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Zeitgeschichte in Hessen - Daten · Fakten · Hintergründe

Streik der hessischen Metallarbeiter, 27. August 1951

In Hessen beginnt ein mehrwöchiger Arbeitsausstand der Metallarbeiter, nachdem die Metallarbeitgeber eine Forderung auf Erhöhung der Stundenlöhne um zwölf Pfennig auf 1,49 DM abgelehnt haben. In der Folge hatten die Mitglieder der Industriegewerkschaft Metall mit einem Abstimmungsergebnis von 88,5 Prozent den Streik befürwortet. Die Deutsche Angestelltengewerkschaft (DAG) beteiligt sich allerdings nicht an dem Arbeitskampf, da sich nur 63,5 Prozent ihrer Mitglieder (statt der erforderlichen 75 Prozent) für eine Beteiligung an dem Streik ausgesprochen haben. Da sich die Gewerkschaftsleitung aus taktischen Gründen entschieden hat, die Arbeitskampfmaßnahmen nur in den Bezirken Frankfurt, Hanau, Darmstadt und Offenbach durchzuführen, haben von den rund 180.000 Metallarbeitern in Hessen nach übereinstimmenden Angaben der Arbeitgeber- und der Arbeitnehmervertreter lediglich knapp 50.000 die Arbeit niedergelegt. Insbesondere jene nordhessischen Gebiete, die durch die Zonenteilung, den Flüchtlingszustrom und den Wegfall der vormals dort als Arbeitgeber dominanten Rüstungsindustrie zum Notstandsgebiet erklärt worden sind,1 bleiben vom Streik ausgenommen. Auch die Rüsselsheimer Opel-Werke, in denen zum gegenwärtigen Zeitpunkt Kurzarbeit geleistet wird, erhielten keinen gewerkschaftlichen Streikbefehl.2

Ein Kompromissangebot des Arbeitgeberverbandes, das ein Hausstandsgeld von zwei Pfennigen pro Stunde für jeden verheirateten Arbeitnehmer und ebenfalls zwei Pfennige für jedes Kind unter 14 Jahren vorsieht, wird am 1. September von den Verhandlungsführern der IG Metall abgelehnt.

Am 11. September droht der Vorsitzende der IG Metall, Walter Freitag (1889–1958; SPD), im Anschluss an eine Vorstandssitzung damit, als neues „Kampfmittel“ streikende ledige Arbeitnehmer in andere Tarifbezirke oder ins Ausland zu vermitteln.3
Zur Beendigung des Streiks siehe 22. September 1951.
(OV/KU)


  1. Vgl. Stefan Grüner, Geplantes „Wirtschaftswunder“? Industrie- und Strukturpolitik in Bayern 1945 bis 1973 (Reihe Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte 58), München 2009, S. 195 und 200.
  2. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.8.1951, S. 1.
  3. Vgl. Arnold Bettien, Arbeitskampf im Kalten Krieg. Hessische Metallarbeiter gegen Lohndiktat und Restauration (Schriftenreihe für Sozialgeschichte und Arbeiterbewegung 31), Marburg 1983, S. 141 und 256.
Belege
Empfohlene Zitierweise
„Streik der hessischen Metallarbeiter, 27. August 1951“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edb/id/993> (Stand: 19.10.2020)
Ereignisse im Juli 1951 | August 1951 | September 1951
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