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Energiekonzern PreußenElektra reicht in Kassel Antrag auf Braunkohlenabbau am Hohen Meißner ein, Dezember 1980

Der Energierkonzern PreußenElektra (PREAG) hat beim Bergamt Kassel den Antrag auf Abbau von insgesamt 4,5 Millionen Tonnen Braunkohle am Hohen Meißner gestellt.1 Damit wäre die Versorgung des Borkener Braunkohlekraftwerks, dessen jährlicher Schwefeldioxidausstoß ungefähr die Hälfte dessen aller hessischer Kraftwerke zusammen beträgt, für ein weiteres Jahrzehnt gesichert sein.2 Der Energiekonzern kündigte in Wiesbaden an, einerseits bei Nichtgenehmigung des vorgelegten Antrags die Arbeitsplatzsituation von aktuell rund 1.300 Arbeitsplätzen im Braunkohlekraftwerk Borken nicht halten zu können, zugleich aber bereits mit Planungen zum Bau eines Kernkraftwerks am selben Standort befasst zu sein. Dieses solle in zehn Jahren fertiggestellt werden und das bestehende Braunkohlekraftwerk ablösen.3 Aktivisten des Natur-, Heimat- und Landschaftsschutzes bemühen sich seit mehreren Jahren, die Nutzung des Hohen Meißners als Rohstofflieferant für die industrielle Energiegewinnung abzuwenden.4 Auch die Bürger haben bereits mit 50.000 Unterschriften gegen eine Fortsetzung des Braunkohleabbaus Stellung bezogen.5

Unterstützung erhält der bürgerschaftliche Protest von den lokalen Politikern nur bedingt: die Sorge um einen für die Region deutlich spürbaren Stellenabbau ist der Motor für Überlegungen, die das Vorhaben der PREAG einbeziehen. Auch innerhalb der Parteien fällt die Einigung auf einen gemeinsamen Weg schwer.6 Während die FDP-Fraktion zunächst eine Prüfung der hessischen Energiesituation fordert, spricht sich FDP-Politiker Heinz-Herbert Karry (1920–1981) für den Braunkohleabbau aus,7 ebenso wie Hessens Ministerpräsident Holger Börner (1931–2006; SPD).8 Bereits am 8. Oktober 1964 lud der Rat für Landespflege nach Kassel ein, um gemeinsam mit allen betroffenen Stellen die Thematik zu erörtern. Damals kam man überein, dass der Braunkohlenabbau am Hohen Meißner die dortige Landschaft beeinträchtige. Ein Aspekt, der gerade mit der Einrichtung des Naturparks „Meißner-Kaufunger Wald“ verstärkt beachtet werden solle, so das Fazit des Rates für Landespflege.9
(FW)


  1. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.12.1980, S. 10, Die Kohlen von Frau Holles Berg.
  2. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 3.8.1984, S. 2: Auch Hessen hat sein „Buschhaus“; Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7.4.1986, S. 3: Braunkohle vom Hohen Meißner oder ein Kernkraftwerk in Borken.
  3. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.12.1980, S. 10, Die Kohlen von Frau Holles Berg.
  4. Vgl. Engels, Naturpolitik in der Bundesrepublik, S. 142,168.
  5. Vgl. DER SPIEGEL, 3/1983, 17.1.1983, Reine Dreckschleuder; Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.12.1980, S. 10, Die Kohlen von Frau Holles Berg; Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7.4.1986, S. 3, Braunkohle vom Hohen Meißner oder ein Kernkraftwerk in Borken.
  6. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4.8.1981, S. 4, Borken soll die Umwelt schonen, Arbeitsplätze sichern und noch Strom liefern; Frankfurter Allgemeine Zeitung, 3.12.1981, S. 12, Wie Dregger Hessen regieren würde.
  7. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.12.1980, S. 10, Die Kohlen von Frau Holles Berg.
  8. Vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 3.8.1984, S. 2: Auch Hessen hat sein „Buschhaus“.
  9. Vgl. Bernadotte, An den Ministerpräsidenten Herrn Dr. h. c. Dr. E. h. Georg-August Zinn, S. 3f.
Belege
Empfohlene Zitierweise
„Energiekonzern PreußenElektra reicht in Kassel Antrag auf Braunkohlenabbau am Hohen Meißner ein, Dezember 1980“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edb/id/5044> (Stand: 2.12.2020)
Ereignisse im November 1980 | Dezember 1980 | Januar 1981
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