Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Kirchvers

Ortsteil · 213 m über NN
Gemeinde Lohra, Landkreis Marburg-Biedenkopf 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

17,5 km südwestlich Marburg

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss und teilweise lockerer Gehöftanordaung im Talgrund der Vers

Hauptkomplex der Siedlung auf dem linken Versufer

Kirche in zentraler Lage

Moderne Wohnsiedlung im Süden; nach Osten abgesetzt Fabrik

Straße Reimershausen-Krumbach im Zuge der alten Landstraße Marburg-Wetzlar, die sich südwestlich des Ortes in einen oberen und unteren Zweig gabelte

Zwei alte Amtsstraßen von Gießen durch Krofdorf bzw. Rodheim vereinigten sich früher im Ortsbereich zur Amtsstraße nach Gladenbach und Biedenkopf

Ersterwähnung:

um 1130

Vorbemerkung Historische Namensformen:

Bei den frühen Belegen ist unklar, ob sie Alten- oder Kirchvers zuzuordnen sind

Historische Namensformen:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Umlegung der Flur:

1934/1935

Älteste Gemarkungskarte:

1803

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3472401, 5616937
UTM: 32 U 472338 5615130
WGS84: 50.68734238° N, 8.608403071° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

534013030

Flächennutzungsstatistik:

  • 1838 (Kasseler Acker): 757 stellbares Land, 292 Wiesen, 10 Gärten, 5 Triesche, 355 Wald
  • 1885 (Hektar): 671, davon 245 Acker (= 36.51 %), 88 Wiesen (= 13.11 %), 301 Holzungen (= 44.86 %)
  • 1961 (Hektar): 672, davon 301 Wald (= 44.79 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1502: 16 Hausgesessene
  • 1577: 43 Hausgesessene
  • 1630: 2 dreispännige, 8 zweispännige, 6 einspännige Ackerleute, 10 Einläuftige
  • 1630: 26 Hausgesessene (einschließlich 3 Witwen)
  • 1681: 23 Hausgesessene Mannschaften
  • 1745: 190
  • 1745: 3 Schneider, 2 Müller, 1 Maurer, 1 Leineweber, 1 Weißbinder, 1 Wirt, 1 Branntweinbrenner, 2 Schmiede, 1 Braumeister, 2 Zimmerleute, 5 Tagelöhner (-innen)
  • 1838 (Familien): 29 Ackerbau, 11 Gewerbe, 3 Tagelöhner, 30 nutzungsberechtigte, 12 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 3 Beisitzer
  • 1861: 291 evangelisch-lutherische Einwohner
  • 1885: 328, davon 324 evangelisch (= 98.78 %), 0 katholisch, 4 andere Christen (= 1.22 %)
  • 1961 (Erwerbspersonen): 116 Land- und Forstwirtschaft, 137 Produzierendes Gewerbe, 16 Handel und Verkehr, 15 Dienstleistungen und Sonstiges
  • 1961: 550, davon 475 evangelisch (= 86.36 %), 36 katholisch (= 6.55 %)

Diagramme:

Kirchvers: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1374: Gericht Lohra, das seit 1601 mit dem Gericht Fronhauser verbunden ist
  • 1687: Amt Fronhausen
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Lohra
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Marburg
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Marburg
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf

Altkreis:

Marburg

Gericht:

  • 1821: Justizamt Fronhausen
  • 1867: Amtsgericht Fronhausen
  • 1948: Amtsgericht Marburg

Gemeindeentwicklung:

Zum 1.7.1974 wurde Kirchvers im Zuge der hessischen Gebietsreform als Ortsteil der Gemeinde Lohra eingegliedert.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Um 1130 hat das Mainzer St. Stephansstift Gefälle aus Güterbesitz in Vers; sie sind Zubehör der Villilkation Ebsdorf, deren Einkünfte seit 1249 an die Landgrafen verpachtet sind; es handelt sich bei den Gefällen in Vers offenbar um Pachtzins aus dem sogenannten Stadelhof des Stifts, der 1271 an die von Rodheim und von Vers verpachtet ist. 1196 hat das Kloster Spieskappel Einkünfte aus Güterbesitz in Vers. 1333 hat Adolf Zabel von Vers ein falkenstein. Burglehen in Vers. Ende 14. Jahrhundert erwerben die Riedesel das sogenannte Grabengut in Kirchvers, das 1374 noch im Besitz des Emmerich von Vers war. Vor 1393 sind die von Hatzfeld in Vers begütert; der Besitz fällt 1416 an die Riedesel; 1553 landgräflich Lehen der Riedesel. 1457 verkaufen die Zöllner dem Magister Imhof genannt Rode Güterbesitz zu Alten- und Kirchvers, der 1476 an die Marburger Kugelherren fällt. - 1494 sind dem Landgraf 3 Pflüge in Kirchvers dienstbar. Der Zehnte ist 1347 solms. Lehen der Vögte von Fronhausen; um 1365 westerburgische Lehen der Riedesel

Ortsadel:

1271-1372 Zwei ehemalige Burgsitze der von Vers befinden sich am N- und S-Rand von Kirchvers

Flurnamen: im Burggarten, Herrenwiese, Küchenacker

Kirche und Religion

Ortskirchen:

Pfarrzugehörigkeit:

1577 und später: Weipoltshausen eingepfarrt

1590 und später: Rodenbausen Vikariat

Patronat:

Der Patronat war um 1365 westerburgische Lehen der von V. und der Riedesel

1462 westerburgische Lehen der von Rodenhausen

1468: von Vers

1577: von Rodenhausen

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen ab 1526.

Erster evangelischer Pfarrer: Volprecht (Valentin?) Fischer ca. 1538

Reformierter Bekenntniswechsel: 1605, 1624 wieder lutherisch

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Sendbezirk Lohra

Dekanat Amöneburg

Wirtschaft

Zoll:

Landzollstätte 1592

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Kirchvers, Landkreis Marburg-Biedenkopf“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/9362> (Stand: 16.10.2018)
 
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