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Bericht des Kasseler Regierungspräsidenten zum schlechten Gesundheitszustand der Bevölkerung, 9. Oktober 1900

Der in Kassel ansässige Regierungspräsident August von Trott zu Solz (1855–1938) schildert dem Kaiser in seinem Zeitungsbericht den schlechten Gesundheitszustand der Bevölkerung im Regierungsbezirk Kassel im Sommer des Jahres. Die große Hitze habe sich ungünstig auf den Gesundheitszustand der Kinder ausgewirkt. Eine erhebliche Anzahl von kleinen Kindern sei am Brechdurchfall verstorben. Auch bei Erwachsenen seien in den heißesten Wochen des Sommers einzelne Fälle der sogenannten cholera nostra [Sommerdiarrhoe] beobachtet worden. Wegen lokaler Scharlach- und Masernepidemien seien die Schulen an einigen Orten geschlossen worden, jedoch hätten die Krankheiten unter den Kindern ihre Opfer gefordert. Erkrankungen an Diphtherie und Unterleibstyphus seien in einzelnen Fällen aufgetreten, hätten sich jedoch nicht verbreitet, weil man in den Typhusfällen Brunnen geschlossen habe, auf deren Wasser man die Infektionen zurückgeführt habe. In der Strafanstalt in Ziegenhain habe es einen Pockenfall gegeben, vermutlich eingeschleppt aus Frankfurt am Main, wo etwa zehn bis zwölf Personen an Pocken erkrankt waren. Weitere Ansteckungen habe man durch Isolierung der Kranken verhindern können.
(OV)

Belege
Empfohlene Zitierweise
„Bericht des Kasseler Regierungspräsidenten zum schlechten Gesundheitszustand der Bevölkerung, 9. Oktober 1900“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edb/id/3219> (Stand: 26.3.2019)
Ereignisse im September 1900 | Oktober 1900 | Dezember 1900
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