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Verleihung des Europapreises des Europarates an die Stadt Darmstadt, 11. Oktober 1975

Die südhessische Stadt Darmstadt erhält als Auszeichnung für „ihren besonderen Einsatz zur Verbreitung des Europagedankens“ den 1955 durch das Ministerkomitee des Europarats ins Leben gerufenen Europapreis, der jährlich nach Billigung des Ausschusses für Umwelt, Landwirtschaft und Gebietskörperschaften der Parlamentarischen Versammlung des Europarates zuerkannt wird. Der die Verleihung an Darmstadt betreffende Beschluss war bereits am 12. April in Straßburg verkündet worden.

René Radius (1907–1994), Vizepräsident der Parlamentarischen Versammlung und Vorsitzender des Ausschusses für Raumordnung und Kommunalfragen des Europarats, überreicht im Rahmen einer Festsitzung der Stadtverordneten im neuen Staatstheater am Georg-Büchner-Platz die mit der Verleihung des Preises verbundene Pokal-Wandertrophäe, sowie die dazugehörige Medaille und Urkunde.

Darmstadt, das mit den sechs europäischen Städten Alkmaar (Holland), Bursa (Türkei), Chesterfield (Großbritannien), Graz (Österreich), Trondheim (Norwegen) und Troyes (Frankreich) verschwistert ist, hatte bereits 1964 in Anerkennung seines besonderen Engagements für den freundschaftlichen Austausch mit europäischen Partnern die Ehrenfahne des Europarates (Europafahne), die Voraussetzung für die spätere Verleihung der Ehrenplakette und des eigentlichen Europapreises ist.1

Darmstadts Oberbürgermeister Heinz Winfried Sabais (1922–1981) erinnert in seiner Dankesrede an Persönlichkeiten der Stadt wie Heinrich von Brentano (1904–1964), Ludwig Metzger (1902–1993) und Kasimir Edschmid (1890–1966), die bereits zu einem frühen Zeitpunkt Initiativen zur Verbreitung des europäischen Verständigungs- und Einheitsgedankens ergriffen. Unter den mannigfaltigen Austauschaktivitäten der Gegenwart, die Schulen, Sportlervereine und Chöre, Künstler und kirchliche Gruppen, aber auch Unternehmen und Behörden zusammenführe, hebt Sabais die intereuropäische Verbindung der Zentralämter der Post als besonders ertragreich hervor. Gleichzeitig bedauert er, dass frühere Kontaktversuche mit der Stadt Prag nicht zu dem gewünschten Erfolg einer weiteren Partnerschaft geführt hätten.

Zeitgleich zur Übergabe des Europapreises durch den Europarat verleiht die Stadt ihrerseits den Ehrenring „Pro Europa“ an den französischen Senator und Ehrenbürgermeister der Partnerstadt Troyes (Départements Aube im Nordosten Frankreichs), Henri Terré (1900–1978). Terré hatte 1958 gemeinsam mit dem verstorbenen Darmstädter Oberbürgermeister Dr. Ludwig Engel (1906–1975) die erste Städtepartnerschaft begründet.
(KU)


  1. Seit 1961 vergibt der Ausschuss für Umwelt, Landwirtschaft und Gebietskörperschaften der Parlamentarischen Versammlung des Europarates die mit Gold bestickte und Goldfransen versehene Ehrenfahne an eine Auswahl von Städten, die sich nach dem Urteil der dem Ausschuss angehörigen Parlamentarier durch herausragendes Engagement um den europäischen Einigungsgedanken verdient gemacht haben. Im Rahmen einer von der geehrten Stadt ausgerichteten Feier werden jährlich etwa 20 bis 25 Europafahnen verliehen.
Belege
Weiterführende Informationen
Hebis-Klassifikation
422049, Gemeindepartnerschaft
Hebis-Schlagwort
Südhessen ; Suedhessen / Gemeindepartnerschaften
Empfohlene Zitierweise
„Verleihung des Europapreises des Europarates an die Stadt Darmstadt, 11. Oktober 1975“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edb/id/1366> (Stand: 4.11.2020)
Ereignisse im September 1975 | Oktober 1975 | November 1975
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