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Propagierung der Hessischen Juwelen- und Goldwoche, 17.-24. Februar 1918

Während des Ersten Weltkrieges galt es, den Außenwert der Reichsmark möglichst stabil zu halten. Ein Ziel, das nur durch eine entsprechende Golddeckung zu erreichen war. Mithin wurden immer wieder sogenannte Goldwochen veranstaltet, in denen die Bevölkerung aufgefordert war, ihr Gold bzw. in ihrem Besitz befindliche goldhaltige Wertgegenstände (Münzen, Schmuck etc.) zu speziell dafür eingerichteten Goldankaufsstellen zu bringen, um sie dort gegen Papiergeld einzutauschen.

Die im Februar 1918 veranstaltete hessische Juwelen- und Goldwoche, die unter der Schirmherrschaft von Großherzog Ernst Ludwig (1868–1937) steht, wird von der Darmstädter Zeitung in der Samstagsausgabe vom 16. Februar, einen Tag vor ihrem Beginn, zum ersten, ein letztes Mal in der Samstagsausgabe vom 23. Februar propagiert. Dies geschieht auf sehr unterschiedliche Art und Weise.

In Kleinanzeigen, die mittig auf den Titelseiten angeordnet sind, kommt zunächst in faksimilierten Handschriften die oberste Heeresleitung zu Wort. Am 16. und 18. Februar ist dort »Unser Gold im Kriege dem Vaterlande« (von Hindenburg) und »Wer Gold behält verkennt die Stunde« (Ludendorff) zu lesen. Auf den nachfolgenden Ausgaben finden sich Parolen, die auf die einmalige Gelegenheit hinweisen, Gold und Juwelen zum hohen Auslandspreis verkaufen zu können, postulieren, das es eine patriotische Tat sei, Ketten und Ringe zur Goldankaufsstelle zu bringen, oder dazu auffordern, Frauen und Mädchen, die nach wie vor Goldschmuck tragen, zu bedeuten, dass sie ihre vaterländische Pflicht verletzen.

An das vaterländische Ehr- und Pflichtgefühl appellieren in den Ausgaben vom 18., 20. und 23. Februar auch Gedichte mit den Titeln »Gold zur Schmiede!«, »Gebt Gold!«, »Forderung der Stunde« und »Dem Vaterlande!«.

Auf einer Anzeige, die am 19. und 21. Februar in der Darmstädter Zeitung abgedruckt ist, und über die Öffnungszeiten der Goldankaufstelle Darmstadt am Paulusplatz 1 informiert, wird mit dem Versprechen geworben, dass jeder, der eine goldene Kette zum Verkauf anbietet, dafür mit einer eisernen Erinnerungskette belohnt wird.

Am 16., 19. und 22. Februar schaltet der Ehrenausschuss der Goldankaufstelle Darmstadt Anzeigen, die ebenfalls die Öffnungszeiten der Darmstädter Goldankaufsstelle im Gebäude der Landes-Hypothekenbank kundtun. Sie zeigen ein rundes Emblem, auf dem eine kniende Frau zu sehen ist, die eine Kette darreicht. Das Symbol trägt die zweiteiligen Umschrift: »GOLD GAB ICH ZUR WEHR / EISEN NAHM ICH ZUR EHR«.

Das gleiche Emblem zeigt auch eine Großanzeige, die in der Ausgabe vom 16. Februar zu finden ist. In dieser wird die Notwendigkeit des Goldankaufs durch die Reichsbank erläutert und darauf aufbauend an den Patriotismus der Bevölkerung appelliert. Unter dem Text der Anzeige, der mit den Worten schließt, »Laßt Euch nicht beschämen von unseren Helden draußen, die opfermutig und ohne Zögern ihr Herzblut für Euch hingeben«, sind in alphabetischer Reihenfolge fast 40 Namen von Unterstützern aufgeführt, unter denen sich neben Politikern auch andere hochrangige Personen des öffentlichen Lebens finden.1

Und auch die evangelische Landeskirche nutzt die Samstagsausgabe der Darmstädter Zeitung vom 16. Februar, um ihre Geistlichen dringlich zu ersuchen, in den Sonntagsgottesdiensten des 17. und 24. Februar auf die hohe Wichtigkeit hinzuweisen, Goldschmuck und Edelsteine bei den Goldankaufsstellen abzuliefern.
(MG)


  1. Dazu gehören unter anderem Franz Bamberger (1855–1926), Johann Becker (1869–1951), Georg Best (1855–1946), Andreas Dullo (1862–1945), Carl von Ewald (1852–1932), Johann Falk (1850–1930), Hermann Finger (1864–1940), Paul Gisevius (1858–1935), Wilhelm Glässing (1865–1929), Emil Göttelmann (1858–1928), Philipp Hangen (1848–1920), Friedrich von Hombergk zu Vach (1857–1935), Karl Keller, Heinrich Köhler (1859–1924), Arthur Osann (1862–1924), Karl Jakob Preetorius (1854–1947), Heinrich Reh (1860–1946), Erich Reuleaux (1883–1967), Siegmund Salfeld (1843–1926), Adam Joseph Schmitt (1855–1928), Karl Fürst zu Solms-Hohensolms-Lich (1866–1920), Carl Ulrich (1853–1933), Karl Usinger (1864–1932), Jacob Walter (1855–1922) und Karl Weber (1864–1929).
Belege
Weiterführende Informationen
Empfohlene Zitierweise
„Propagierung der Hessischen Juwelen- und Goldwoche, 17.-24. Februar 1918“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edb/id/3884> (Stand: 7.1.2020)
Ereignisse im Januar 1918 | Februar 1918 | März 1918
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