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Reise des russischen Revolutionärs W. I. Lenin durch Deutschland, 10. April 1917

Nach Verhandlungen mit den deutschen Reichsbehörden reist der in der Schweiz im Exil lebende russische Bolschewist Wladimir Iljitsch Lenin (1870–1924) mit Begleitung in verplombten Wagen durch Deutschland. Die Reise bildet den Auftakt zur bolschewistischen Oktoberrevolution in Russland.

Der planmäßige Zug mit den Wagen Lenins und seiner Begleitung verlässt am 9. April um 15:10 Uhr Zürich. Die Reise verläuft ohne Zwischenfälle über Singen, Offenburg, Mannheim, Frankfurt am Main nach Berlin und von dort nach Bergen und Saßnitz auf Rügen, wo die Reisenden am 11. April verspätet ankommen und eine Nacht verbringen müssen, bevor sie nach Schweden und Russland weiterreisen können.
Die Reise verläuft von der deutschen Bevölkerung völlig abgeschirmt und unbemerkt, Zwischenfälle gibt es nicht. Die einzige, durch Dokumente belegte und von Lenin autorisierte Beschreibung der Reise stammt von dem Schweizer Sozialisten Fritz Platten (1883–1942), der als Transportführer fungiert1. Die bolschewistische Gruppe der Reisenden besteht aus 19 Personen, unter ihnen neben Lenin und seiner Frau Nadeschda Krupskaja (1869–1939) auch sein Mitarbeiter Georg Sinowjew (1883–1936) sowie der deutsch-polnische Sozialist Karl Radek (1885–1939). Zu den ausgehandelten Bedingungen gehört, dass das Gepäck der Reisenden ebenso verplombt wird wie die zwei D-Zug-Wagen und dass in Deutschland keine Passkontrolle stattfindet. Auf eigenen Wunsch fahren die Bolschewisten III. Klasse, weil viele von ihnen unbemittelt sind und daher den höheren Fahrpreis nicht bezahlen können. Außerdem ist vereinbart worden, dass die Presse keinerlei Meldung zur Durchreise der Revolutionäre veröffentlicht2.
(OV)


  1. Fritz Platten, Die Reise Lenins im plombierten Wagen durch Deutschland, 1924
  2. Eine kurze Meldung bringt am 11.4.1917 nur die Zürcher Morgen Zeitung. Auf Betreiben des deutschen Gesandten wurde daraufhin wenig später eine verharmlosende Meldung zu diesem Vorgang in die Zürcher Morgen Zeitung gesetzt: Zur Abreise russischer Flüchtlinge. Zu unserer Notiz vom 11. d. Mts. über die Rückkehr russischer Flüchtlinge in ihre Heimat erfahren wir, daß tatsächlich eine Anzahl russischer Emigranten die Heimreise durch Deutschland antreten durften, wobei jedoch keinerlei Rücksichten auf die politische Gesinnung der Heimkehrenden, unter denen sich auch Frauen und Kinder befanden, maßgebend waren
Belege
Weiterführende Informationen
Empfohlene Zitierweise
„Reise des russischen Revolutionärs W. I. Lenin durch Deutschland, 10. April 1917“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edb/id/4701> (Stand: 4.8.2020)
Ereignisse im März 1917 | April 1917 | Mai 1917
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