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Bericht über den Boykott gegen Juden in Frankfurt, Januar 1935

Die Deutschland-Berichte des SPD-Exilvorstands geben einen Reisebericht eines Augenzeugen wieder, der in Frankfurt am Main den neuen Judenboykott erlebt hat:

Ich kam in Frankfurt gerade in den neuen Judenboykott hinein, der sich so vollzog, daß vor einer großen Anzahl von wichtigen jüdischen oder für jüdisch gehaltenen Geschäften einige wenige SA-Leute in Zivil sich breitbeinig untergehakt aufpflanzten und das Betreten derselben verhinderten. Davor eine mehr oder weniger große Menschenmenge, in ihrer Mehrheit wohl ablehnend, und einige Polizisten, die die Menge zum Weitergehen aufforderten. Die nichtjüdischen Geschäfte sind unter mehr oder weniger sanftem Druck aufgefordert worden, einen Zettel mit einem Hakenkreuz und der Aufschrift; „Deutsches Geschäft" an der Ladentür oder im Schaufenster anzubringen. Nach meinen Beobachtungen sind in den Außenbezirken so ziemlich alle Geschäfte dieser Aufforderung nachgekommen, in der Innenstadt wurde die Aufforderung nur von einer kleinen Minderheit nicht befolgt. Mir ist bekannt, daß dabei die Abwägung des Vorteils der jüdischen gegenüber dem der Amtswalterkundschaft maßgebend war. Bei alledem ein Grad von Jämmerlichkeit, den man nicht erwartet hätte.
(OV)

Belege
Empfohlene Zitierweise
„Bericht über den Boykott gegen Juden in Frankfurt, Januar 1935“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edb/id/4828> (Stand: 8.1.2019)
Ereignisse im Dezember 1934 | Januar 1935 | Februar 1935
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