Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Holzhausen am Hünstein

Ortsteil · 330 m über NN
Gemeinde Dautphetal, Landkreis Marburg-Biedenkopf 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

11 km südlich Biedenkopf

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss im Talkessel der Dautphe

Vom Ortskern ausstrahlend reichen die Siedlungsspitzen weit in die einmündenden Talgründe

Starke allseitige Siedlungsverdichtung und Siedlungserweiterung durch moderne Bebauung

Straßenverbindung zur B 453

Historische Namensformen:

  • Holzhusin, de (1232 (Kopie des 13. Jahrhunderts)) [Wyss I Nr. 28] (Identifizierung unsicher)
  • Holzhusen (1251) [ebd. Nr. 103]

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • Holzhausener Mühle
  • Auf eine Hofwüstung dicht am östlichen Ortsrand von Holzhausen deuten die Flurnamen Alter Hof, Menhob

Burgen und Befestigungen:

  • Vorgeschichtlicher Ringwall auf dem Hünstein ca. 1 km südöstlich Holzhausen. Die ovalförmige Wallanlage mit teilweise erhaltenen Mauerresten (Stein-Holzmauer?) hat eine Ausdehnung von ca. 150 m Länge und schließt sich im Norden und Westen an einen Steilabfall aus natürlichen Diabasklippen an. Im Süden deuten leicht versetzte Wallenden ein Tor an. Dem Hauptring vorgelagert ist im Südwesten ein weiterer, abgewinkelter, bis zu 2 m hoher Erdwall mit davorliegendem, bis zu 10 m breiten und 2 m tiefen Graben. Die Wallenden laufen ohne Anschluss zum Hauptring am Hang aus. Datierende Bodenfunde fehlen. Typologisch wäre die Anlage der ausgehenden Hallstatt- oder Latènezeit zuzuordnen.

Umlegung der Flur:

1960/1970

Älteste Gemarkungskarte:

1826/1828

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3466661, 5630844
UTM: 32 U 466600 5629032
WGS84: 50.81205176° N, 8.525921418° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

534007080

Flächennutzungsstatistik:

  • 1854 (Morgen): 3354, davon 1024 Acker (= 30.53 %), 524 Wiesen (= 15.62 %), 1710 Wald (= 50.98 %)
  • 1885 (Hektar): 879, davon 275 Acker (= 31.29 %), 82 Wiesen (= 9.33 %), 448 Holzungen (= 50.97 %)
  • 1961 (Hektar): 840, davon 351 Wald (= 41.79 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1577: 51 Hausgesesse
  • 1630: 37 Hausgesesse (errechnet)
  • 1630: 6 dreispännige, 7 zweispännige, 13 einspännige Ackerländer, 11 Einläufige. (2 Witwen)
  • 1677: 1 Freier, 41 Hausgründe, 3 Witwen, 18 ledige Personen
  • 1742: 39 Haushalte
  • 1830: 563 evangelische, 1 römisch-katholische Einwohner
  • 1867 (Erwerbspersonen): 181 Landwirtschaft, 3 Bergbau und Hüttenwesen, 1 Kirche und Gottesdienst, 5 Gemeindeverwaltung
  • 1885: 615, davon 547 evangelisch (= 88.94 %), 6 katholisch (= 0.98 %), 62 Juden (= 10.08 %)
  • 1961 (Erwerbspersonen): 226 Land- und Forstwirtschaft, 410 produzierendes Gewerbe, 73 Handel und Verkehr, 68 Dienstleistungen und sonstiges
  • 1961: 1565, davon 1383 evangelisch (= 88.37 %), 153 katholisch (= 9.78 %)

Diagramme:

Holzhausen am Hünstein: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1251: Gericht Dautphe
  • 1465: Amt Biedenkopf
  • 1537 und später: Gericht Dautphe im Amt Biedenkopf
  • 1821-1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Gladenbach
  • 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Biedenkopf
  • 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Biedenkopf
  • 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Biedenkopf
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf (Umbenennung)
  • 1932: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Dillenburg
  • 1933: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf
  • 1968: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Biedenkopf
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf

Altkreis:

Biedenkopf

Gericht:

  • 1821 Landgericht Gladenbach
  • 1867 Amtsgericht Gladenbach

Gemeindeentwicklung:

Am 1.7.1974 wurde Holzhausen am Hünstein im Zuge der hessischen Gebietsreform als Ortsteil der neu gebildeten Gemeinde Dautphetal eingegliedert.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1251 gibt Heinrich von Damshausen seine Zustimmung zu der Schenkung seines verstorbenen Bruders Konrad von Hälfte an den Deutschen Orden Marburg.
  • 1455 vermacht Gernand von Dausenbach dem Deutschen Orden Gefalle aus seinem Hof zu Holzhausen.
  • 1368 söhnen sich die von Hohenfels mit der Stadt Wetzlar aus wegen der Übergriffe der Stadt zu Holzhausen und am Streichenberg.
  • 1398 übergibt Peter Jung von Bauerbach seinen von Wiegand von Hirzenhain ererbten Besitz in Holzhausen vor dem Scheuerberg.
  • 1443: Der Marburger Bürger Wigand Mühlbach, dem das Kloster Caldern nachgewiesen hat, dass seine Vorfahren dem Kloster früher eine Gülte aus dem von ihm inzwischen veräußerten Mühlbachsgut in Holzhausen geschenkt hatte, weist dem Kloster diese Gülte erneut an aus seinem Hof oder einem Gut zu Dilschhausen.
  • 1463 verkaufen der Marburger Schöffe Ludwig Imhof und seine Frau Lise, geborene von Hohenfels, dem Hospital zu Biedenkopf 2 Gütchen zu Holzhausen.
  • 1577 erhält der Deutsche Orden Marburg Gefalle von 5 Gütern, das Haus Haina aus 1 Gut, die von Dernbach und von Hatzfeld jeweils aus 1 Gut in Holzhausen.
  • Ferner beziehen Gefalle aus Güterbesitz am Ort: die Grafen von Solms, die von Breidenbach genannt Breidenstein und die Rode

Zehntverhältnisse:

Der Zehnte in Holzhausen ist 1339 zur Hälfte nassau-dillenburgisches Lehen der von Hohenfels

Neubelehnungen bis 1517

1585 verkaufen die Grafen von Nassau nach dem Aussterben der von Hohenfels (1570) die Hälfte eines Viertels des Zehnten zu Holzhausen an Lorenz von Hesselbach

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1495/1496 und später: nach Dautphe eingepfarrt
  • Seit 1681 Pfarrei mit Damshausen als Filiale
  • Seit 1952 ist Herzhausen nach Holzhausen eingepfarrt
  • Damshausen 1950/52 ausgepfarrt

Pfarrzugehörigkeit:

Bis 1681 Filial von Dautphe, danach eigenständige Pfarrei.

Patronat:

Seit Gründung der Pfarrei landgräfliches Patronat.

Bekenntniswechsel:

Da bis 1681 Filial von Dautphe, Einführung der Reformation vermutlich unter dem Dautpher Pfarrer Albanus Nepotianus ab 1529.

Erster eigener evangelischer Pfarrer: Jakob Halgans 1681-1694

Reformierter Bekenntniswechsel: 1606, 1624 wieder lutherisch.

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Sendbezirk Dautphe

Wirtschaft

Wirtschaft:

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde in der zur Kilianshütte bzw. Wilhelmshütte gehörigen Grube Eisenkaute nordöstlich von Holzhausen Eisenerz abgebaut. Vergleiche die Flurnamen In der Eisengrube, Rotacker (nordöstlich und nördlich Holzhausen). Förderung 1871 eingestellt. Seit ca. 1800 bis ca. 1830 wurde in der Grube Goldkaute Bergbau auf Kupfer betrieben. Ein eigenes Pochwerk mit Schmelze soll sich im Wiesengrund des Dautphetales etwa auf der Hälfte der Strecke zur Amelose befunden haben. 1836 auf Abbruch versteigert. Auf ehemalige Köhlerei deutet der Flurname Im Kohlwäldchen (westlich von Holzhausen).

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Holzhausen am Hünstein, Landkreis Marburg-Biedenkopf“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/9493> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde