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Grabdenkmäler

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Wilhelm Burkhard Schenk zu Schweinsberg, gest. 1694, und seine Frau Anna Elisabetha geb. von Ehringshausen, gest. 1702, errichtet 1696, Hermannstein

Hermannstein · Gem. Wetzlar · Lahn-Dill-Kreis | Historisches Ortslexikon
Standort | Merkmale | Beschreibung | Inschrift | Nachweise | Zitierweise
Standort

Standort:

Hermannstein

Gebäude:

Hermannstein, Evangelische Pfarrkirche.

Heutiger Aufbewahrungsort:

Hermannstein, Evangelische Pfarrkirche.

Im Kircheninneren, an der südlichen Wand des Chores.

Merkmale

Datierung:

1694, 19. August / 1702, 7. April

Typ:

Epitaph

Material:

roter Sandstein

Erhaltung:

erhalten

Größe:

103 x 197 cm (B x H)

Größe der Buchstaben:

1,5-3 cm

Beschreibung

Beschreibung:

Der Stein ohne figürliche Wiedergabe der Verstorbenen weist in dem bestimmenden Inschriftfeld (A) eine Zweiteilung auf. Wie in der Regel gilt der linke Text dem Mann, der rechte der Ehefrau, ebenso erfolgt die Anordnung der Vollwappen in der Art der figürlichen Epitaphien. Aufgrund der noch dominierenden gestreckten Form des Ganzen erweist sich das gegebene Beispiel mit Blick auf die Entstehungszeit der Tradition des frühen 17. Jahrhunderts verpflichtet. Gute Ausarbeitung der Vollwappen sowie der Engelsköpfe.

Das Epitaph hat einen rollwerkgeschmückten, waagrechten unteren Ansatz mit Inschrift (B) in querovalem Feld. Eine profilierte Leiste darüber bestimmt die Breite des Steines, der an den seitlichen Rändern sehr schmale und langgestreckte Rollwerkformen aufweist. Je fünf übereinander angeordnete Vollwappen mit Namensbeischriften (D) bilden den Abschluß der zentralen Inschrift. Dieses leicht vertiefte Inschriftfeld wird von einer schmalen, erhabenen Leiste unterteilt. Darüber ein Engelskopf mit weit ausgebreiteten Flügeln genau in der Mitte, die dadurch ausgesparte Form wird von der Inschrift berücksichtigt. In dem waagerechten Feld darüber sechs Vollwappen mit Namensbeischriften (D), auch hier in der Mitte eine senkrechte Unterteilung. Dem waagerechten Abschluß ruht ein geschwungener Aufsatz auf mit zwei mittleren, umrahmten Vollwappen mit Namensbeischriften (D). In die abschließende Rollwerkumrahmung sind zwei Engelsköpfe mit ausgebreiteten Flügeln einbezogen. Über der Jahreszahl (C) erscheint zur Bekrönung der oberen Mitte ein strukturierter, gestreckt-halbkreisförmiger Gegenstand, sicherlich ein Pinienzapfen (Anm. 1).

Das Epitaph stammt mit ziemlicher Sicherheit aus der Werkstatt des Marburger Bildhauers Johann Adam Franck (1653-1705). Dies zeigt der Vergleich mit zwei von ihm signierten Stücken in Roßdorf (bei Amöneburg) und Marburg, die dem vorliegenden Stein insbesondere im Schriftbild und in der Ausführung der Engelsköpfe stark ähneln.

Anm. 1: Seit der Antike steht der Pinienzapfen für Fruchtbarkeit. Ausgehend von dieser Bedeutung entwickelte sich eine lange Tradition; er fand Aufnahme in die christliche Kunst und begegnet auch bei Grabmälern. Erinnert sei an die Bekrönung Dantes Grabbau in Ravenna. Vgl. A. Paolucci, Ravenna, 1971, Abb. S. 95 links.

Geschlecht, Alter, Familienstand:

weibliche Person(en) · Ehepaar · männliche Person(en)

Stand:

Adlige

Enthaltene Wappen:

Insgesamt 18 Vollwappen.

Im Giebel die Wappen der Eheleute: links Schenk zu Schweinsberg und rechts von Ehringshausen.

Darunter, oberhalb und seitlich des Hauptfeldes, weitere 16 Vollwappen. Diejenigen links der gedachten Vertikalachse des Denkmals stehen für die Ahnen des Wilhelm Burkhard Schenk zu Schweinsberg, die übrigen für die Ahnen seiner Frau.

a) Ahnenwappen des Wilhelm Burkhard Schenk zu Schweinsberg:

1) Schenk zu Schweinsberg, 2) von Haun, 3) von Schwalbach, 4) von Mansbach, 5) nochmals von Schwalbach, 6) von Wildungen, 7) von Boyneburg und 8) nochmals von Boyneburg.

b) Ahnenwappen der Anna Elisabetha geb. von Ehringshausen:

1) von Ehringshausen, 2) Schenk zu Schweinsberg, 3) nochmals Schenk zu Schweinsberg, 4) von Dörnberg, 5) von Lehrbach, 6) Riedesel von Josbach, 7) nochmals Riedesel von Josbach und 8) von Schachten.

Dargestellte Personen:

Das Epitaph wurde laut Jahreszahl im Giebel 1696 errichtet. Es gilt Wilhelm Burkhard Schenk zu Schweinsberg, gestorben am 19. August 1694 im Alter von 67 Jahren, und seiner Frau Anna Elisabetha geborene von Ehringshausen, die Letzte ihres Stammes, gestorben am 7. April 1702 im Alter von 67 Jahren, 5 Monaten und 4 Tagen (ihr Todestag und die Altersangabe in der Inschrift später ergänzt). Aus der 42-jährigen Ehe gingen laut Inschrift 14 Kinder hervor, von denen beim Tod Wilhelm Burkhards noch 11 lebten.

Nach den Stammtafeln der Familie Schenk zu Schweinsberg von Knetsch war der Verstorbene ein Sohn des Volpert Daniel Schenk zu Schweinsberg und der Mechthild Sabina von Haun und ein Enkel von Philipp Conrad Schenk zu Schweinsberg und Dorothea von Schwalbach. Von letzteren Eheleuten hat sich ein Doppel-Epitaph in Hermannstein erhalten. 1652 heiratete Wilhelm Burkhard Anna Elisabetha von Ehringshausen, Tochter des Johann Jost von Ehringshausen und der Anna Dorothea geb. Schenk zu Schweinsberg.

Inschrift

Umschrift:

A:

DEN /

XIX. AUG.(UST) /

IM IAHR /

UNSERES HEILAN= /

DES. M D CXCIV. /

SCHIEDE VON DIESER /

WELDT ZU EINEM /

BESSEREN LEBEN /

DER WOHLGEBOHRNE /

HERR WILHELM /

BURKHARDT /

SCHENCK. /

ZU SCHWEINSBURG /

NACHDEM DERSELBE /

LXVII. IAHR ZEIT= /

LICH GELEBET UND /

IN ZWISCHEN IN /

EINEM VERGNÜGTEN /

EHESTAND. VON XLII. /

IAHREN GOTTES /

REICH MIT XIV. /

KINDEREN DARUN= /

TER NOCH XI. AUF /

ERDEN SEINDT. /

VERMEHRET HATTE //

IM /

IAHR NACH /

DER MENSCH= /

WERDUNG GOTTES /

M DCC II. DEN /

VII TAG. APRIL /

FOLGETE IHREM /

EHEGEMAHL IN DAS /

EWIGE LEBEN DIE /

WOHLGEBOHRNE /

FRAU ANNA /

ELIZABETHA /

SCHENCKIN /

ZU SCHWEINSBURG /

DIE LETZTE DES /

UHRALTEM STAMS /

VO(N) ERINGSHAUSEN /

DEREN GOTT /

AUF DIESER ERDEN /

DIE FREUDE VON /

XIV. KINDEREN /

UND XXIV. /

ENKELEIN. /

GEGÖNNET. /

IM WITTW.(EN) STANDT /

VII IAHR. VII. M.(ONAT) XVIII • t(ag) • /

IHRES ALTERS • 67 • IAR • 5. M.(ONAT) 4 t(ag)

B:

Selig sind die Todten die im /

Herrn Sterben, von nun an, Ja /

Der Geist spricht das sie Ruhen

C:

1 • 6 • 9 • 6 •

D:

(Namensbeischriften zu den beiden Wappen im Giebel:)

Schenck zu Schweinsburg

Eringshaussen

(Namensbeischriften zu den Ahnenwappen des Mannes:)

VO.(N) SCHENCK.

VON HAUM.

VO.(N) SCHWALBACH

VO.(N) MANSBACH

VO.(N) SCHWALBACH

VO(N) WILDUNGEN

VO(N) BOYNEBURG

VO(N) BOYNEBURG

(Namensbeischriften zu den Ahnenwappen der Frau:)

VO(N) ERINGSHAUSSE(N)

VO.(N) SCHENCK.

VO.(N) SCHENCK.

VO:(N) DÖRINGENBERG

VON. LERBACH.

RITESS:(EL) VO(N) IOSBACH

RITESS:(EL) VO.(N) IOSBACH

VO.(N) SCHACHTEN

Kommentar:

Die Angaben zu Tod, Witwenstand und Alter der Anna Elisabetha Schenk zu Schweinsberg in Inschrift A sind nach ihrem Tod (1702) von anderer Hand ergänzt.

Schrift:

Kapitalis (A, C, teilweise D) und Fraktur (B, teilweise D)

Nachweise

Literatur:

  • Knetsch, Karl (Bearb. und Hrsg.): Stammtafeln der Freiherren Schenck zu Schweinsberg, Groß-Steinheim a. M. 1925, Tafeln XI und XII
  • Dieffenbach, Philipp: Miscellen als Beiträge zur Ortsgeschichte, in: Archiv für Hessische Geschichte und Altertumskunde AF 7, Heft 1 (1852), S. 159 ff., hier S. 169

Personen:

Schenk zu Schweinsberg, Volpert Daniel · Schenk zu Schweinsberg, Mechthild Sabina, geb. von Haun · Haun, Mechthild Sabina von, verheiratete Schenk zu Schweinsberg · Ehringshausen, Johann Jost von · Ehringshausen, Anna Dorothea von, geb. Schenk zu Schweinsberg · Schenk zu Schweinsberg, Anna Dorothea, verheiratete von Ehringshausen · Schenk zu Schweinsberg, Philipp Conrad · Schenk zu Schweinsberg, Dorothea, geb. von Schwalbach · Schwalbach, Dorothea von, verheiratete Schenk zu Schweinsberg · Franck, Johann Adam

Orte:

Marburg · Roßdorf (bei Amöneburg)

Sachbegriffe:

Wappen · Engelsköpfe · Pinienzapfen · Rollwerk · Bildhauer · Männer · Frauen · Ehepaare · Adlige · 16-Ahnen-Probe

Wappen:

Schenk zu Schweinsberg · Ehringshausen · Haun · Schwalbach · Mansbach · Wildungen · Boyneburg · Dörnberg · Lehrbach · Riedesel von Josbach · Schachten

Bearbeitung:

Christa Benedum, Gießen, und Andreas Schmidt, HLGL

Zitierweise
„Wilhelm Burkhard Schenk zu Schweinsberg, gest. 1694, und seine Frau Anna Elisabetha geb. von Ehringshausen, gest. 1702, errichtet 1696, Hermannstein“, in: Grabdenkmäler <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/gdm/id/1421> (Stand: 5.1.2017)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde