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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 70. Niederweimar

Stedebach

Ortsteil · 205 m über NN
Gemeinde Weimar (Lahn), Landkreis Marburg-Biedenkopf 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

11,5 km südwestlich Marburg

Lage und Verkehrslage:

Kleines geschlossenes Dorf im Quellbereich des gleichnamigen Bachlaufs. Gehöftgruppe auf leichter Geländewelle westlich anschließend an ehemaliger Wasserburg mit Resten der äußeren Futtermauer des Grabens.

Nördlich vorüberziehend Straße Altenvers-Niederwalgern im Zuge der alten Köln-Leipziger Messestraße; zugleich alte Wetzlarer Landstraße

Ersterwähnung:

1250/1260

Siedlungsentwicklung:

Die ehem. Wasserburg des Deutschen Ordens befand sich am O-Rand von St. Die Ende 15. Jahrhundert nachweisbare Anlage hatte einen fast quadratischen Grundriß (25 m x 28 m) und verfügte über einen breiten Wassergraben. Umbauten im 16. Jahrhundert. Seit 1. H. 18. Jahrhundert im Verfall; letzte Reste Mitte 19. Jahrhundert abgetragen.

- 1838 (Kasseler Acker): 538 stellbares Land, 141 Wiesen, 11 Gärten, 26 Triesche, 12 Wald. 1885 (ha): 185, davon 129 Ackerl., 15 Wiesen, 19 Holz. 1961 (ha): 185, davon 14 Wald. - Umlegung: 1904/5. - Älteste Gemarkungskarte: 1765. - In der Gemarkung: Wüstung -> Rickelskopf

Historische Namensformen:

  • Stedebach, de (1250/60) [Wagner, Eppstein. Lehnsverz., S. 60, Abs. 63]
  • Stedebach (1297)
  • Stadebach (1377)
  • Stedebach (1577)
  • Stedtbach (1630)
  • Stettebach (1747)

Bezeichnung der Siedlung:

  • villa 1250/60; Hof 1577; zu der freyen Burg St. 1679, Freyhof 1780

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3476993, 5621483
UTM: 32 U 476928 5619674
WGS84: 50.72840733° N, 8.673098008° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

534020090

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 185, davon 129 Acker (= 69.73 %), 15 Wiesen (= 8.11 %), 19 Holzungen (= 10.27 %)
  • 1961 (Hektar): 185, davon 14 Wald (= 7.57 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1577: 4 hausgesessene 1630: 4 Höfe, 1747: 12, 1838: 48, 1885: 58, 1925: 53, 1939: 45, 1950: 90, 1961: 41 Einwohner - 1861: 57 evangelisch-lutherisch, 2 römisch-katholisch Einwohner, 1 Mitgl. abweichender Sekten. 1961 (Erwerbspersonen): 20 Land- und Forstwirtschaft, 1 Produzierendes Gewerbe, 1 Handel und Verkehr, 1 Dienstleistungen und Sonstiges
  • 1885: 58, davon 52 evangelisch (= 89.66 %), 0 katholisch, 6 andere Christen (= 10.34 %)
  • 1961: 41, davon 31 evangelisch (= 75.61 %), 10 katholisch (= 24.39 %)

Diagramme:

Stedebach: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1476: Eigengericht des Deutschen Ordens Marburg; 1577 zum Gericht Reizberg gerechnet
  • 1592: Gericht Oberwalgern. Gerichtszugehörigkeit im 17./18. Jahrhundert strittig (s.u.)
  • 1809-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Lohra
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Marburg
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Marburg
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf

Altkreis:

Marburg

Gericht:

  • 1821: Justizamt Fronhausen
  • 1867: Amtsgericht Fronhausen
  • 1948: Amtsgericht Marburg
  • 1476 befreien die Landgrafen die Burg und die Höfe zu St. von allen Diensten, Abgaben und Heerfahrt. Der Deutsche Orden Marburg erhält die Hochgerichtsbarkeit zugesprochen. 1484: Eigenger. des Deutschen Ordens; Gerichtsrechte damals jedoch vom Landgrafen verletzt. 1592 ist St. von landgräflich Diensten befreit, muß aber an das Gericht Oberwalgern gehen. Tatsächlich jedoch scheint der Deutsche Orden bis ca. 1679 die hohe und niedere Gerichtsbarkeit ausgeübt zu haben, wie die Ernennung eigener Schultheißen und das Vorhandensein eines Gefängnisses zeigen. Seit 1702 hindert der landgräflich Schultheiß von Fronhausen den Deutschen Orden an der Ausübung der Gerichtsbarkeit. 1747 wird dem Deutschen Orden das niedere Gericht eingeräumt. Mit der Aufhebung des Deutschen Ordens (1809) fällt die Gerichtsbarkeit dem Friedensgericht Lohra zu.

Gemeindeentwicklung:

Am 1.7.1974 wurde Stedebach im Zuge der hessischen Gebietsreform in die Gemeinde Weimar eingegliedert.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1250/60 ist Güterbesitz der Dynasten von Eppstein an Isenrich von St. verlehnt. - 1263 kauft der Deutsche Orden Marburg von dem Seelheimer Vogt Gumprecht Hobeherr Güter in Bracht; möglicherweise hat der Deutsche Orden im Zusammenhang mit diesem Gütererwerb seinen späteren Hof in St. angelegt. 1302: Sitz eines Deutsch Ordens Komturs. 1358: Hof mit 330 Morgen Ackerland; 1455: Hof mit 160 Morgen Ackerland 1549 umfaßt der auf 4 Höfe aufgeteilte Deutsch Ordens-Besitz 206 Morgen Ackerland - 1375 ist ein landgräflich Hof in St. an den Ritter Emmerich von Linden versetzt; der noch 1409 genannt landgräflich Hof offenbar bis 1476 in Deutsch Ordens-Besitz übergegangen, der damals den ganzen Ort umfaßte

Ortsadel:

1250/60 (?)

Kirche und Religion

Pfarrzugehörigkeit:

zu Niederwalgern

1613 und später: nach Oberwalgern eingepfarrt

Klöster:

Bekenntniswechsel:

Da Filial von Niederwalgern, Einführung der Reformation vermutlich unter dem Niederwalgerner Pfarrer Conrad Becker (Pistorius) ab 1527.

Reformierter Bekenntniswechsel: 1606, 1624 wieder lutherisch.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Stedebach, Landkreis Marburg-Biedenkopf“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/9340> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde