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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 49. Wetter

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Münchhausen

Ortsteil · 233 m über NN
Gemeinde Münchhausen, Landkreis Marburg-Biedenkopf 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf; Gemeinde

Lagebezug:

14 km nordöstlich von KIrchhain

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss am linken Ufer der Wetschaft in Talmündungslage (Thalhäuser Grund). Kernbereich der Siedlung mit teilweise dichter Gehöftanordnung auf nach Südwest auslaufendem Hang der Mittelterrasse; auf flachem Sporn Kirche in zentraler Lage. Nach Norden und Süden lineare Bebauung auf der Niederterrasse entlang der B 252 (alte Landstraße Frankfurt-Bremen) bzw. der im Norden abzweigenden B 236 mit Verzweigung nach Wollmar.

Von der alten Landstraße Frankfurt-Bremen zweigte nördlich Münchhausen ein früher Höhenweg nach Frankenberg bzw. zum Kahlen Asten ab (spätere Kölnische Landstraße nach Winterberg).

Bahnhof der Eisenbahnlinie Frankenberg – Lahntal/Sarnau ("Burgwaldbahn") (Inbetriebnahme der Strecke 1.7.1890).

Ersterwähnung:

um 1130

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Umlegung der Flur:

1910/12

Älteste Gemarkungskarte:

um 1700

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3480286, 5647292
UTM: 32 U 480220 5645473
WGS84: 50.96052723° N, 8.718345263° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

534015010

Flächennutzungsstatistik:

  • 1838 (Kasseler Acker): 2344 stellbares Land, 610 Wiesen, 23 Gärten, 617 Triesche.
  • 1885 (Hektar): 924, davon 661 Acker (= 71.54 %), 146 Wiesen (= 15.80 %), 19 Holzungen (= 2.06 %)
  • 1961 (Hektar): 679, davon 4 Wald (= 0.59 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1885: 954, davon 950 evangelisch (= 99.58 %), 4 katholisch (= 0.42 %)
  • 1961: 1161, davon 1074 evangelisch (= 92.51 %), 82 katholisch (= 7.06 %)
  • Angaben bis 1925 jew. mit Ober-, Mittelsimtshausen und Schlagpfütze. 1502: 30 Männer. 1577: 97, 1630: 71 hausgesessene 1681: 48 hausgesessene Mannschaften 1747: 116 hausgesessene 1788: 703, 1838: 1 143, 1885: 954, 1925: 1 121, 1939: 888, 1950: 1269, 1961: 1161 Einwohner - 1861: 1004 evangelisch-lutherisch, 91 evangelisch-ref.Einwohner 1961: 1074 evangelisch, 82 römisch-katholisch Einwohner - 1630: 2 dreispänn., 9 zweispänn., 10 einspänn.Ackerleute, 50 Einläuftige 1788: 1 Bender, 3 Schmiede, 2 Schneider, 1 Schuhflicker, 1 Glockengießer, 1 Maurer, 3 Schreiner, 3 Wirte, 1 Wagner, 3 Zimmerleute, 2 Ziegelbrenner, 6 Müller, 4 Schäfer. 1838 (Familien): 112 Ackerbau, 67 Gewerbe, 20 Tagelöhner 126 nutzungsberechtigte, 53 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 20 Beisitzer. 1961 (Erwerbspersonen): 259 Land- und Forstwtrtsch.; 213 Produzierendes Gewerbe, 76 Handel und Verkehr, 52 Dienstleistungen und Sonstiges

Diagramme:

Münchhausen: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • Um 1400: Gericht des mainzischen Amtes Battenberg
  • seit 1464 landgräflichen Amtes Battenberg
  • vor 1529: Amt Wetter
  • 1291: Gericht der Grafschaft Battenberg
  • 1483: Gericht des Amtes Wetter
  • 1526: Amt Battenberg
  • 1548: Amt Frankenberg
  • 1550: Amt Battenberg
  • 1624-1650: Gericht des hessen-darmstädtischen Amtes Battenberg, seitdem Gericht im Amt Wetter
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Wetter
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Marburg
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Marburg
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf

Altkreis:

Marburg

Gericht:

  • 1291 mainzisches Gericht, das von den Grafen von Battenberg erfolglos als Mainzer Lehen beansprucht wird. 1464 ist das Gericht als Bestandteil des Amtes Battenberg an die Landgrafen verpfändet; seitdem in hess. Besitz; Hohe und niedere Gerichtbarkeit. Auf den Urteilsplatz weist der Flurnamen Galgenacker südlich Münchhausen
  • 1821: Justizamt Wetter
  • 1867: Amtsgericht Wetter
  • 1948: Amtsgericht Marburg

Herrschaft:

Schultheiß 1514; Schultheißen und Schöffen 1523

Gemeindeentwicklung:

Bis 29.10.1925 waren die Ortsteile Ober- und Mittelsimtshausen sowie Schlagpfütze bei M. eingemeindet; so offenbar schon im 16. Jahrhundert.

