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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 70. Niederweimar

Cappel

Stadtteil · 194 m über NN
Gemeinde Marburg, Landkreis Marburg-Biedenkopf 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

3 km südlich Marburg

Lage und Verkehrslage:

Geschlossene Siedlung mit regellosem Grundriss auf dem auslaufenden, durch 2 Seitentälchen geteilten West-Hang der Lahnberge. Ortskern in Talmündungslage. Nördlich darüber auf Mittelterrassenvorsprung die rechteckig ummauerte Kirche.

Die Straßen von Ronhausen (alte Landstraße Frankfurt-Bremen bzw. Kassel) und Beltershausen über Frauenberg vereinigen sich im Ortshereich in Richtung Marburg; auf die Straße von Ronhausen trifft im nördlich Bereich Straße von Beltershausen bzw. Moischt. Moderne Umgehungsstraße im Westen im Zuge der alten Amtsstraße Gießen-Marburg; ein südlicher Zweig der alten Messestraße Köln-Leipzig führte von Niederweimar durch die Lahnfurt bei der Steinmühle durch Cappel nach Schröck in Richtung Brücker Mühle.

Ersterwähnung:

1138/1139

Siedlungsentwicklung:

1928: Eingemeindung von Teilen des aufgelösten Gutsbezirks Staatsforst Marburg.

Historische Namensformen:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Umlegung der Flur:

1930/1932

Älteste Gemarkungskarte:

1750/1686

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3483850, 5627060
UTM: 32 U 483782 5625249
WGS84: 50.77877171° N, 8.769967753° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

534014090

Frühere Ortskennziffer:

534014351

Flächennutzungsstatistik:

  • 1838 (Kasseler Acker): 712 stellbares Land, 91 Wiesen, 189 Gärten.
  • 1885 (Hektar): 292, davon 193 Acker (= 66.10 %), 55 Wiesen (= 18.84 %), 10 Holzungen (= 3.42 %)
  • 1961 (Hektar): 1489, davon 1104 Wald (= 74.14 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1577: 23 hausgesessene Mannschaften
  • 1630: 21 Mannschaften; 1681: 22 hausgesessene Mannschaften
  • 1630: 3 vierspännige, 2 dreispännige, 1 zweispännige, 1 einspännige Ackerleute, 9 Einläuftige
  • 1744: 44 Haushalte; 1748: 213 Einwohner
  • 1748: 1 Tuch- und Wollhändler, 2 Schmiede, 3 Schneider, 1 Bender, 9 zünft. Leineweber, 2 Wagner, 1 Glashändler, 1 Wirt, 1 Branntweinbrenner, 13 Tagelöhner
  • 1838 (Familien): 50 Ackerbau, 13 Gewerbe, 46 Tagelöhner 56 nutzungsberechtigte, 47 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 12 Beisitzer
  • 1838: 636, 1885: 810 Einwohner
  • 1861: 617 evangelisch-lutherische, 156 evangelisch-reformierte, 1 römisch-katholische Einwohner
  • 1885: 806, davon 802 evangelisch (= 99.50 %), 1 katholisch (= 0.12 %), 3 andere Christen (= 0.37 %)
  • 1925: 1195, 1939: 1602, 1950: 2450, 1961: 3543 Einwohner
  • 1961 (Erwerbspersonen): 91 Land- und Forstwirtschaft, 520 Produzierendes Gewerbe, 322 Handel und Verkehr, 460 Dienstleistungen und Sonstiges
  • 1961: 3543, davon 2987 evangelisch (= 84.31 %), 433 katholisch (= 12.22 %)

Diagramme:

Cappel: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1386: als Gericht im Amt Marburg bezeichnet; vor 1477 dem Stadtgericht Marburg eingegliedert. Cappel gehörte zu den 4 sog. Hausdörfern, die seit ca. 1458 ungemessene Hausdienste auf dem Marburger Schloß zu leisten hatten; 1700: ungemessene Handdienste auf dem Schloß, in der Herrenmühle und dem Renthof in Marburg sowie in dem landgräflich Vorwerk Schwanhof
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Marburg
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Marburg
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Marburg
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf

Altkreis:

Marburg

Gericht:

  • 1821: Landgericht Marburg
  • 1850: Justizamt Marburg
  • 1867: Amtsgericht Marburg
Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1357 bezieht der Landgraf Einkünfte von einer ungenannten Zahl von Äckern in Cappel, die 1358 und später wahrscheinlich vom landgräflichen Vorwerk Glaskopf aus bewirtschaftet wurden. 1374 und 1402/07 bezieht der Landgraf Zins von 2 Gütern, 1 Haus mit Garten und einigen Äckern sowie von der Fischerei in Cappel. 1494: 4 landgräflich Pflüge in Cappel.
  • 1375 und später: geringer Güterbesitz des Deutsche Orden-Marburg.
  • 1428 verschreibt der Alsfelder Schöffe Otto von Saasen der Sieche zu St. Jost bei Marburg einen jährlich Zins aus seinem Hof zu Cappel.
  • 1459 verschreiben die Rode der Marburger Pfarrkirche eine Gülte aus ihrem Hof zu Cappel.
  • 1482 vertauschen die Marburger Kugelherren eine Hofraite in Cappel aus dem früheren Besitz der Rode.

Zehntverhältnisse:

Landgräfliche Zehntrechte 1357 erwähnt.

1748 ist der Zehnte zwischen Landgraf und Pfarrei geteilt.

Ortsadel:

1138/39; 1200/ 1220 (?)

Kirche und Religion

Ortskirchen:

Patrozinien:

  • Martin (1517)

Pfarrzugehörigkeit:

1605-1613 wird Cappel von Marburg aus versehen.

1617-1660 und seit 1725: Ronhausen eingepfarrt

1621-1624 Pfarrei Beltershausen

1691-1957 Pfarrei Wolfshausen als Vikariat mit Cappel verbunden

1947 mit der lutherischen Gemeinde vereinigt

Seit 1962 besteht in Cappel eine katholische Pfarrkuratie.

Patronat:

1387 und später Schenken zu Schweinsberg

Klöster:

  • Einsiedelei (Klause) im Eselsgrund 1,5 km südöstlich Cappel; Flurnamen Eynsiddeln (1492). Der letzte Klausner, Henche von Mardorf, Kaplan der Kreuzkapelle am Elisabethbrunnen bei Schröck, starb 1579.

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Heinrich Krug 1517-1547, seit 1527 evangelisch

Reformierter Bekenntniswechsel: 1605, 1624 wieder lutherisch.

Neben der lutherischen Gemeinde bestand seit 1701 eine reformierte; bis 1715 vom reformierten Garnisonprediger in Marburg versorgt; seit 1715 eigener Pfarrer, seit 1723 bis ca. 1796 wieder mit der Marburger Garnisonkirche verbunden, dann vom Informator des reformierten Waisenhauses in Marburg. 1817-1820 vom reformierten Pfarrer in Schwabendorf versorgt, seitdem mit kurzer Unterbrechung (1823-1826) mit der 2. reformierten Pfarrei Marburg verbunden.

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Sendbezirk Oberweimar

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Cappel, Landkreis Marburg-Biedenkopf“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/9022> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde