Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Ludwigshütte

Fabrik; Gewerbesiedlung · 292 m über NN
Gemarkung Biedenkopf, Gemeinde Biedenkopf, Landkreis Marburg-Biedenkopf 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Fabrik; Gewerbesiedlung

Lagebezug:

2 km nordwestlich Biedenkopf.

Lage und Verkehrslage:

Industrieansiedlung am rechten Lahnufer mit kleiner Wohn- und Gewerbesiedlung auf dem 1. Flußufer an der Einmündung des Hochbachs in die Lahn.

Auf die B 62 trifft bei Ludwigshütte die B 253.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Cölbe – Bad Laasphe ("Obere Lahntalbahn"; "Lahntalbahn I") (Inbetriebnahme der Strecke 19.3.1883).

Siedlungsentwicklung:

Die 1569 genannt Waldschmiede wohl gegen Mitte des 16. Jahrhundert erbaut. Vermutlich identisch mit einer 1530 zu erschließenden und 1547 genannten Hütte bei Biedenkopf, auf die damals Eisenstein aus dem Dillenburg. geliefert worden ist. 1572 wird bei der Waldschmiede eine Mahlmühle (Hüttenmühle) errichtet. 1588 werden als Zubehör der Eisenhütte Wassergraben, Räder, Wellen und Eisenwerk daran sowie ein Schmiedeamboß und 3 Kohlenschuppen genannt 1830 befinden sich auf dem Betriebsgelände außer den Fabrikanlagen (vgl. Ziffer 6) eine geräumige Hütteninspektions- und Hüttenschreiberwohnung (beide mit Ökonomiegebäuden), eine Hüttenvogtswohnung sowie Stuben und Kammern für die Hüttenleute. 1871 besteht der Ortsteil Ludwigshütte aus 42 Wohnhäuser

Historische Namensformen:

  • Waldschmitte (1569) [Staatsarchiv Marburg 110 acc. 1879/36 Nr. 74]
  • Eysenhutte (1588)
  • Ludwigshütte (1771)

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3465410, 5643040
UTM: 32 U 465350 5641223
WGS84: 50.92160581° N, 8.507018793° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

53400401005

Verfassung

Altkreis:

Biedenkopf

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1570 erneuert der Landgraf der Gewerkschaft der Waldschmiede auf der Hütte oberhalb Biedenkopfs die Leihe des Wassergangs, die teils landgräfliches, teils von breidenbacher Lehen ist; die Eigentumsrechte an den Gebäuden und Hütten mit ihrem Zubehör von der Gewerkschaft damals mit Erfolg beansprucht. 1588 erwirbt der Landgraf die breidenbacher Rechte am Wasserfall des Eisenhammers. Im gleichen Jahr kauft der Landgraf von den 4 damaligen Teilhabern der Hütte, Caspar von Breidenbach genannt Breidenstein, dem Biedenkopfer Rentmeister Seb. Bender sowie Thiel und Tobias Nickel deren freie erbeigene Eisenhütte mit allem Zubehörechts Bis 1749 war die Hütte unter landgräfliche Verwaltung; 1749-1777 an den Hüttenverwalter J. E. Doepp aus Biedenkopf verpachtet. Nach zwischenzeitlicher herrschaftlicher Verwaltung 1804 an den landgräfliche Kammerherrn Friedrich Karl von Breidenbach genannt Breidenstein, nach zwischenzeitliche herrschaftliche Verwaltung (1809-1812) an die breidensteinischen Erben verpachtet (bis 1825). 1835 wurde die Ludwigshütte einschließlich der zugehörigen Eisenhämmer zu Battenberg und Hatzfeld sowie den Berechtigungen zum ausschließlich Eisensteinbergbau in den Gemeinde Königsberg, Lixfeld, Rachelshausen, Rodheim/B, und Wommelshausen von dem Mechanikus Aug. Wernher aus Darmstadt und dessen Mitgewerken ersteigert. Bis Ende 1852 lief das Unternehmen unter wechselnden Firmenbezeichnungen als offene Handelsgesellschaft; danach als Aktiengesellschaft betrieben. Nach Ankauf der gesamten Aktien durch die Bank für Handel und Industrie in Darmstadt und die Mitteldeutsche Creditbank zu Meinigen (1859) unter der Firma hessischer Hüttenverein zu Ludwigshütte weitergeführt. 1869-1883 im Besitz der Fa. J. J. Jung (Amalienhütte, Eibeishäuser Hütte), ist die Ludwigshütte 1883 in der Aktiengesellschaft des Hessen-Nassauischen Hüttenvereins, 1935 in den Buderus'schen Eisenwerken (Wetzlar) aufgegangen
Wirtschaft

Wirtschaft:

1547-1552 wird Eisenstein aus dem Dillenburg. unter anderem auf eine Hütte bei Biedenkopf geliefert. 1587 erhält der Landgraf von einer der Hütten des Kloster Haina 10 Wag Eisen zur Erbauung eines neuen Eisenhammers bei Biedenkopf. 1608 läßt der Landgraf bei dem Hammerwerk einen Hochofen errichten, der auch Roheisen für das Hatzfelder Hammerwerk lieferte. Verschmolzen wurde in der Biedenkopfer Hütte Eisenstein aus dem Nassauischen und aus den Lixfelder Gruben. Nach 1664 wurden vorzugsweise die ertragreicheren Königsberger Eisenerze verschmolzen. 1673 war auf der Biedenkopfer Hütte ein Blechhammer in Betrieb, seit 1687 ein Stahlhammer. Stahlerzeugung wegen mangelnder Rentabilität gegen Ende des 17. Jahrhundert eingestellt. In den Jahren 1740-1777, als die Ludwigshütte verpachtet war, besaß der Hüttenbeständer Doepp kraft landgräflicher Verordnung das Eisenmonopol für eine größere Anzahl oberhess. Ämter. Die zur Ludwigshütte gehörigen Hammerwerke erzeugten gegen Ende des 18. Jahrhundert jährlich ca. 1001 Stabeisen. Betriebsausbau Anfang 19. Jahrhundert 1830 gehörten zur Ludwigshütte: ein Hochofen mit Henschel'schem Kettengebläse, ein neu erbauter Schmelzgebäude, ein Stabhammerwerk, Schuppen für Eisen- und Kalkstein, ein großes Eisenmagazin, ein Kohlenbehälter, ein Steinpochwerk mit Gichtenzug sowie eine Schlosser- und Schreinerwerkstatt. Hinzu kamen Wohnstätten des Hüttenpersonals (siehe Ziffer 2 d). Beschäftigt waren im Hochofenbetrieb 7, in der Hammerschmiede 17 Personen Die Produktionskapazität betrug 1100 t Roheisen, das teils auf der Ludwigshütte selbst, teils auf den Hämmern zu Hatzfeld und Battenberg zu Stabeisen verarbeitet wurde. Mit der Übernahme der Ludwigshütte durch A. Wernher erneute Ausweitung und Modernisierung des Hüttenbetriebs. Um 1840 verfügte das Werk über 2 Holzkohlehochöfen mit Warmwindapparaten, eine moderne Puddelanlage mit Weiß-, Puddel- und Schweißofen, eine Eisengießerei für direkten Guß aus dem Hochofen und 2 Kupolöfen zur Verarbeitung von Roh- und Brucheisen zu Gußwaren zweiter Schmelzung; damals galt die Ludwigshütte als eine der modernsten Industrieanlagen dieser Art in Deutschland. Rohstoffversorgung aus den betriebseigenen Eisensteingruben in den Gemeinde Rodheim/B, (bis um 1860), Königsberg und Rachelshausen sowie aus Gruben im Scheiderwaid. Roheisenerzeugung 1869: 951, 1874: 1089, 1879: 532, 1883: 615 t. Gußwarenproduktion 1869: 627, 1874: 932, 1879: 1324, 1883: 1337t. 1883 wurde die inzwischen unwirtschaftliche Holzkohlenverhüttung eingestellt; seitdem ausschließlich Eisengießerei, vornehmlich zur Herstellung von Herden und Öfen. 1888 erhielt die Ludwigshütte als erstes Unternehmen in Hessen-Nassau ein Emaillierwerk. 1879 betrug die jährliche Gußwarenerzeugung 3115t. Beschäftigt waren zu jener Zeit ca. 350 Arbeiter und Angestellte, 1935 ca. 700 Personen 1965: Umstellung der Ofen-und Herdproduktion auf Maschinenguß und Armaturenfertigung. 1975: Stillegung der Gießerei und des Emaillierwerkes, seitdem Luft- und Klimageräteherstellung sowie Flugzeugküchenfertigung. Belegschaftsstärke 1984: ca. 420 Beschäftigte

Nachweise

Literatur:

  • Buderus'sche Eisenwerke Wetzlar (Hg.), Vom Ursprung und Werden der Buderus'schen Eisenwerke Wetzlar. 1-2 (1938). G. Einecke, Der Bergbau- und Hüttenbetrieb im Lahn- und Dillgebiet und in Oberhessen. Eine Wirtschaftsgeschichte im Auftrage des Berg- und Hüttenmännischen Vereins zu Wetzlar (1932). - H. Schubert, Geschichte der nassauischen Eisenindustrie von den Anfängen bis zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1937), S. 77
Zitierweise
„Ludwigshütte, Landkreis Marburg-Biedenkopf“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/9514> (Stand: 8.11.2017)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde