Jahrhundert

Die Gründung der Wiesbadener Museumssammlungen, die bis zum Bezug des Museumsneubaus im Erbprinzenpalais an der Wilhelmstraße untergebracht waren, wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch Bürger der Stadt Wiesbaden und die Initiative Johann Wolfgang von Goethes (1749–1832) angeregt. Auf Goethes Betreiben kam es 1825 zu einer bedeutenden Sammlungserweiterung, als der Frankfurter Diplomat und Privatsammler Johann Isaac Freiherr von Gerning (1767–1837) seinen umfangreichen Bestand von Bücher und Karten, naturkundlichen Objekten, Altertümern und Volkskunst, sowie eine Kunstsammlung mit Zeichnungen, Drucken und Gemälden und eine Münzsammlung dem Herzogtum Nassau gegen Zahlung einer Leibrente von jährlich 2.000 Gulden übereignete.1 Aus der Gerningschen Sammlung und den die eigentliche Keimzelle des Museums bildenden Stücken des 1812 gegründeten Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung kristallisierten sich schließlich drei selbständige Museen heraus, die zusammen mit der Landesbibliothek im Erbprinzenpalais untergebracht waren. Als Träger dieser Museen fungierten neben dem Verein für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung der Nassauische Verein für Naturkunde und der 1847 (ursprünglich unter der Bezeichnung Gesellschaft der Freunde der bildenden Kunst im Herzogtum Nassau) gegründete Nassauische Kunstverein.

Planung eines Neubaus

Die durch die Sammeltätigkeit der Museen bereits während des 19. Jahrhunderts wachsende Platznot gab Anlass, dass sich die Stadt Wiesbaden bei der übernahm der Trägerschaft der vier im Erbprinzenpalais beherbergten Sammlungen in den Jahren 1899/1900 vertraglich dazu verpflichtete, ein neues Gebäude samt Inneneinrichtungen zu errichten.
Nachdem sich aber bereits zu Beginn der ursprünglichen Planungen für einen Neubau abzeichnete, dass das vorgesehene Grundstück in der Rheinstraße für einen größeren Bau zur Ansiedelung von vier Instituten zu klein bemessen war, traf man 1907 die Entscheidung, auf dem ursprünglich für den Gesamtbau vorgesehenen Grundstück ein separates Gebäude für die Königliche Bibliothek (nach Übergang in städtische Trägerschaft Nassauische Landesbibliothek) zu schaffen. 1911 legte Theodor Fischer Entwürfe für den Museumsneubau vor, die in einer überarbeiteten Fassung die Grundlage für die Auftragsvergabe bildeten. Unter Leitung des städtischen Hochbauamtes wurde 1913 mit der Errichtung des Museums begonnen.
(KU)


  1. Goethe hatte 1816 in seinem Aufsatz Kunst und Altertum am Rhein und Main um die Übergabe der Großteils auf die Sammeltätigkeit von Gernings Vater zurückgehenden Sammlungen an das Herzogtum Nassau gebeten. Gerning hatte allerdings durch seine Beteiligung an der Gründung des Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung bereits zwei Jahre damit begonnen, die Übergabe seiner Altertumssammlungen vorzubereiten.
Belege
Weiterführende Informationen
Hebis-Klassifikation
217010 ,Museum
Hebis-Schlagwort
Wiesbaden ; Wiesbaden, Museum Wiesbaden
Empfohlene Zitierweise
„Einweihung des Museumsneubaus in Wiesbaden, 1. Oktober 1915“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edb/id/471> (Stand: 1.10.2018)
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Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde