Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Breidenbach

Ortsteil · 320 m über NN
Gemeinde Breidenbach, Landkreis Marburg-Biedenkopf 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf; Gemeinde

Lagebezug:

6 km südwestlich Biedenkopf

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss an der Einmündung des Himmelsbornbachs in die Perf. Kernbereich der Siedlung mit Kirche auf einem flachen, nach Westen abfallenden Sporn. Umlaufende ovale Wegeführung. Im Norden des Ortes lineare Bebauung entlang der B 253. Moderne Bebauung im Norden, Osten und Süden des Ortes.

Leicht abgesetzt vom Ort nach Westen Industrieanlage sowie der Bahnhof der Eisenbahnlinie Dillenburg – Biedenkopf/Wallau ("Scheldetalbahn") (Inbetriebnahme der Strecke 1.5.1911) bis Stilllegung der Strecke am 30.5.1987.

Auf die durch Breidenbach führende B 253 trifft im Ortsbereich Straße von Wolzhausen; von Westen einmündend Straße von Kleingladenbach. Alte Landstraße von Wetzlar und Gießen nach Laasphe führte durch Breidenbach Richtung Wiesenbach. Alte Amtsverbindung von Dillenburg/Herborn nach Biedenkopf kreuzte genannte Landstraße im Ortsbereich von Breidenbach.

Ersterwähnung:

913

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • villa 913

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • Bachmühle,
  • Wüstung Unterste Mühle

Umlegung der Flur:

1862-1868

Älteste Gemarkungskarte:

1831

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3461836, 5639162
UTM: 32 U 461777 5637347
WGS84: 50.88652228° N, 8.456598677° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

534005020

Flächennutzungsstatistik:

  • 1854 (Morgen): 3932, davon 1696 Acker (= 43.13 %), 465 Wiesen (= 11.83 %), 1613 Wald. (= 41.02 %)
  • 1885 (Hektar): 983, davon 281 Ackerland (= 28.59 %), 115 Wiesen (= 11.70 %), 422 Holz. (= 42.93 %)
  • 1961 (Hektar): 983, davon 484 Wald (= 49.24 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1577: 40,1630:40 Hausgesesse 1677: 35 Männer, 2 Witwen, 7 Jungmannschaften, 10 ledige Mannschaften 1742: 109 Haushalte 1834: 764, 1885: 698, 1925: 1012, 1939: 1127, 1950: 1737, 1961: 2196 Einwohner. 1830: 648 evangelische, 2 römisch-katholische, 66 jüdische Einwohner. 1961: 1657 evangelische, 495 römisch-katholische Einwohner. 1630: 8 zweispännige, 23 einspännige Ackerländer, 9 Einläufige. (mit Witwen). 1867 (Erwerbspersonen): 134 Landwirtschaft, 1 Forstwirtschaft, 36 Gewerbe und Industrie, 21 Handel, 6 Verkehr, 2 Gesundheitspflege, 2 Erziehung und Unterricht, 2 Kirche und Gottesdienst, 2 Staatsverwaltung, 1 Gemeindeverwaltung, 3 Personen ohne Berufsausübung. 1961 (Erwerbspersonen): 202 Land- und Forstwirtschaft, 717 produzierendes Gewerbe, 79 Handel und Verkehr, 76 Dienstleistungen und sonstiges
  • 1885: 615 evangelisch, 11 katholisch, 72 Juden
  • 1961: 2196, davon 1657 evangelisch (= 75.46 %), 495 katholisch (= 22.54 %)

Diagramme:

Breidenbach: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1413 gehört Breidenbach hinter dem Kirchhof zum Gericht Wallau, Breidenbach vor dem Kirchhof zum Gericht Breidenbach.
  • Um 1500 und später: Amt Grund Breidenbach in der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt
  • 913: Perfgau
  • 1327: Gericht Breidenbach
  • 1821-1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Battenberg
  • 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Biedenkopf
  • 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Biedenkopf
  • 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Biedenkopf
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf (Umbenennung)
  • 1932: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Dillenburg
  • 1933: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf
  • 1968: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Biedenkopf
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf

Altkreis:

Biedenkopf

Gericht:

  • Das 1327 erstmals genannte Gericht Breidenbach dürfte aus der Teilung einer älteren, umfassenderen Gerichteinheit des Breidenbacher Grundes hervorgegangen sein, die zumindest das Gericht Wallau, vielleicht auch das Gericht Melsbach mitumfasst hatte. Die Gerichtherrschaft dürfte ursprünglich den Herren von Breidenbach allein zugestanden haben. Im 14. Jahrhundert begegnen dann mehrere adlige Familien im Besitz von Gerichtrechten: 1327 verkaufen Volpert und Johann von Selbach die von ihrem Urgroßvater Gerlach von Breidenbach ererbten Gerichtsrechte an Friedrich von (Bicken-) Kesterburg und Eckehard von Bicken; möglicherweise handelte es sich dabei aber nur um eine Verpfändung, die von den von Selbach bis gegen Ende 14. Jahrhundert gelöst worden wäre (Lennarz S. 215). 1380 verkauft Johann Rump von Hohenfels seinen Anteil am Gericht Gerlach und Johann von Breidenbach. 1386 verkauft Gerhard genannt Wolf von Selbach seine Gerichtrechte zu Biedenkopf Wilhelm von Selbach, 1402 an Johann von Breidenbach. 1437 belehnt Grafen Georg von Sayn-Wittgenstein Gerlach und Philipp von Biedenkopf, wie schon deren Eltern, mit 1 Drittel und 1 Achtzehntel des so genannten Samtgerichts Breidenbach, dazu mit einem weiteren Sechstel, das die von Breidenbach von den von Selbach pfandweise besaßen. Im Unterschied zu den beiden anderen Gerichten des Breidenbacher Grundes, dem so genannten Schmittgericht (Wallau, Ziffer 3a) und dem Gericht Melsbach wurde das Samtgericht Breidenbach nach einer zwischen 1359 und 1387 anzusetzenden Dreiteilung aller Gerichtrechte der von Breidenbach im Breidenbacher Grund von den Familienangehörigen weiterhin ganerbschaftlich verwaltet. Die 1437 überlieferte Lehnsauftragung an die Grafen von Wittgenstein dürfte erstmals nach 1350 erfolgt sein (Lennarz S. 205ff.). Nach einem Weistum von 1483 waren die von Breidenbach alleinige Gerichtherren mit Gebot und Verbot, hoher und niederer Gerichtsbarkeit. Die Gerichtsstätte befand sich 1483 vor dem Kirchhof bei dem Heißen Stein. Gericht (Amt) Grund Breidenbach. Entstanden ca. 1500 durch Zusammenfassung der älteren Gerichteinheiten des Samtgerichts Breidenbach, des Schmittger. Wallau und des Gericht Melsbach. Seit 1575 erwerben die Landgrafen sukzessiv Gerichtrechte im Breidenbacher Grund, der bereits um 1496 der landgräflichen Landeshoheit unterstellt war. 1577 steht die Gerichtsbarkeit zu 1 Viertel den Landgrafen, zu 3 Viertel den von Breidenbach und von Breidenstein zu. Ein weiteres Achtel erhalten die Landgrafen 1594 von Kaspar von Breidenbach genannt Breidenstein. Noch 1577 waren die Gerichtherren gleichermaßen für die hohe und niedere Gerichtsbarkeit zuständig. 1604, endgültig aber 1691, verzichteten die von Breidenbach gegenüber den Landgrafen auf die hohe Gerichtsbarkeit.; Iandgräfliche Leibeigene waren bereits seit ca. 1500 bei Güterstreitigkeiten an das Eigengericht (Ober-) Eisenhausen als Gerichtsstand gebunden; mit der Reformation gelangten zudem auch alle Kirchen- und Ehesachen in landgräfliche Zuständigkeit. 1823 wurde die Patrimonialgerichtsbarkeit, 1841 auch die Feld- und Rügegerichtsbarkeit der von Breidenbach aufgehoben. 1581 befindet sich der Galgen des Gericht Breidenbach in der Gemeinde von Breidenstein; der Versuch der von Breidenbach, den Galgen wieder in das (ehemalige) Gericht Meisbach zurückzuversetzen, scheitert am Einspruch des Landgrafen. Schöffen 1509. Schultheiß 1583.
  • 1821: Landegericht Biedenkopf
  • bis 1823: Patrimonialgericht Grund Breidenbach
  • 1867: Amtsgericht Biedenkopf

Gemeindeentwicklung:

Zur Entwicklung der im Zuge der hessischen Gebietsreform neu gebildeten Gemeinde s. Breidenbach, Gemeinde. Sitz der Gemeindeverwaltung ist Breidenbach.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 913 schenkt der Priester Guntbald dem Walpurgisstift Weilburg seinen umfangreichen Besitz in den Dörfern Breidenbach und (Klein-) Gladenbach einschließlich 42 Höriger beiderlei Geschlechts, behält sich jedoch lebenslängliche Nutzung vor. 1365 verkauft Ide, Witwe Gumbrachts von Hohenfels, ihrem Neffen Ludwig von Breidenbach einen Zins aus ihrem Teil des Hofes zu Breidenbach, den sie zusammen mit ihrem Bruder Ellung von Breidenbach besitzt, sowie einen Zins aus ihrem Gütchen ebenda. 1369 verkaufen die Brüder Adolf und Arnold von Nordeck Ellung von Breidenbach und ihrem Neffen Ludwig von Breidenbach ihren Teil der 2 Güter zu Breidenbach: das eine Gut hinter dem Kirchhofgelegen, das andere genannt das Losengut. 1395 übergibt Gerlach von Diedenshausen die von seiner verstorbenen Schwester, Jutta von Hohenfels, ererbten Güter zu Breidenbach und Wiesenbach. Bei einer Erbteilung der von Hohenfels und von Breidenbach erhält 1369 Gerlach von Breidenbach alles Gut zu Breidenbach. 1429 und später befindet sich in Breidenbach hinter dem Kirchhof ein dem Landgraf lehnbares Schloß der von Breidenbach 1383 erwirbt der Biedenkopfer Bürger Heinz Pintzier von Gerlach von Breidenbach Gefälle aus dessen Güterbesitz, 1384 des weiteren Güterbesitz in Breidenbach von Konrad Hobemann. 1410 erwirbt Katharina, Witwe des Heinz Pintzier, einen Teil des so genannten Hasenstobisgutes zu Breidenbach von dem Biedenkopfer Bürger Damme von Bellinghausen. Einen weiteren Teil des Besitzes der von Bellinghausen und deren Ganerben erwirbt 1414 der Biedenkopfer Bürger Wilhelm von Leun. Zusammen mit ehemaligem Besitz der Familie Pintzier in Breidenbach überträgt 1453 Gertrud von Biedenkopf, Witwe Wilhelms von Leun, den Besitz der Familie in Breidenbach der Kartause Eppenberg, die ihn ihrerseits 1457 an den Marburger Bürger Magister Heinrich Imhof genannt Rode verkauft (5 Güter). 1339 ist 1 Viertel, 1388 die Hälfte des Zehnten zu Breidenbach nassau-dillenburgisches Lehen der von Hohenfels; Lehnserneuerungen bis 1517. Nach dem Aussterben der von Hohenfels (1570) fallen deren Zehntrechte an die von Breidenbach genannt Breidenstein. Ortsadel: seit 1213
Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 913: ecclesia legittima (vgl. Ziffer 2b)
  • 1103: mater ecclesia, parrochia (Urkundenbuchmainz I Nr. 412)

Pfarrzugehörigkeit:

Mit der Errichtung der Pfarrei Obereisenhausen (1103) werden Ober- und Niedereisenhausen sowie Steinperf aus dem Kirchspiel Breidenbach ausgepfarrt, ebenso 1551 Wallau mit Weifenbach. 1577 und später umfasst die Pfarrei Breidenbach: Achenbach, Breidenbach, Breidenstein, Kleingladenbach, Oberdieten, Niederdieten, Niederhörlen, Quotshausen, Wolzhausen, Wiesenbach. Seit 1660 bestand in Breidenbach eine 2. Pfarrstelle. Quotshausen und Wolzhausen seit 1954 mit dem neuerrichteten Vikariat (seit 1965: Pfarrei) Breidenstein verbunden. Ober- und Niederdieten sowie Achenbach 1965 ausgepfarrt.

Patronat:

913 erwirbt der Priester Guntbald im Tausch mit Allodialbesitz vom Walpurgisstift Weilburg auf Lebenszeit dessen Eigenkirche in Breidenbach. 1103 ist die Kirche im Besitz der Grafen Werner, später der Grafen von Nassau, die den Patronat 1339 und später an die von Hohenfels verlehnt haben. Nach dem Aussterben der von Hohenfels (1570) präsentieren die Landgrafen

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Balthasar Kleinhenn 1528-1564, ehemaliger katholischer Priester

Reformierter Bekenntniswechsel: 1606, 1624 wieder lutherisch.

Katholische Seelsorgestelle Breidenbach seit 1946, katholische Pfarrei Breidenbach seit 1953

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Erzbistum Mainz, Archidiakonat St. Stephan, Dekanat Christenberg, Sendbezirk Breidenbach

Juden:

Jude 1651 genannt; Iandgräfliche Schutzbriefe seit 1742 überliefert. 1773: 8 jüdische Familien, 1810: 39 jüdische Einwanderer. 1831: 73 Juden in 8 Häusern. 1835 befinden sich unter den 45 steuerpflichtigen Gewerbetreibenden in Breidenbach 10 Juden als kleine Viehhändler, Metzger mit und ohne ständigen Laden sowie als Spezereikrämer und Galanteriewarenhändler ohne Laden. 1905: 52 Juden. Zwischen 1831/38 Errichtung einer Synagoge (Fachwerkgebäude); 1969 abgebrochen. Judenfriedhof im 18. Jahrhundert in der Gemeinde Roth gelegen (1835 geschlossen); Neuanlage eines Friedhofs, rechts der Straße "Zum Schützenhaus" im Wald, noch vpr dem Schützenhaus (alemannia-judaica)

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Zum Sendbezirk Breidenbach gehörten im 15. Jahrhundert: Achenbach, Bellingshausen, Breidenbach, Ditzenrod, Eibelshausen, Fischelbach, Frechenhausen, Gladenbach, Gönnern, Hesselbach, Lixfeld, Melsbach, Niederdieten, Niedereisenhausen, Niederhörlen, Niederlaasphe, Oberdieten, Obereisenhausen, Oberhörlen, Puderbach, Quotshausen, Roth, Simmersbach, Steinperf, Wadechin, Wallau, Weifenbach, Wiesenbach, Wolzhausen.

1575 umfaßte das Samtgericht Breitenbach: Breidenbach (vor dem Kirchhof), Wallau (im Heimbach), Niederdieten, Niederhörlen, Quotshausen. Das Gericht (Amt) Grund Breidenbach umfaßt 1577 und später: Breidenbach, Wallau, Weifenbach, Wiesenbach, Kleingladenbach, Achenbach, Oberdieten, Niederdieten, Niederhörlen, Quotshausen, Wolzhausen, Roth, Breidenstein sowie die Höfe Roßbach und Bellinghausen. 1630 und später wird dem Grund B. auch das Gericht (Nieder-) Eisenhausen zugerechnet. Der Sendbezirk Breidenbach umfasste im 15. Jahrhundert: Achenbach, Bellinghausen, Breidenbach, Ditzrod [Ortsteil von Hesselbach, Kreis Wittgenstein], Lixfeld, (Wüstung) Meisbach, Niederdieten, Niedereisenhausen, Niederhörlen, Niederlaasphe [Kreis Wittgenstein], Oberdieten, Obereisenhausen, Oberhörlen, Puderbach [Kreis Wittgenstein], Quotshausen, Roth, Simmersbach, Steinperf, (Wüstung) Wadechin, Wallau, Weifenbach, Wiesenbach, Wolzhausen

Wirtschaft:

Mühlen:

1348 belehnen die Grafen von Nassau die von Breidenbach mit der Mühle zu Breidenbach, mit der so genannten Weige oberhalb der Mühle und mit der Wiese im so genannten Mittelgraben. 1457 besteht eine zweite Mühle zu Breidenbach (Niedermühle), die von dem Biedenkopfer Schultheiß Heinz Kellner zu 1 Drittel dem Landgraf aufgelassen wird. 1527 stehen dem Kloster Hachborn Einkünfte aus 2 Mühlen in Breidenbach zu, die damals wegen Mühlenneubaus jedoch nicht fällig waren. 1630 befinden sich in Breidenbach eine Iandgräfliche Mühle mit 2 Gängen und eine Mühle der von Breidenbach genannt Breidenstein mit 1 Mahl- und 1 Schlaggang. 1704 (D. Merian) liegt die so genannte Breidensteiner oder Unterste Mühle ca. 1 km nördlich Breidenbach an der Perf (1831 Flurkarte nicht mehr verzeichnet), eine weitere Mühle westlich des Ortes an der Perf, damals im Besitz der von Dernbach bei deren Hof.

1843 wird durch privaten Besitzer die ehemalige Breidenbacher Kupferhütte (siehe unten) zu einer Kornmühle umgebaut; 1909 zusätzliche Ölmühle errichtet.

Hammerwerk:

1588 besteht in Breidenbach ein Hammerwerk, damals von den von Breidenbach für 320 Gulden den Landgrafen verkauft.

Hochofen:

1601/26 läßt der Landgraf einen Hochofen errichten, in dem Eisenerz aus dem Schelderwaldgebiet sowie aus Gruben in den Gemeinde Lixfeld, Oberhörlen und Breidenbach verhüttet wurde.

Breidenbacher Kupferhütte:

1725/29 auf Iandgräfliche Initiative hin südlich des Ortes an der heutigen Gabelung der Straße von Breidenbach nach Niederdieten beziehungsweise Wolzhausen errichtet und 1730 in Betrieb genommen. Seit 1731 Bildung einer Breidenbacher Gewerkschaft unter Iandgräflicher Beteiligung sowie Errichtung eines Iandgräflichen Bergamtes ebenda. Vor Mitte des 18. Jahrhundert wurden in der Breidenbacher Kupferhütte Erze aus den Gruben bei Hommertshausen, Amelose, Gönnern, Lixfeld, Achenbach, Engelbach, Dexbach, Hartenrod, insbesondere aber aus der Grube bei Silberg verschmolzen. Zwischen 1731/1771 wurden aus den hochwertigen Silberger Erzen über 923t Kupfer gewonnen. Wegen mangelnder Rentabilität wurde die Kupferhütte 1842 stillgelegt.

1915: Inbetriebnahme einer Eisengießerei mit Kupolofen und Stahlwerk durch den Hessisch-Nassauischen Hüttenverein; Produktion von Gehäusen für Elektromotoren, Eisenbahnräder, Laufräder für Kräne und Rüstungsgüter. Nach 1918 Umstellung der Produktion auf Grauguß, Qualitätsmaschinenguß und Potterieguß (Herde, Öfen). Belegschaftsstärke 1925: 180 Beschäftigte. Seit 1933/35 ist das Werk im Besitz der Buderus'schen Eisenwerke, Wetzlar. Betriebsausbau 1937/38 sowie nach 1945. Belegschaftsstärke 1946: 133, 1962: 730 Beschäftigte.

Markt:

1781 erteilt der Landgraf der Gemeinde Breidenbach das Recht, jährlich 3 Vieh- und Krämermärkte abzuhalten. 1909 und 1959: 2 Jahrmärkte (Vieh- und Kramhandel)

Nachweise

Literatur:

  • K. Huth, Die Gemeinde Breidenbach und ihre 7 Ortsteile im Wandel der Jahrhunderte (1982). W. Görich, Breidenbach in Gau und Grafschaft. In: Hessenland 11 (1964) F. 1 f. U. Lennarz, Zur älteren Geschichte der Freiherrn von Breidenbach. In: Aus der Vergangenheit unserer Heimat (Marburg) Nr. 123 (1953)
  • Classen, Kirchliche Organisation, S.117-119
  • Hütteroth, althessische Pfarrer, S. 188
Zitierweise
„Breidenbach, Landkreis Marburg-Biedenkopf“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/9448> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde