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Mitarbeiter der Vereinigten Deutschen Metallwerke AG in Heddernheim besetzen die Werkstore, 26. Oktober 1981

Am Mittag besetzen Arbeiter des Heddernheimer Werks der Vereinigten Deutschen Metallwerke AG (VDM) die Werkstore, um gegen die drohende Schließung und den von der Firmenleitung vorgelegten Sozialplan zu protestieren. Zu der Besetzung hatten sich einige Mitarbeiter entschlossen, nachdem der Betriebsrat die Belegschaft auf dem Werkshof über den derzeitigen Stand der Sozialverhandlungen informiert hatte.

Der zwischen dem Unternehmensvorstand, Vertretern der IG Metall und einem Betriebsratsausschuss verhandelte Sozialplan sollte ursprünglich nach dem Muster des als vorbildlich geltenden Sozialplans der ebenfalls von der Schließung bedrohten Adler-Werke in Frankfurt ausgehandelt werden. Der bei Adler durchgesetzte Plan sieht vor, dass alle Arbeitnehmer, die das 40. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, pro Jahr der Firmenzugehörigkeit 60 Prozent ihres Monatsverdienstes als Abfindung erhalten. Die Arbeitnehmervertreter bei VDM fordern jedoch, die Abfindung pro Jahr mit 100 Prozent eines Monatsverdienstes anzusetzen. Da sich auf der bestehenden Verhandlungsbasis bei VDM keine Einigung abzeichnet, wurden die Verhandlungen am vergangenen Freitag ausgesetzt.

Als Folge der Besetzung steht die Produktion bei VDM in Heddernheim praktisch still. Am folgenden Mittwoch (28. Oktober) werden die direkten Verhandlungen über einen Sozialplan für die 1.700 Beschäftigten des Heddernheimer VDM-Stammwerks, das im August 1983 geschlossen werden soll, endgültig für gescheitert erklärt. In der Nacht vom 1. auf den 2. November gelangen die streitenden Sozialpartner schließlich doch zu einer Einigung, die vorsieht, dass jeder VDM-Mitarbeiter pro Jahr seiner Betriebszugehörigkeit eine einmalige Abfindung in Höhe von 60 Prozent des Bruttomonatsverdienstes bekommt. Diese Abfindung erhöht sich für alle Arbeitnehmer, die bei ihrem Ausscheiden das 45. Lebensjahr vollendet haben, um 3,5 Prozent pro Lebensjahr. Der Sozialplan schreibt allerdings auch fest, dass kein Mitarbeiter eine höhere Gesamt-Abfindung als 100.000 DM erhält. Gemäß dieser Vereinbarung liegt das Volumen des Sozialplans bei über 40 Millionen DM. Entgegen den ursprünglichen Forderungen der Arbeitnehmervertreter liegt die Höhe der Abfindungen in einzelnen Bestimmungen durchgehend leicht unter den Bedingungen des Sozialplans der beschäftigten der Adler-Werke.
(KU)

Belege
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.10.1981, S. 38: Schwierigkeiten mit dem Sozialplan: Bei VDM sind die Verhandlungen festgefahren
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.10.1981, S. 29: Arbeiter besetzen eile Werkstore: Unzufrieden mit den Sozialverhandlungen bei VDM
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.10.1981, S. 29: Bei VDM verhärten sich die Fronten: Vorstand verweist auf Konsequenzen der Werkstor-Besetzung / Keine Einigung über Sozialplan
  • Frankfurter Allgemeine Zeitung, 3.11.1981, S. 28: Kein Mitarbeiter erhält mehr als 100.000 Mark: Sozialplan bei VDM unter Dach und Fach / „Oberste Grenze des Vertretbaren“ / Kein Vorbild
Weiterführende Informationen
Empfohlene Zitierweise
„Mitarbeiter der Vereinigten Deutschen Metallwerke AG in Heddernheim besetzen die Werkstore, 26. Oktober 1981“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edb/id/1450> (Stand: 12.7.2020)
Ereignisse im September 1981 | Oktober 1981 | November 1981
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