Zur Entwicklung der im Zuge der hessischen Gebietsreform neu gebildeten Gemeinde s. Münchhausen, Gemeinde. Sitz der Gemeindeverwaltung ist Münchhausen.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Um 1130 ist Münchhausen einschließlich des Zehnten Zubehör der Villikation Ebsdorf des Mainzer St. Stephansstiftes; die aus dem Güterbesitz anfallenden Zinsen sind seit 1249 an die Landgrafen verpachtet. - Vor 1137 ist das Kloster Amöneburg in Münchhausen begütert; 1213 fällt der Besitz an das Erzstift Mainz. 1241-1296 ist der mainzisch Hof in Münchhausen an die Grafen von Battenberg verpfändet; 1312 sind die mainzisch Güter Streitobjekt zwischen dem Erzstift und den Ospracht von Münchhausen; 1350 von den von Münchhausen an die Grafen von Battenberg verpfändet; 1350 von den von Münchhausen dem St. Sebastian-Altar zu Frankenberg vermacht, 1460 an das Kloster Wiesenfeld vertauscht, das bis 1527 auch über die Hälfte des sog. Derschenguts in Münchhausen verfügte. - 1354/55 kauft Kloster Georgenberg das aus 1 Hufe bestehende sog. Frilingengut in Münchhausen, das um 1343 im Besitz Gisos von Münchhausen, später im Besitz der Frilinge zu Frankenberg war; wahrsch. handelt es sich dabei um den Stammsitz der von Münchhausen -Rupertehausen in (Wüstung) -> Rupertshausen. - 1402 hat der Landgraf einen Hof (Mönchhof) in Münchhausen; 1580 herrschaftl. Landsiedelgut, genannt Gerathof. - Vor 1444 und 1528 hat das Stift Wetter Einkünfte aus Güterbesitz in Münchhausen - 1461 und 1468: Hatzfelder Wiesengut genannt

Ortsadel:

Anf. 13. Jahrhundert - ca. 1500

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Bis zur Ref. war die Martinskirche auf dem -> Christenberg Pfarrkirche von M. Doch schon im 15. Jahrhundert nennt sich der Pfarrer vereinzelt auch nach M. (so 1469). 1503 Wohnsitz des Pfarrer vom Christenberg nach M. verlegt. Etwa seit der Ref. diente die (ehem. St. Marien-)Kirche in M. als Pfarrkirche, die Martinskirche auf dem Christenberg fortan als Totenkirche von M.; darüber hinaus fanden weiterhin am ersten Tag der hohen Feste und an 7 weiteren Sonntagen gemeinsame Gottesdienste des Kirchspiels auf dem Christenberg statt.

Patrozinien:

  • Maria

Pfarrzugehörigkeit:

Zum Kirchspiel Kesterburg-M. gehören 1577 und später: M., Wollmar (Filiale), Roda, Ernsthausen (beide Kreis Frankenberg); dazu 1613: Obersimtshausen; 1780: ferner Mittelsimtshausen und Schlagpfütze. Nach 1927: Ober-, Mittelsimtshausen und Schlagpfütze als neugebildete Gmde. nach Niederasphe zur Filiale Untersimtshausen ausgepfarrt.

Patronat:

Der Patronat ist 1352 mainzisch Lehen der von Bicken, 1396 der von Hatzfeld. 1399-1527 ist die Kirche dem Kloster Wiesenfeld inkorporiert; seit 1527 landgräflich Patronat.

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Johannes Althaus 1527, ehemaliger Dechant und Pfarrer zum Christenberg und Münchhausen

Reformierter Bekenntniswechsel: 1605, 1624 wieder lutherisch.

1690 gründete Landgraf Karl eine reformierte Gemeinde, der die reformierten Gemeinden Wetter, Ernsthausen, Rosenthal und Roda (alle Kreis Frankenberg) eingepfarrt sind; seit 1840 ferner Kolonie Todenhausen. 1872: Wetter, Wiesenfeld, Roda, Ernsthausen Filiale von M.; Todenhausen Vikariat; Roda, Ernsthausen später ausgepfarrt. Noch 1780 findet der Gottesdienst in der lutherischen Kirche statt; später eigenes Gotteshaus

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Sendbezirk Kesterburg

Kultur

Schulen:

Schulmeister: Matthias Gerst ca. 1570

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Das Gericht M. umfaßte 1539 neben M. auch Wollmar; 1570/71 dazu Obersimtshausen. 1577: M., Wollmar, (Wüstung) Bennighausen (Kr. Frankenberg); 1681 dazu Ober- und Mittelsimtshausen als eine Gmde

Wirtschaft:

1324/26 stehen dem Erzstift Mainz Einkünfte für das merkitrecht (= Marktrecht?) in Münchhausen zu (vgl. Lachmann, Verfassungsgeschichte des Burgwaldes, S. 148).

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Münchhausen, Landkreis Marburg-Biedenkopf“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/9234> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde