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Beschäftige der Henschel-Werke demonstrieren gegen Aufstellung von Atomwaffen, 25. März 1958

In den Henschel-Werken in Kassel (im Stadtteil Nord-Holland und am Holländischen Platz) legen etwa 500 Arbeiter aus Protest gegen die atomare Bewaffnung die Arbeit nieder und ziehen unter der von den Sozialdemokraten herausgegebenen Parole „Kampf dem Atomtod“ in einem Demonstrationszug durch die Stadt. Der Bezirkssekretär der SPD Hessen-Nord, Bernhard Ahrens (1905–1978; Kassel), fordert die demonstrierenden Arbeiter auf, ihren Protest durch den Einsatz gewerkschaftlicher Mittel zu unterstreichen. Etwa 200 Teilnehmer des Demonstrationsmarsches versammeln sich schließlich am Haus des Deutschen Gewerkschaftsbundes, um eine Solidaritätserklärung der IG Metall zu erhalten. Daraufhin erklärt der Vorsitzende der Metallgewerkschaft für den Kreis Kassel, Stephan, dass es Aufgabe des Hauptvorstandes des Deutschen Gewerkschaftsbundes bleiben müsse, auf außenpolitische Entscheidungen der Bundesregierung zu reagieren. Er fordert die Demonstranten auf, den Ausstand zu beenden und in die Betriebe zurückzukehren. Die Unternehmensleitung von Henschel erklärt, es habe sich nur um kleinere Gruppen von Arbeitsniederlegungen gehandelt. Die meisten Demonstrationsteilnehmer seien bereits am Nachmittag an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt. Zugleich beschließt der Deutsche Bundestag am heutigen Tag mit der Stimmenmehrheit der über eine absolute Mehrheit verfügenden CDU/CSU-Fraktion und der rechtsgerichteten Deutschen Partei (DP) die Bundeswehr mit Trägersystemen für Nuklearwaffen auszurüsten und die Aufstellung von Atomwaffen unter dem Oberfehl der NATO in der Bundesrepublik zu erlauben.1 Bereits 1953 hatten die amerikanischen Streitkräfte damit begonnen, atomare Gefechtsfeldwaffen – Atomgranaten für das Artilleriegeschütz M65 („Atomic Annie“) in Westdeutschland zu lagern.

Die von einem breiten Bündnis unter Beteiligung von SPD, FDP, DGB der Gesamtdeutschen Volkspartei, Vertretern der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und des Linkskatholizismus sowie zahlreichen Wissenschaftlern und Schriftstellern im Februar 1958 ins Leben gerufene Initiative „Kampf dem Atomtod“ hatte am 10. März zum die deutsche Bevölkerung zum Widerstand gegen die Bewaffnung mit Atomwaffen aufgerufen.
(KU)


  1. Die Bundesrepublik Deutschland war am 9. Mai 1955 dem militärischen Bündnis zur Umsetzung des Nordatlantikvertrages North Atlantic Treaty Organization, kurz: NATO, beigetreten.
Belege
Weiterführende Informationen
Hebis-Schlagwort
Deutschland / Bundeswehr ; Kernwaffe ; Atomkriegsgefahr Deutschland ; Militärischer Einsatz
Empfohlene Zitierweise
„Beschäftige der Henschel-Werke demonstrieren gegen Aufstellung von Atomwaffen, 25. März 1958“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edb/id/1090> (Stand: 4.11.2020)
Ereignisse im Februar 1958 | März 1958 | April 1958
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