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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 62. Neustadt

Hatzbach

Stadtteil · 245 m über NN
Gemeinde Stadtallendorf, Landkreis Marburg-Biedenkopf 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

8,5 km nordöstlich von Kirchhain

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss in Talmündungslage

Erstreckt sich von einem nach Südwest auslaufenden Hang über den Willbach bis auf die gegenüberliegende Niederterrasse des Hatzbachs

Kirche am Süd-Rand des Ortes auf leichtem Niederterrassenvorsprung

Westlich davor in der Niederung Gutshof

Straße Emsdorf bzw. Wolferode-Speckswinkel mit Abzweig nach Erksdorf

Ersterwähnung:

1262

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • villa 1262

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Umlegung der Flur:

1909/1911

Älteste Gemarkungskarte:

1771

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3501166, 5637970
UTM: 32 U 501091 5636155
WGS84: 50.87706846° N, 9.01551121° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

534018020

Flächennutzungsstatistik:

  • 1838 (Kasseler Acker): 965 stellbares Land, 249 Wiesen, 71 Gärten, 96 Triesche
  • 1885 (Hektar): 353, davon 242 Acker (= 68.56 %), 66 Wiesen (= 18.70 %), 5 Holzungen (= 1.42 %)
  • 1961 (Hektar): 356, davon 0 Wald

Einwohnerstatistik:

  • 1577: 24 (davon 22 landgräflich) Hausgesessene
  • 1629: 28 Hintersassen, 4 Juden
  • 1681: 18 Hausgesessene Mannschaften (lgfl. Anteil)
  • 1747: 47 Haushalte
  • 1785: 1 Schmied, 2 Maurer, 2 Schneider, 1 Leineweber, 1 Wirt, 1 Müllerin, 6 Schweinehändler, 2 Lohnschäfer, 1 Handelsjude, 5 Tagelöhner (-innen)
  • 1785: 321
  • 1838 (Familien): 44 Ackerbau, 17 Gewerbe, 14 Tagelöhner 48 nutzungsberechtigte, 9 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 18 Beisitzer
  • 1861: 251 evangelisch-lutherisch, 127 evangelisch-reformierte, 6 römisch-katholisch, 63 jüdische Einwohner
  • 1885: 399, davon 352 evangelisch (= 88.22 %), 1 katholisch (= 0.25 %), 46 Juden (= 11.53 %)
  • 1961 (Erwerbspersonen): 166 Land- und Forstwirtschaft, 90 Produzierendes Gewerbe, 11 Handel und Verkehr, 8 Dienstleistungen und Sonstiges
  • 1961: 454, davon 437 evangelisch (= 96.26 %), 12 katholisch (= 2.64 %)

Diagramme:

Hatzbach: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1502 und 1570: Amt Rauschenbeng
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Rauschenberg
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Kirchhain
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Kirchhain
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kirchhain
  • 1932: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf

Altkreis:

Marburg

Gericht:

  • 1821: Justizamt
  • 1867: Amtsgericht Rauschenberg
  • 1932: Amtsgericht Kirchhain

Herrschaft:

Im 14. Jahrhundert liefert Hatzbach Vogtweizen zur Burg Rauschenberg. 1358 gehört Hatzbach mit Gefällen und Gericht zur Burg Rauschenberg. 1451 belehnt der Landgraf die von Knoblauch mit Dorf Hatzbach und allem Zubehör zu Mannlehen; Neubelehnungen bis 1837.

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1971 wurde Hatzbach im Zuge der hessischen Gebietsreform als Stadtteil der neu gebildeten Stadtgemeinde Stadtallendorf eingegliedert.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1262 erhält Kloster Haina von Hartmann von Bauerbach die Hälfte der Mühle im Dorf.
  • 1304 schenken die von Langenstein Güterbesitz an Haina.
Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Kirche im Kern spätgotischer Saalbau

Pfarrzugehörigkeit:

1624-1685: Filiale von Speckswinkel

Seit 1685 Vikariat vonJosbach

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Rudolf Schrodt 1552-1560

1577: evangelischer Pfarrer der von Knoblauch genannt

Neben der lutherischen Gemeinde besteht seit 1700 eine evangelisch-reformierte Filialgemeinde, die nach Rauschenberg eingepfarrt ist.

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Sendbezirk Amöneburg

Juden:

4 Juden 1744 genannt; 1835: 45: 1861:63; 1905: 65 Juden; vor dem 1. Weltkrieg 15 Familien

Der Ort hatte eine Synagoge seit 1858. Bis 1910 bestand die Gemeinde.

Alter Judenfriedhof (ca. 3000 qm), auf dem bis 1903 die Gemeinde Halsdorf ihre Toten beerdigte. Der Friedhof, an der Straße "Im Roten Bach" gelegen, bestand vermutlich seit dem 15./16. Jahrhundert, 1918 fand die letzte Beerdigung statt. Während der NS-Zeit wurden Grabsteine abgeräumt und zum Bauen benutzt. (alemannia-judaica)

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Hatzbach, Landkreis Marburg-Biedenkopf“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/9102> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde