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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 50. Rosenthal

Wohra

Ortsteil · 230 m über NN
Gemeinde Wohratal, Landkreis Marburg-Biedenkopf 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

12,5 km nördlich von Kirchhain

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit komplexem Grundriss auf schmaler Niederterrasse rechten der Wohra. Im Norden dichter, regelloser Siedlungskomplex; nach Süden anschließend lineare, teilweise lockere Bebauung entlang der Straße nach Halsdorf. Kirche mit rund ummauertem Kirchhof - vom Ortskern nach Westen abgesetzt - auf der Mittelterrassenkante. Gutshof in der Wohraniederung.

Straße Kirchhain-Gemünden nördlich der B 3 im Zuge der alten Amtsstraße. Am Nord-Rand des Ortes abzweigend Straße nach Rosenthal; diese gekreuzt durch den alten Sälzerweg von Treysa-Mellnau.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Neuental/Zimmersrode – Kirchhain ("Wohratalbahn") (Inbetriebnahme der Strecke 1.5.1914) bis zur Stilllegung der Teilstrecke am 31.12.1981.

Ersterwähnung:

vor 775

Siedlungsentwicklung:

1838 (Kasseler Acker): 4112 stellbares Land, 805 Wiesen, 25 Gärten, 408 Triesche, 18 Wald. 1885 (ha): 828, davon 531 Ackerl., 135 Wiesen, 18 Holz. 1928: Eingemeindung von Teilen des aufgelösten Gutsbezirks Staatsforst Bracht. 1961 (ha): 1702, davon 921 Wald. - Umlegung: 1878,1902/3. - Alt. Gemarkung Kt.: 1702. - Auf wüst Siedlungsplätze deuten die Flurnamen: am Kleehof, Steigershausen (1 km nordöstlich W.)

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3496413, 5644184
UTM: 32 U 496340 5642366
WGS84: 50.93291629° N, 8.947918873° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

534022040

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 828, davon 531 Acker (= 64.13 %), 135 Wiesen (= 16.30 %), 18 Holzungen (= 2.17 %)
  • 1961 (Hektar): 1702, davon 921 Wald (= 54.11 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1502: 16 Männer, 1577: 49 hausgesessene 1629: 6 Dienste, 15 Einläuftige genannt 1681: 27 hausgesessene Mannschaften 1747: 50 Haushalte 1781: 478, 1838: 766, 1885: 547, 1925: 629, 1939: 636, 1950: 1030, 1961: 861 Einwohner - 1861: 546 evangelisch-lutherisch, 144 evangelisch-ref., 44 jüd. Einwohner 1961: 816 evangelisch, 43 römisch-katholisch Einwohner - 1781: 1 Schmied, 1 Wagner, 2 Schreiner, 1 Schuhmacher, 1 Schneider, 2 Leineweber, 1 Wirt, 1 Handelsjude, 1 Schlachter, 3 Tagelöhner, 3 Spinnerinnen. 1838 (Familien): 56 Ackerbau, 10 Gewerbe, 10 Tagelöhner 94 nutzungsberechtigte Ortsbürger, 15 Beisitzer. 1961 (Erwerbspersonen): 204 Land- und Forstwirtschaft, 180 Produzierendes Gewerbe, 44 Handel und Verkehr, 33 Dienstleistungen und Sonstiges
  • 1885: 547, davon 510 evangelisch (= 93.24 %), 0 katholisch, 1 andere Christen (= 0.18 %), 36 Juden (= 6.58 %)
  • 1961: 861, davon 816 evangelisch (= 94.77 %), 43 katholisch (= 4.99 %)

Diagramme:

Wohra: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • Vor 775: Hessengau. Im 13. Jahrhundert bestehen nebeneinander eine hersfeld. und eine fuld. Vogtei W. 1358 ist W. bis auf das ius iudiciarium summum Zubehör der ziegenhain. Burg Rauschenberg. 1367: (Vogtei-)Gericht W. Das ungebotene Ding, Grebenhafer, Grebengeld und Rauchhühner stehen dem Erzstift Mainz zu (mainz. Gericht Bulenstruth). 1465 gehört W. zur Burg Rauschenberg. 1480 zahlt W. Bußen an das Amt Rosenthal. 1502: Gericht, 1570 und später: Amt Rauschenberg.
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Rauschenberg
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Kreis Kirchhain
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Kirchhain
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kirchhain
  • 1932: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf

Altkreis:

Marburg

Gericht:

  • 1821: Justizamt Rauschenberg
  • 1867: Amtsgericht Rauschenberg
  • 1932: Amtsgericht Kirchhain
  • 1933: Amtsgericht Gemünden
  • 1948: Amtsgericht Kirchhain
  • Die hersf. Vogtei W., bis 1272/73 an die Grafen von Reichenbach verlehnt, dürfte in ihrem Ursprung auf den Gütererwerb des Kloster vor 775 zurückgehen. Der Vogteibezirk umfaßt im 13. Jahrhundert auch Besitz in (Ober-, Nieder-)Langendorf; Heimbach, Kreis Ziegenhain und (Wüstung) Schweinfe, Kreis Frankenberg. Als Untervögte begegnen vor 1258 bis 1272 die Schenken zu Schweinsberg. - Die fuld. Vogtei der Grafen von Ziegenhain, die neben W. auch Besitz in (Ober-, Nieder-)Langendorf umfaßte, wird auf die Schenkung der kgl. curtis W. 1015 zurückzuführen sein. Beide Vogteien sind seit 1272/73 Lehen der Grafen von Ziegenhain. Vogteiger. 1367 genannt Den Vogtweizen liefert W. Ende 13. Jahrhundert an die ziegenhain. Burg Rauschenberg. Die mainzisch Ansprüche auf das Gericht werden 1367 von Ziegenhain zurückgewiesen.
  • - cintgrebe 1285; Schöffen, Dingwarte und Gemeinde im Gericht zu W. 1367 genannt

Gemeindeentwicklung:

Am 1.7.1970 wurden Halsdorf und Wohra im Zuge der hessischen Gebietsreform zur neu gebildeten Gemeinde Wohratal zusammengeschlossen.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Vor 775 erwirbt Kloster Hersfeld von freien Leuten Güterbesitz.
  • Die 1015 erwähnt curtis W. ist im 10. Jahrhundert vermutlich Reichslehen der Konradiner; vor 1011 im Besitz der Tochter Liudolfs, der Äbtissin des Stifts Essen; nach ihrem Tod wieder Reichsgut.
  • 1015 vertauscht König Heinrich II. die curtis W. an Kloster Fulda; offenbar größere Villikation, auf der das Kloster die im 13. Jahrhundert überlieferte Vogtei errichtet hat.
  • 1200/1220 hat das Stift Wetter 1 Hufe in W. zu Mannlehen ausgetan. - 1276 und 1285 wird dem Kloster Haina von den Grafen Ziegenhain der Güterbesitz in W. bestätigt; 1363 hat das Kloster ein Haus mit Garten; noch 1528/29 verfügt Haina über Einnahmen aus Gütern in W. - 1317 erwirbt Kloster Georgenberg von den von Anzefahr eine Hufe. 1523 löst Georgenberg das verpfändete Klostergut wieder ein. - 1358 verfügen die Grafen von Ziegenhain über Einkünfte aus 5 Höfen und 8 Häusern in W. - Das adlige Gut in der Wohra-Niederung bis 1692 Sitz der Clauer zu W., dann Besitz der von Dalwigk, seit 1753 der Landgrafen von Hessen-Philippsthal; 1859: kurhess. Domänengut mit (Kass. Acker): 286 Land, 135 Wiesen, 2 Gärten, 49 Triesche und Waldung sowie ein Teich. - Die Mühle in W. gehört 1358 den Grafen von Ziegenhain; 1629 im Besitz der Clauer zu W.; 2 Mahlgänge; 1859: 2 unterschlächtige Mahlgänge mit Öl- und Schneidegang

Ortsadel:

1282/83 (?). - Clauer zu W.; 1692 ausgestorben

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1275: plebanus (Klosterareh. V Nr. 641)

Patrozinien:

  • Michael

Pfarrzugehörigkeit:

1577 und später: Langendorf eingepfarrt

1629: Langendorf und Schiffelbach Filiale von Wohra

1673: wird Wohra von Josbach versorgt

1780: Wohra mit Filiale Langendorf Vikariat von Gemünden/Wohra

1835 und später: Pfarrei; eingepfarrt: Langendorf; Schiffelbach

Seit 1934 wird Wohra mit Langendorf und Hertingshausen vom 2. Pfarrer in Gemünden versorgt.

Seit 1949 Wohra selbständige Pfarrei mit den Filiale Langendorf und Hertingshausen.

reformierte Gemeinde: Filiale von Rauschenberg ist; seit 1868 vom Pfarrer in Schwabendorf versorgt; 1926: Filiale von Schwabendorf; eingepfarrt Langendorf

Patronat:

1323 Grafen von Ziegenhain

seit 1450 landgrfälich

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen ab 1526.

Erster nachweisbarer evangelischer Pfarrer: Eberhard Orth 1561

Reformierter Bekenntniswechsel: 1606, 1624 wieder lutherisch

Seit 1700 besteht neben der lutherischen Gemeinde eine reformierte.

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Erzbistum Mainz, Archidiakonat St. Stephan, Dekanat Christenberg, Sendbezirk Grüßen

Juden:

gehört zu Gemeinde Halsdorf

Jude 1744 genannt.

1835: 11; 1861: 44; 1905: 49; 1932/33: 36 Juden

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Wohra, Landkreis Marburg-Biedenkopf“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/9406> (Stand: 16.10.2018)
 
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