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Erste große Lederwaren-Fachmesse in Offenbach, 28. Januar 1950

In Offenbach am Main findet im Capitol-Lichtspielhaus die erste große Lederwarenfachmesse nach dem Zweiten Weltkrieg statt, nachdem bereits im Vorjahr eine Verkaufsausstellung in der früheren Synagoge der Stadt (dem heutigen Theater) erfolgreich durchgeführt worden war.1 Im Rahmen einer von Stadtkämmerer Karl Wicklaus eröffneten Feierstunde begrüßt der seit 1947 amtierende Präsident der Offenbacher Industrie- und Handelskammer Friedrich Hengst in- und ausländischen Gäste aus Wirtschaft und Politik. Glückwunschadressen zum Start der Messe äußern der hessische Innenminister Heinrich Zinnkann (1885–1973), ein Vertreter des Bundeswirtschaftsministeriums und Regierungspräsident Wilhelm Arnoul (1893–1964). Als Vertreter der US-Militärregierung in Hessen übermittelt der Resident-Officer von Frankfurt, Regigan, Gratulationen zur Ausstellungseröffnung. Anton Schäfers, Vorsitzender der Vereinigung der Lederwaren- und Kofferhersteller hält eine Rede zur wirtschaftlichen Bedeutung und zur Struktur der neu ins Leben gerufenen Messe. Anschließend begeben sich die Gäste – darunter Angehörige politischer Vertretungen des Auslandes sowie eine isländische Handelsdelegation – in die Ausstellungsräume.

Bereits am gestrigen Freitagnachmittag hatte die Stadt Offenbach im Rahmen einer Pressekonferenz im Theater an der Goethestraße überblicksartig zur Verkaufsausstellung informiert. Dabei wurde betont, dass sich die neugegründete Messe von den in den letzten Jahren zahlreich durchgeführten Leistungsschauen kleinerer Städte deutlich hervorhebe. Gedacht sei sie als Vorstufe zu einer ständigen deutschen Lederwarenmesse, die zweimal jährlich in Offenbach durchgeführt werden solle. Insgesamt beteiligen sich 155 Aussteller, die ihre Produkte auf einer 2.500 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche präsentieren.

Schon zu Beginn der folgenden Woche wird die Lederwaren-Fachmesse von der Ausstellungsleitung als voller Erfolg bewertet: nach nur zwei Verkaufstagen haben rund 8.000 Einkäufer die Messestände besucht. Die Messe schließt ihre Tore am 2. Februar 1950 und kann bis zu diesem Tag das im vorangegangenen Jahr erzielte Umsatzergebnis mehr als verdoppeln.
(KU)


  1. Im Oktober 1949 war unter dem Motto „Lederwarenindustrie und Marshallplan“ eine Verkaufsausstellung für Offenbacher Lederwaren und Reiseartikel in der früheren Synagoge der jüdischen Gemeinde der Stadt durchgeführt worden, an der sich 55 hauptsächlich aus dem Raum Offenbach stammende Aussteller beteiligten, und die nicht zuletzt ein Zeichen der Dankbarkeit für die von der amerikanischen Besatzungsmacht geleisteten Aufbauhilfen setzen sollte.
Belege
Weiterführende Informationen
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.8.1983, S. 36: Die Lederwarenmesse ist ein Kind des Marshall-Plans: Zum Fünfundsiebzigsten eine neue Messehalle, die Kreisbeteiligung und Aufmerksamkeiten für die Anwohner
Empfohlene Zitierweise
„Erste große Lederwaren-Fachmesse in Offenbach, 28. Januar 1950“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edb/id/160> (Stand: 18.6.2020)
Ereignisse im Dezember 1949 | Januar 1950 | Februar 1950
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